Von Tom Grünweg
Porsche-Fans müssen jetzt ganz tapfer sein. Denn der berühmteste, älteste und erfolgreichste Sportwagen der Welt ist nicht der 911, sondern die Corvette. Schon seit 1953 baut General Motors den legendären Zweisitzer, von dem in mittlerweile sechs Generationen knapp 1,5 Millionen Fahrzeuge verkauft wurden. Und das zu einem Preis, für den Porsche-Kunden oft nicht mal einen Gebrauchtwagen bekommen. Dabei sind die Fahrleistungen, zumindest bei den jüngeren Modellen ,durchaus ebenbürtig.
"Immer öfter wird die Corvette als reinrassiger Sportwagen akzeptiert", sagt Gerard Jansen, der den Vertrieb des Wagens in Europa verantwortet. Was sonst sollte ein Auto sein mit weit mehr als 400 PS Motorleistung, einem Sprintwert von deutlich unter fünf Sekunden und einer Höchstgeschwindigkeit jenseits von 300 km/h.
Als weitere Referenz nennt Jansen die fünf Serien-Siege in der GT1-Klasse bei den 24-Stunden-Rennen von Le Mans. Und in der GT3-Serie haben die Amerikaner die Herstellerwertung gewonnen. Weil beide Klassen für Privatkunden nahezu unerreichbar sind, geht die Corvette nun auch noch bei GT4-Rennen an den Start. "Denn nichts ist besser als Siege", sagt Jansen und zitiert die alte Verkäuferregel "Win on Sunday, sell on Monday."
Obwohl es also gut läuft für die Legende, ist der Vertriebsmann mit der Karriere der Corvette noch nicht ganz zufrieden. Während die Amerikaner pro Jahr rund 40.000 Corvettes verkaufen, schaffen die Europäer nicht einmal 1500. Das mag auch daran liegen, dass hierzulande das Auto rund doppelt so teuer ist wie in den USA. Aber es geht wohl auch um das Image des Wagens und seiner Käufer. Um das war es nicht immer zum Besten bestellt. Beides allerdings werde stetig solider, betonen die Amerikaner.
"Das Profil unserer Käufer hat sich positiv verändert", umschreibt Jansen den Abschied aus dem Rotlicht-Milieu. "Heute sind 60 Prozent der Corvette-Käufer Akademiker, die Tendenz ist weiter steigend." Nicht mehr Barbesitzer und Bordelliers, sondern Freiberufler, Architekten, Mediziner und Steuerberater stehen auf der Gästeliste, wenn die Händler zu ihren Driving-Days einladen. Im letzten Jahr nahmen mehr als 4000 potenzielle Kunden daran teil. "Über das Auto reden alleine reicht nicht. Man muss die Leute schon hinein bringen", sagt Jansen über die Ausfahrten rund um die Händlerstandorte.
Hartplastik zum Abgewöhnen - das ist jetzt vorbei
Aber Juechter wäre Kosmetiker und kein Car-Guy, wenn er es bei der Schminke belassen hätte. Also wurde auch die Lenkung überarbeitet und an den Getrieben gefeilt: Für die Handschaltung braucht man deshalb jetzt weniger Kraft und für die Automatik weniger Geduld. Im Tiptronic-Modus vom Lenkrad aus bedient, wechselt sie die Gänge nun um die Hälfte schneller. Und auch der Motor wurde verbessert: Die acht Zylinder haben jetzt 6,2 statt 6,0 Liter Hubraum. Damit steigt die Leistung um 33 auf 437 PS, und das maximale Drehmoment klettert von 546 auf 585 Nm.
Geschwindigkeitsrausch bis 306 km/h
Als gäbe es kein Morgen, schießt die Corvette damit bei einem Kickdown davon. Ganz kurz scheint sie sich zu schütteln, dann geht ein Ruck durch den Wagen, und in 4,4 Sekunden schnellt der Zweisitzer auf Tempo 100. Ein Ende findet der Rausch der Geschwindigkeit erst bei 306 km/h, was viele andere Sportwagen reichlich lahm aussehen lässt. Dabei ist die Corvette nicht einmal besonders versoffen. Natürlich sollte einem umweltbewussten Menschen der Normverbrauch von 13,3 Litern die Schamesröte ins Gesicht treiben, doch ist die Konkurrenz nicht sparsamer.
Nur mit den Argumenten Tradition und Performance allerdings kann man ein Auto nicht verkaufen. "Auch der Preis ist wichtig", gibt Jansen zu. Schließlich ist das Basismodell, das auch nach der Aufwertung unverändert als Coupé 65.290 und als Cabrio 74.950 Euro kostet, 30 Prozent günstiger als der Porsche 911. Und bald öffnet ein limitiertes Sondermodell für 59.990 Euro die Schere noch weiter. Doch besonders preissensibel scheinen die Corvette-Kunden gar nicht zu sein. Zumindest bei der der gerade präsentierten Über-Corvette ZR-1 mit ihren rund 630 PS wird das Geld keine Rolle spielen: Da es für Europa in diesem Jahr nur 50 und im nächsten lediglich 150 Autos gibt, könnten die Amerikaner dafür fast jede Summe verlangen.
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