Dodge Viper SRT-10: American Express

Von Tom Grünweg

Sie ist unter den Autos was Bruce Springsteen unter den Musikern ist - rockig und authentisch. Sie ist der in jeder Beziehung filterlose Sportwagen und ziemlich giftig. Kein anderes Auto fährt brachialer als die Dodge Viper. Jetzt wurde der Wagen nochmal verschärft.

Sie ist eng, laut und überaus unkomfortabel. Trotzdem gibt es für PS-Fanatiker kaum ein reizvolleres Auto als die Dodge Viper. Als ungekrönte Königin unter den US-Sportwagen kann man mit der in den USA als Cabrio und Coupé lieferbaren Flunder Motorleistung ehrlicher, rauer und wilder erleben als mit jedem anderen Boliden. Wo die Konkurrenzmodelle aus Europa auf Hightech setzen, bauen die Ingenieure in der Abteilung für "Street and Racing Technology" einen Motor nach der guten alten Rezeptur, dass Hubraum durch nichts zu ersetzen ist – außer durch noch mehr Hubraum.

Obwohl schon bislang jeder einzelne Zylinder für den Antrieb eines Kleinwagens gereicht hätte und das V10-Aggregat mit 8,3 Liter Hubraum größer ist als bei jedem anderen Pkw-Motor, wurde der riesige Block jetzt noch einmal aufgebohrt. Das Volumen wächst zwar lediglich um 0,1 Liter, doch eine vergrößerte Hutze auf der langen Motorhaube verbessert die Beatmung und die Leistung klettert um fast 100 auf nun 612 PS. Das maximale Drehmoment liegt jetzt bei 760 Nm.

Erweckt man das getunte V10-Triebwerk mit dem feuerroten Starterknopf zum Leben, geht schon im Leerlauf ein Zittern durch den Wagen. Wie ein Wildpferd vor dem Rodeo wartet die Viper auf den ersten Gasstoß, schüttelt sich, und macht sich bereit für einen Höllenritt, den man nicht so schnell vergessen wird. Während das tiefe Grollen aus den armdicken Auspuff-Endrohren unter den Türen von einem wütenden Schrei nach Vortrieb unterbrochen wird, wirft der Zehnzylinder das Coupé in Richtung Horizont. Für den Fahrer heißt das: festkrallen am Lenkrad. Nur kurz schnellt die Hand zum kugelrunden Schaltknauf, und allenfalls für ein paar Augenblicke schaut man auf den Tacho, wo die Nadel schon nach 3,7 Sekunden über die 100er-Marke wischt.

150, 200, 250 km/h – während der Las Vegas Speedway scheinbar immer schmaler wird, das Benzin gallonenweise durch die Zylinder rauscht und man nichts weiter sieht als die neu geformte Motorhaube mit den riesigen Kühlrippen, schaltet der Verstand langsam ab, und das Gewissen ertrinkt im Adrenalin. Man muss ja nicht jeden Tag das Klima retten, schießt es durch den Kopf, und der rechte Fuß tritt wieder zu. Bis bei 326 km/h tatsächlich Schluss ist.

Bei diesem Tempo fliegen die Schutzengel um die Viper einen großen Bogen. Wer mit der Schlange schnell sein will, ist auf sein eigenes Können, ordentlich Armkraft und Feingefühl im Gasfuß angewiesen. Statt einer Traktionskontrolle gibt es 345er-Walzen, die selbst nach einem Burnout noch genügend Halt bieten. Das fehlende ESP muss man durch geschicktes Gegenlenken ersetzen. Einzig ein ABS hat Dodge der Viper eingebaut. Und Bremsen, die wirken wie ein Anker, so dass die Viper für die Übung von 0 auf Tempo 160 und wieder zurück in den Stand kaum mehr als zwölf Sekunden braucht. Nicht umsonst glüht hinten anstelle eines dritten Bremslichts ein Vipern-Kopf, der jedem Hintermann eine Warnung sein sollte.

Fahrberichte-Datenbank

Ob die jüngste Generation des Autos auch wieder nach Europa kommt, ist noch nicht sicher. Zumal die Amerikaner von der Ikone gar nicht genug bekommen können und die erste Jahresproduktion für Preise ab 85.000 Dollar bereits ausverkauft ist. 2008 wird deshalb keines der geschärften Viper-Modelle Europa erreichen. Und ob sich im nächsten Jahr Homologation und Umrüstung rentieren, müsse erst noch geprüft werden, sagt Exportchef Thomas Hausch. Zudem hätten Chrysler, Jeep und Dodge derzeit genügend andere Neuheiten auf dem Plan. Und zu guter Letzt habe die Viper ihre Mission in Europa bereits erfüllt, sagt Hausch. "Dieses Auto war extrem wichtig, um den Namen Dodge bekannt zu machen."

Die Viper ist das mit Abstand spektakulärste US-Muscle-Car. Doch obwohl ihre Technik anmutet, als wäre sie von vorgestern, ist der Wagen dennoch einer der jüngsten Kraftmeier. Er geht auf ein Showcar von 1989 zurück. Weil die Messegäste in Detroit dem damaligen Chrysler-Entwicklungschef Bob Lutz schon Blankoschecks zustecken wollten, um sich den Exoten zu sichern, wurde kurz darauf die Serienproduktion beschlossen und die Viper 1992 aus dem Nest gelassen.

Extrem und exklusiv - erst 25.000 Autos wurden gebaut

Gemessen an der Konkurrenz allerdings sind die Stückzahlen lächerlich. Bislang wurden 25.000 Exemplare verkauft, das schafft General Motors mit der nicht einmal halb so teuren Corvette in einem Jahr. Und auch in der konzerneigenen Statistik nimmt die Viper eine Sonderstellung ein: Während von Typen wie dem Pick-up Dodge Ram oder dem Chrysler Voyager am Tag bis zu 1100 Fahrzeuge gebaut werden, entstehen maximal acht Viper-Modelle pro Tag - und zwar weitgehend in Handarbeit.

Weil die steigenden Benzinpreise auch den Amerikaner allmählich den Spaß am Autofahren verderben und die Klimadiskussion mittlerweile auch die früher sakrosankten Muscle-Cars einschließt, gab es in den vergangenen Wochen immer wieder Gerüchte, die neuste Viper könnte auch die letzte sein. Entwickler Ron Bauer hält das für unwahrscheinlich. "Offiziell werden Zukunftspläne von uns nicht kommuniziert und kommentiert", wiegelt er ab. "Die Viper ist unsere Ikone. Sie ist für die Chrysler Group so wichtig, dass man sie einfach nicht sterben lassen darf." John Bruce Springsteen geht schließlich auch immer noch auf Tournee.

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  • Datum: Montag 07.04.2008 | 09:42 Uhr
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Fahrzeugschein

Hersteller: Dodge
Typ: Viper SRT-10, Version 2008
Karosserie: Coupé
Motor: V10-Benziner
Hubraum: 8.383 ccm
Leistung: 612 PS (450 kW)
Drehmoment: 760 Nm
Von 0 auf 100: 3,7 s
Höchstgeschw.: 326 km/h
Kraftstoff: Superbenzin
Kofferraum: 240 Liter
Preis: 85.000 EUR
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