Von Tom Grünweg
Das kleinste Modell mausert sich für Mazda zum größten Erfolg. Nicht nur, dass die Japaner im ersten Verkaufsjahr allein in Europa bereits mehr als 40.000 Exemplare des Mazda 2 abgesetzt haben. Sondern das intelligent konstruierte und schmuck designte Wägelchen heimste auch ein gutes Dutzend Auszeichnungen bis hin zum "World Car of the Year" ein. Damit die Erfolgsstory weitergeht – Mazda will in diesem Jahr europaweit 85.000 Kleinwagen verkaufen – gibt es das Auto nun auch als Dreitürer.
Mit dem Wegfall der beiden Fondtüren sinkt der Grundpreis auf 11.450 Euro und ist damit um 500 Euro billiger als der des Fünftürers; dazu sieht der unverändert 3,89 Meter lange Wagen mit dem Namenszusatz "Sport" auch noch flotter aus. Das liegt vor allem an der neu gestalteten Flanke mit größeren Türen und einem kessen Dreiecksfenster für die Hinterbänkler. Im Fond geht es ähnlich zu wie in den meisten anderen Kleinwagen – doch der Zustieg ist trotz der weit aufschwingenden Türen vertrackt: Um die Vordersitze zum Einsteigen nach vorne und danach wieder in die Ausgangsposition zu klappen, haben die Mazda-Mannen einen fummeligen, viel zu komplizierten Mechanismus entwickelt.
Michael Bergmann, Mazda-Chef in Deutschland, erwartet für den Mazda 2 in diesem Jahr etwa 17.000 Zulassungen. Damit würde sich der Kleine ähnlich gut verkaufen wie das Mittelklassemodell Mazda 6. Und Bergmann hofft, dass demnächst auch noch ein Minimodell namens Mazda 1 das Angebot nach unten erweitert. "So ein Auto würde uns beim Einhalten der CO2-Ziele helfen", sagt Bergmann. Die Kleinwagen seien wichtig, um die Schadstoffbilanz auszugleichen, die angesichts von dicken SUV-Modellen wie CX-7 und CX-9 in Schieflage gerät.
Der Chef hofft auf ein noch kleineres Pkw-Modell
Als zweiten Grund für einen weiteren Autoknirps nennt der Chef die wachsende Akzeptanz von Kleinwagen, die längst nicht mehr als langweilig und billig wahrgenommen werden. "Solche Autos sind heute nett, modern und flott", sagt Bergmann und fragt eher rhetorisch: "Warum sollte es also bei Mazda nicht noch kleiner gehen?"
Auf dem Pariser Autosalon im Oktober, das scheint ausgemacht, wird Mazda zumindest die Studie eines solchen ultrakompakten Dreitürers zeigen. Entworfen wird der Zwerg dort, wo die vermeintliche Nachfrage am größten wäre: in Europa, genauer im Mazda-Designcenter Oberursel bei Frankfurt.
Dass dieses sehr europäische Auto auch in Japan Interesse wecken könnte, glaubt Bergmann nicht. Denn mit einer ungefähren Länge von rund 3,50 Metern wäre der Wagen für die wichtigen Vergünstigungen, die sogenannte Microcars in Japan erhalten, noch eine Nummer zu groß. Stattdessen kauft Mazda für das Segment dieser K-Cars ein Suzuki-Fabrikat ein, der in Japan als Mazda Carol bis vor kurzem die Untergrenze des Angebots markierte.
Mit dem Kleinwagen Carol kam Mazda groß raus
Der Name Carol hat bei Mazda eine große Tradition. Auch der erste Viersitzer der Unternehmensgeschichte hieß so. Das Auto, das im Februar 1962 debütierte, gilt als einer der Urväter des japanischen Kleinstwagens. Stilistisch angesiedelt zwischen Goggo-Mobil und dem Vehikel von Fred Feuerstein, bot der Carol auf nicht einmal drei Metern Länge immerhin Platz für vier Erwachsene und einen Vierzylindermotor mit 360 Kubikzentimetern Hubraum sowie 20 PS.
Zwar dominierte der Carol in den frühen sechziger Jahren das Segment der Minicars in Japan, doch nach Europa gelangte bis heute nur ein einziges Exemplar. Das wird gerade von einem Sammler in der Nähe von Augsburg aufbereitet. Vielleicht inspiriert das die Designer in Oberursel ja zusätzlich. Denn bei der Vielzahl an neuen Minimobilen – vom Toyota iQ über den Suzuki A-Star bis zum kommenden VW Up – sollte auch ein Mazda 1 etwas Exzentrisches bieten, um aus der Mini-Masse hervorzustechen.
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