Mazda 2 Sport: Liebling, ich habe die Cash Cow geschrumpft

Von Tom Grünweg

Die Japaner legen die Latte tiefer: Den kleinen Mazda 2 gibt es jetzt mit geschärftem Design auch als Dreitürer. Und ein noch kleineres Modell ist in Arbeit. Schließlich haben Minis bei Mazda Tradition.

Das kleinste Modell mausert sich für Mazda zum größten Erfolg. Nicht nur, dass die Japaner im ersten Verkaufsjahr allein in Europa bereits mehr als 40.000 Exemplare des Mazda 2 abgesetzt haben. Sondern das intelligent konstruierte und schmuck designte Wägelchen heimste auch ein gutes Dutzend Auszeichnungen bis hin zum "World Car of the Year" ein. Damit die Erfolgsstory weitergeht – Mazda will in diesem Jahr europaweit 85.000 Kleinwagen verkaufen – gibt es das Auto nun auch als Dreitürer.

Mit dem Wegfall der beiden Fondtüren sinkt der Grundpreis auf 11.450 Euro und ist damit um 500 Euro billiger als der des Fünftürers; dazu sieht der unverändert 3,89 Meter lange Wagen mit dem Namenszusatz "Sport" auch noch flotter aus. Das liegt vor allem an der neu gestalteten Flanke mit größeren Türen und einem kessen Dreiecksfenster für die Hinterbänkler. Im Fond geht es ähnlich zu wie in den meisten anderen Kleinwagen – doch der Zustieg ist trotz der weit aufschwingenden Türen vertrackt: Um die Vordersitze zum Einsteigen nach vorne und danach wieder in die Ausgangsposition zu klappen, haben die Mazda-Mannen einen fummeligen, viel zu komplizierten Mechanismus entwickelt.

Die Motorenpalette hingegen übernimmt der Dreitürer unverändert vom bisher bekannten Fünftürer. Neben den drei Benzinern mit 1,3 oder 1,5 Litern Hubraum und 75 bis 103 PS gibt es den neuen Dieselmotor, der aus 1,4 Litern 68 PS schöpft und mit einem Verbrauchswert von 4,3 Litern (CO2-Ausstoß 114 g/km) eigentlich die vernünftigste Wahl wäre. Doch die Preisrallye an der Tankstelle erschwert es erheblich, den Dieselpreisaufschlag von 1500 Euro wieder hereinzufahren. Außerdem klingt der Motor rau und ruppig, und das sonst serienmäßige ESP erhält die Dieselvarianten nicht.

Michael Bergmann, Mazda-Chef in Deutschland, erwartet für den Mazda 2 in diesem Jahr etwa 17.000 Zulassungen. Damit würde sich der Kleine ähnlich gut verkaufen wie das Mittelklassemodell Mazda 6. Und Bergmann hofft, dass demnächst auch noch ein Minimodell namens Mazda 1 das Angebot nach unten erweitert. "So ein Auto würde uns beim Einhalten der CO2-Ziele helfen", sagt Bergmann. Die Kleinwagen seien wichtig, um die Schadstoffbilanz auszugleichen, die angesichts von dicken SUV-Modellen wie CX-7 und CX-9 in Schieflage gerät.

Der Chef hofft auf ein noch kleineres Pkw-Modell

Als zweiten Grund für einen weiteren Autoknirps nennt der Chef die wachsende Akzeptanz von Kleinwagen, die längst nicht mehr als langweilig und billig wahrgenommen werden. "Solche Autos sind heute nett, modern und flott", sagt Bergmann und fragt eher rhetorisch: "Warum sollte es also bei Mazda nicht noch kleiner gehen?"

Fahrberichte-Datenbank

Auf dem Pariser Autosalon im Oktober, das scheint ausgemacht, wird Mazda zumindest die Studie eines solchen ultrakompakten Dreitürers zeigen. Entworfen wird der Zwerg dort, wo die vermeintliche Nachfrage am größten wäre: in Europa, genauer im Mazda-Designcenter Oberursel bei Frankfurt.

Dass dieses sehr europäische Auto auch in Japan Interesse wecken könnte, glaubt Bergmann nicht. Denn mit einer ungefähren Länge von rund 3,50 Metern wäre der Wagen für die wichtigen Vergünstigungen, die sogenannte Microcars in Japan erhalten, noch eine Nummer zu groß. Stattdessen kauft Mazda für das Segment dieser K-Cars ein Suzuki-Fabrikat ein, der in Japan als Mazda Carol bis vor kurzem die Untergrenze des Angebots markierte.

Mit dem Kleinwagen Carol kam Mazda groß raus

Der Name Carol hat bei Mazda eine große Tradition. Auch der erste Viersitzer der Unternehmensgeschichte hieß so. Das Auto, das im Februar 1962 debütierte, gilt als einer der Urväter des japanischen Kleinstwagens. Stilistisch angesiedelt zwischen Goggo-Mobil und dem Vehikel von Fred Feuerstein, bot der Carol auf nicht einmal drei Metern Länge immerhin Platz für vier Erwachsene und einen Vierzylindermotor mit 360 Kubikzentimetern Hubraum sowie 20 PS.

Zwar dominierte der Carol in den frühen sechziger Jahren das Segment der Minicars in Japan, doch nach Europa gelangte bis heute nur ein einziges Exemplar. Das wird gerade von einem Sammler in der Nähe von Augsburg aufbereitet. Vielleicht inspiriert das die Designer in Oberursel ja zusätzlich. Denn bei der Vielzahl an neuen Minimobilen – vom Toyota iQ über den Suzuki A-Star bis zum kommenden VW Up – sollte auch ein Mazda 1 etwas Exzentrisches bieten, um aus der Mini-Masse hervorzustechen.

Diesen Artikel...

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Auto
alles aus der Rubrik Tests

© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


  • Datum: Freitag 06.06.2008 | 09:00 Uhr
  • Artikel drucken
  • Artikel versenden
  • Feedback

Fahrzeugschein

Hersteller: Mazda
Typ: 2 Sport
Karosserie: Kleinwagen
Motor: Vierzylinder-Commonrail-Diesel
Hubraum: 1.399 ccm
Leistung: 68 PS (50 kW)
Drehmoment: 160 Nm
Von 0 auf 100: 15,5 s
Höchstgeschw.: 162 km/h
Verbrauch (ECE): 4,3 Liter
CO2-Ausstoß: 114 g/km
Kraftstoff: Diesel
Kofferraum: 250 Liter
umgebaut: 787 Liter
Versicherung: 17 (HP) / 19 (TK) / 19 (VK)
Preis: 13.000 EUR
TOP



TOP