Von Tom Grünweg
Die Ersten werden die Letzten sein – Suzuki weiß das ziemlich genau. Denn als die Marke vor 20 Jahren den Vitara auflegte, war sie eine der ersten, die einen Geländewagen für die Großstadt im Rennen hatten. Entsprechend groß war das Echo der Kundschaft, die den modischen Kraxler schnell zum Kultgefährt stilisierte und seit dem Debüt 1989 allein in Deutschland mehr als 130.000 und weltweit rund 2,4 Millionen Autos kaufte.
Inzwischen gibt es nur wenige Allradler mit einer so langen Tradition. Doch gerade zum runden Geburtstag wird das Dilemma des Suzuki-Dauerbrenners offensichtlich: Er ist zu groß, zu teuer und zu ambitioniert, um es mit Kompakt-SUVs à la VW Tiguan oder Ford Kuga aufzunehmen, er ist zu wenig variabel und innovativ für das Duell mit Autos wie dem Honda CR-V, und er ist nicht stark genug für den harten Arbeitseinsatz, für den Modelle wie Nissan Patrol oder Land Rover Discovery gedacht sind. Stattdessen hockt der Pionier heute zwischen allen Stühlen; und das im Keller der Zulassungsstatistik: mit knapp 3000 Verkäufen im ersten Halbjahr 2008 in Deutschland.
Ansprechende Werte, aber lasche Fahrleistungen
Der Blick in die Datenblätter gibt den Suzuki-Leuten Recht, doch ein großer Wurf ist der Motor leider nicht. Die 232 PS und 291 Nm klingen allenfalls auf dem Papier beeindruckend. Auf der Straße dagegen wirkt der grundsätzlich an eine sanfte, aber träge Fünfstufen-Automatik gekoppelte Sechszylinder vergleichsweise schlapp und schmächtig. Gelassen durch die Stadt dahinrollen und gemächlich über die Autobahn bummeln – das kann der Motor tadellos. Aber vor dem Überholen muss man schon auf den Power-Knopf auf dem Mitteltunnel drücken und den Fuß ans Bodenblech pressen, um zügig vorbei zu kommen.
Die offiziell angegebenen 9,6 Sekunden für den Spurt von 0 auf 100 schafft man allenfalls unter Idealbedingungen, und auf die eingetragene Höchstgeschwindigkeit von 200 km/h kommt der immerhin 1,8 Tonnen schwere Allradler nur mit viel Geduld und einer steifen Brise Rückenwind. Wer das ausprobiert, darf sich dann freilich über den gattungsgemäß hohen Verbrauch des Allradlers nicht wundern. Schwimmt man dagegen entspannt im Verkehr mit, ist der Wagen mit runden zehn Litern zufrieden.
Wenn's drauf ankommt, wühlt sich der Wagen durch
Zwar sind auch die letzten Vitara-Fahrer mittlerweile wohl wieder auf die befestigten Pfade der Tugend zurückgekehrt. Doch wer partout einen Abstecher ins Asphalt-freie Gelände machen möchte, kommt mit dem Auto dort ziemlich weit. Denn der permanente Allradantrieb ist serienmäßig an Bord, die Kraftverteilung zwischen den Achsen kann zu je fünfzig Prozent fixiert werden, auf schwerem Terrain hilft ein Kriechgang, und zusammen mit dem Sechszylinder gibt es erstmals auch eine elektronische Bergabfahrhilfe.
Passend zum gehobenen Anspruch des auf 750 Exemplare limitierten Jubel-Jeeps hat Suzuki auch den Innenraum aufgemöbelt. Doch auch die beheizten Ledersitze, das elektrische Schiebedach, der große Monitor des Navigationssystems und das Marmorimitat aus glänzendem Kunststoff können nicht darüber hinweg täuschen, dass der einstige Vorreiter der Konkurrenz heute hinterher fährt.
Es fehlt an Variabilität im Innenraum
Für den Wettstreit mit VW Tiguan & Co ist das Interieur zu nackt und nüchtern, und die bei vielen Konkurrenten übliche Variabilität kann der Grand Vitara auch nicht bieten. Konventionell umlegbare Rücksitze und eine seitlich angeschlagene Hecktür machen den Wagen sicher nicht zum Liebling der Lademeister, wenngleich das Fassungsvermögen mit Werten von 398 bis 1386 Litern respektabel ist.
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