Von Tom Grünweg
Mini, Fiat 500, Smart - bei der Aufzählung aktueller Lifestyle-Autos im Kleinformat fiel einem bislang der Name Kia nicht ein. Das soll sich bald ändern. Im Februar bringt die koreanische Marke ein Auto an den Start, das zum Kultgefährt stilisiert werden soll und dessen Name nach Nachtleben und Coolness klingt: Soul.
Entworfen in Kalifornien, verfeinert in Deutschland und produziert in Korea soll das 4,11 Meter lange Auto Hyundais Schwestermarke Kia ein Stück mehr vom Image des Billiganbieters befreien und als Designmarke etablieren. Die Optik des Autos folgt dem aktuellen Trend zu Ecken und Kanten. Der Soul steht da wie ein Würfel auf Rädern und gibt mit wuchtigen Stoßfängern, stark betonten Radläufen und etwas mehr Bodenfreiheit so etwas wie einen Nachwuchs-Geländewagen.
So ungewöhnlich wie der Zuschnitt ist auch die Auswahl der Motoren. Wo andere Kleinwagen mit 1,2 oder 1,4 Litern Hubraum und 75 oder 90 PS starten, tritt der Soul ausschließlich mit Benzinern und Dieselaggregaten mit 1,6 Litern Hubraum und mehr als 120 PS an. Allerdings darf man von den Vierzylindern trotz der stattlichen Werte nicht zu viel erwarten. Der Diesel mit 128 PS und 260 Nm schlägt sich ganz wacker, wenngleich es schwächere Motoren mit mehr Mumm gibt. Der Benziner jedoch ist eine arge Enttäuschung: 126 PS und 156 Nm entwickelt die Maschine, doch davon ist kaum etwas zu spüren. Nur wer den Motor mit hohen Drehzahlen bei Laune hält, kommt mit lautem Dröhnen aber immerhin halbwegs flott in Fahrt.
Reichlich Innenraum, mickriges Gepäckabteil
Gemessen an konventionellen Autos dieses Formats bietet der Kia Soul innen ungewöhnlich viel Platz. Nicht nur die Kopffreiheit ist trotz der einsteigefreundlich hohen Sitzposition großzügig. Auch für die Knie der Insassen bleibt bei einem Radstand von 2,55 Metern genügend Freiraum. Selbst Erwachsene sitzen auf der Rückbank bequem. Einschränkungen müssen Soul-Fahrer allerdings beim Kofferraum hinnehmen: Obwohl der Wagen optisch auch als kleiner Van durchgehen würde, ist er weder sonderlich variabel, noch bietet er große Transportkapazitäten. Die Öffnung hinter der Rückbank ist wegen der ebenso hohen wie wuchtigen Stoßstange nur mühsam zu beladen und fasst nur 222 Liter. Ein zusätzliches Fach im Unterboden schafft etwas mehr Volumen, und die Rücksitzlehne ist asymmetrisch geteilt und umklappbar.
Insgesamt hält das Interieur nicht, was das mutige Außendesign verspricht. Die Formen sind zwar auch innen recht schwungvoll, weshalb zum Beispiel die Bedieneinheit für Radio und Klima wie eine riesige Rolling-Stones-Zunge über das Armaturenbrett lappt. Doch im Basismodell sitzt man in einer tristen Plastiklandschaft, die für den Preis des Wagens viel zu billig wirkt. Da sind das rot eingefärbte Innenleben von Handschuhfach und zentraler Ablage oder die bunten Soul-Schriftzüge auf den Sitzlehnen nur ein schwacher Trost. Dabei zeigen Details wie die farbigen Verkleidungen für das Cockpit oder die pulsierenden LED-Ringe in den Lautsprechern, dass genug Mut vorhanden ist. Nur gibt es die poppigen Innenraum-Ideen erst gegen Aufpreis.
Überraschende Preispolitik bei Kia
Überhaupt muss man für den Kia Soul ungewohnt tief in die Tasche greifen. Zwar ist der Wagen mit sechs Airbags, ESP und einem Radio mit USB-Anschluss bereits in der Basisversion ganz ordentlich ausgestattet, und die Motoren sind größer als in dieser Klasse üblich. Doch kostet schon der günstigste Soul 14.980 Euro und ist damit fast so teuer wie ein VW Golf. Außerdem gibt es bis auf den Metalliclack sämtliche Extras - egal ob cool wie die Styling-Pakete oder konventionell wie das Schiebedach und den kleinen Heckspoiler - nur für die ohnehin schon 18.950 Euro teure Top-Version.
Wer dann noch den Dieselmotor (Aufpreis circa 1800 Euro) oder gar das Automatikgetriebe (1150 Euro) bestellt, ist fast schon auf dem Niveau einer Mittelklasse-Limousine. Da werden sich wohl einige der bisherigen Kia-Kunden mächtig erschrecken. Doch das renkte sich wieder ein, gibt sich der neue Designchef Peter Schreyer optimistisch. Seine Vorhersage für den neuen Kleinwagen mit dem Kult-Appeal lautet so: "Der Soul wird der erste Kia, beim dem sich die Kunden sich über Farben, Ausstattung und Zubehör informieren, bevor sie nach dem Preis fragen."
Auf anderen Social Networks posten:
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Auto | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Tests | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH