Fiat 500 mit Start-Stopp-Automatik: Der Kleinsparer

Von Jürgen Pander

Nun also auch Fiat: Wie bei vielen anderen Herstellern bereits geschehen, startet die Marke aus Turin ein Öko-Label und bietet vorläufig in drei Baureihen sogenannte Pur-O2-Modelle an. SPIEGEL ONLINE war mit dem Retro-Knirps Fiat 500 mit Spartechnik unterwegs.

Schick sieht der Testwagen aus, er glänzt in "Bossa Nova Weiß" und das passt ganz gut, denn das Auto ist ein sehr reinliches Modell. Es handelt sich um die neue Pur-O2-Variante, ein Fahrzeug, das gegenüber dem normalen Basismodell der Baureihe optimiert wurde hinsichtlich des Verbrauchs – und damit auch des CO2-Ausstoßes. Konkret: Der Fiat 500 Pur-O2, der ausschließlich mit dem 1,2-Liter-Benziner mit 69 PS angeboten wird, auf Leichtlaufreifen rollt und mit Leichtlauf-Öl befüllt ist, schluckt im Schnitt 4,8 Liter Sprit und stößt als Folge 113 Gramm CO2 je Kilometer aus.

So jedenfalls die Theorie aus dem Hause Fiat. Um die in der Praxis zu überprüfen, bietet die italienische Marke jetzt für jedermann das Öko-Computerprogramm Eco-Drive an, das für Windows PC und Apple Computer verfügbar ist. Die Software gibt es kostenlos auf der Fiat-Homepage im Internet. Sobald das Programm per USB-Stick ins Auto transferiert wird - was mit jedem Fiat klappt, der mit dem Infotainment-System Blue & Me ausgestattet ist - kann es losgehen.

Der Bordcomputer zeichnet allerlei Fahrdaten auf, die dann, wenn sie – wiederum via USB-Stick – auf den heimischen Computer geladen wurden, zu einer anschaulichen Grafik des persönlichen Fahrstils verarbeitet werden. Wer sich so selbst über mehrere Wochen, Monate oder Jahre kontrolliert, erhält einen präzisen Überblick über das eigene Fahrverhalten hinsichtlich des Spritverbrauchs und damit auch des Schadstoffausstoßes. Und Fiat verspricht, dass sich mit Eco-Drive die Kraftstoffkosten um bis zu 15 Prozent senken lassen – ganz gleich mit welchem Fiat-Modell.

Wir waren exakt 50 Kilometer mit dem Fiat 500 Pur-O2 unterwegs, der übrigens als erster Fiat mit einer Start-Stopp-Automatik ausgestattet ist, die den Motor bei jedem Ampelstillstand abstellt und beim Betätigen des Kupplungspedals wieder anschaltet. Nach der Testfahrt im Hamburger Stadtverkehr ergab sich folgendes Bild: Exakt 3,09 Liter Benzin wurden verfeuert, damit 7,2 Kilogramm CO2 ausgestoßen und wir erhielten einen persönlichen Öko-Index von 71 auf der bis 100 reichenden Skala. Da bleibt also noch reichlich Raum für mehr Sparsamkeit.

Neues Computerprogramm hilft beim Spritsparen

Wie das funktionieren kann, sagt das Programm auch, denn weil während der Fahrt auch Details wie Schaltpunkte, Gaspedalbewegungen und Ähnliches aufgezeichnet werden, kann das Programm dem lernbereiten Nutzer Tipps für eine effizientere Fahrweise geben. Wer die beherzigt, erreicht wohl irgendwann den Höchstwert von 100 – und fährt dann mit Sicherheit billiger und umweltfreundlicher Auto als zuvor.

"Es ist ein demokratischer Ansatz, um die persönliche Fahrweise zu optimieren", sagt Fiat-Deutschlandchef Manfred Kantner. Derzeit steht die Software für die Modelle Fiat 500 und Grande Punto bereit; für die Typen Bravo, Croma und Qubo soll es in Kürze soweit sein. Wer die Herausforderung zu mehr Effizienz sportlich nimmt, kann in der Webcommunity Eco-Ville mitmachen, sozusagen der Internet-Plattform der sparwilligen Fiat-Fahrer.

Fiat hat die Autoflotte mit dem geringsten CO2-Ausstoß

Zum Bemühen der Marke, die Spitzenstellung beim CO2-Ausstoß unter den Autoherstellern zu behalten - bis zum Ende des ersten Halbjahres 2008 lag Fiat mit einem durchschnittlichen CO2-Emissionswert aller Modelle von 137,3 Gramm in Führung - gehört auch der Ausbau der Erdgas-Flotte. In diesem Jahr will das Unternehmen erstmals 100.000 solcher Fahrzeuge verkaufen. Im Vergleich zu Benzinern stoßen mit Erdgas betriebene Autos circa 25 Prozent weniger CO2 aus. Entwickelt wird derzeit ein Erdgas-Turbomotor. Und auch ab Werk umgerüstete Modelle für den Betrieb mit Flüssiggas will Fiat noch im ersten Halbjahr 2009 auf den Markt bringen.

Es gehe jetzt um möglichst saubere und dabei erschwingliche Mobilität, sagt Fiat-Vorstandschef Kantner. Denn: "Die Bereitschaft zu einer ökologisch verträglichen Mobilität erlischt bei vielen Kunden, sobald die Kosten dafür zu hoch werden." Daher bieten die Pur-O2-Modelle einen Preisvorteil im Vergleich zu den Standard-Varianten; und bei einigen Modellen stockt Fiat die Abwrackprämie der Bundesregierung von 2500 Euro durch einen Bonus auf, so dass beispielsweise der Fiat Panda ab 4990 Euro angeboten wird.

Den Retro-Knirps Fiat 500 gibt's nicht im Angebot

Für den Kleinwagen Fiat 500 sind derart aggressive Preisdrückereien nicht nötig. Der putzige Wagen verkauft sich wie geschnitten Brot, so dass die Pur-O2-Variante zu einem Preis ab 13.000 Euro wahrlich kein Sonderangebot ist. Der Mix aus Chic, Öko und Billigangeboten kommt offenbar an: Im vergangenen Jahr legte die Marke aus Turin auf dem deutschen Markt um 19.4 Prozent zu und verkaufte 88.111 Autos.

Ob das Ergebnis in diesem Jahr ähnlich erfreulich ausfallen wird, ist ungewiss. Der Fiat-Konzern erwartet insgesamt einen Absatzrückgang von 20 Prozent, wie Fiat-Chef Sergio Marchionne kürzlich einräumte. In Deutschland sind die Verantwortlichen weniger pessimistisch. Kantner: "Wir setzen auf unsere Eco-Strategie und neue Modelle wie das Fiat 500 Cabrio, den neuen Grande Punto und den neuen Doblò." Die beiden letztgenannten treten allerdings erst gegen Ende des Jahres an.

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  • Datum: Montag 26.01.2009 | 12:42 Uhr
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Fahrzeugschein

Hersteller: Fiat
Typ: 500 Pur-O2
Karosserie: Kleinwagen
Motor: Vierzylinder-Benziner
Getriebe: Fünfgang-Schaltgetriebe
Antrieb: Front
Hubraum: 1.242 ccm
Leistung: 69 PS (51 kW)
Drehmoment: 102 Nm
Von 0 auf 100: 13 s
Höchstgeschw.: 160 km/h
Verbrauch (ECE): 4,8 Liter
CO2-Ausstoß: 113 g/km
Kofferraum: 185 Liter
umgebaut: 610 Liter
Versicherung: 15 (HP) / 17 (TK) / 12 (VK)
Preis: 13.000 EUR
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