Von Jürgen Pander
Im Hauruck-Verfahren lässt sich ein so genanntes Premium-Image keineswegs implantieren – das ist eine der Lektionen, die VW mit der Einführung der Oberklasse-Limousine Phaeton lernen musste. Nur weil ein Auto die Fünf-Meter-Längengrenze sprengt und deutlich mehr als zwei Tonnen auf die Waage bringt, wird daraus noch kein vom solventesten Fünftel der Kundschaft bevorzugtes Modell. Und jetzt? Gibt es den Phaeton weiterhin, aber VW backt auch wieder kleinere Brötchen und nähert sich ganz behutsam den höheren Marktregionen an.
So ein kleiner, kontrollierter Schritt auf dem Weg in Richtung Premium-Hersteller ist zum Beispiel der Passat CC. Wenn diese Buchstabenkombination im Autobau auftaucht, sind häufig Cabrio-Coupés gemeint, also Autos mit Klapp-Stahldach. VW jedoch übersetzt CC mit Comfort-Coupé. Das Modell ergänzt seit dem vergangenen Sommer die bis dahin seit 35 Jahren bewährte, pragmatisch-praktische Passat-Baureihe um eine ganz auf den äußeren Auftritt bedachte Variante.
Der Passat CC ist ein Viertürer im Coupé-Zuschnitt. Für die Optik bedeutet das eine gestreckte, von fließenden Linien und einem elegant abfallenden Dachbogen geprägte Silhouette – und das heißt nichts Gutes für das Kapitel Alltagspraxis. Erstens fallen die hinteren Türen ungewöhnlich lang aus, so dass höchste Vorsicht beim Ein- und Aussteigen auf engen Parkplätzen oder in Parkhäusern geboten ist. Dazu kommt die erhöhte Rempelgefahr für den Kopf beim Einfalten ins Auto und auch drinnen ist das Dach im Weg, wenn Erwachsene wirklich aufrecht im Fond sitzen wollen.
Der Trumpf der neuen Karosserievariante heißt Stil, denn daran mangelte es dieser Baureihe bislang. Überhaupt gibt es sonst keinen VW mit einer derart rassig-eleganten Ausstrahlung. Scirocco und Eos haben einfach nicht das nötige Format, was beim Phaeton zwar vorhanden ist, aber dafür fehlt es dem Großkaliber an formaler Finesse. Die bietet der Passat CC auch im Innenraum - dort ist die bislang gelungenste VW-Armaturentafel beherbergt. Eine an Autos eher uninteressierte Begleiterin regte die Einrichtung zu folgendem Spontan-Kommentar an: "Das sieht ja schick aus hier." Ein höheres Lob aus ihrem Munde ist für einen Pkw kaum denkbar.
Angetrieben wurde unser Testwagen von stärkeren der beiden Dieselmotoren im Angebot. Die Vierzylinder-TDI-Maschine mit Rußpartikelfilter leistet 170 PS und ist eine gute Wahl für das Auto. Ausreichend flott ist das Aggregat allemal, und beim Verbrauch hält es sich wenigstens halbwegs zurück. 6,1 Liter gibt VW als Durchschnittswert an. Der Bordcomputer des von uns gefahrenen Modells errechnete 7,8 Liter – was einmal mehr zeigt, wie viel von den Normwerten zu halten ist, bei deren Ermittlung eine Geschwindigkeit von 120 km/h nur kurz erreicht wird.
Der Passat CC mit 170-PS-Diesel und Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe kann aber – eine freie Strecke vorausgesetzt – viel mehr. Dann spielt das Auto, zumindest für die beiden Insassen auf den vorderen Plätzen, seine Gran-Turismo-Qualitäten aus und gibt den entspannten Gleiter, der kaum Störgeräusche nach innen dringen lässt und mit einem ausgewogenen Lenkgefühl sowie zahlreichen Komfortdetails erfreut.
Mit Dingen, die nach Luxus schmecken und den Preis nach oben treiben, kann der Passat CC nach Gusto bestückt werden. Vavona- oder Nussbaum-Wurzel-Edelholzeinlagen für je 450 Euro, ein Spurhalteassistent für 515 Euro, eine automatische Einparkhilfe für 755 Euro, eine Zwei-Zonen-Klimaanlage für 435 Euro, eine USB-Anschlussbuchse für 165 Euro – diese Liste an kostenpflichtigen Sonderausstattungen für den Wagen ließe sich noch sehr lange weiterführen.
Ein paar praktische Dinge aber hat VW vergessen. In Sachen Spritspartechnik nämlich ist keine einzige Besonderheit an Bord – weder ist eine Start-Stopp-Automatik verfügbar, noch gibt es rudimentäre Sparansätze wie Leichtlaufreifen oder Aerodynamik-Optimierungen. Und dann hat uns böse überrascht, als eines Mittags das Auto praktisch tot war. Die Batterie hatte sich vollkommen entleert – weil aus Versehen der Blinkerhebel eingeschaltet geblieben war.
Sicher, das ist eine Schusseligkeit des Fahrers und ein Bedienfehler. Aber Autos, die beim Spurhalten helfen können, in Sekundenbruchteilen das Fahrwerk abstimmen oder die Distanz zum Vorausfahrenden automatisch einhalten, sollten eigentlich auch einen kleinen Schalter haben, der das komplette Entleeren der Batterie wegen eines Lapsus verhindert. Das wäre wirklich mal Technik, die mitdenkt.
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