Von Jürgen Pander
Er ist ein Renner, aber sein Image ist nicht besonders. "Im Zentrum unserer Bemühungen standen die Alltagstauglichkeit und die soziale Akzeptanz des Cayenne Diesel", sagt Klaus-Gerhard Wolpert, der bei Porsche für die SUV-Baureihe verantwortliche Chefingenieur. Vor gut sechs Jahren wagte sich der Sportwagenbauer mit dem wuchtigen Allradler auf artfremdes Terrain: Der Cayenne war der erste Fünftürer der Marke, der erste Porsche, für den es ab Werk eine Anhängerkupplung gab - und er war eine erstaunliche Chance, den Kundenkreis zu erweitern. Die Zuffenhausener nutzten sie.
"In knapp vier Wochen wird das 250.000. Modell vom Band in Leipzig laufen", berichtet Wolpert. Zugleich aber räumt er ein, dass sich seit dem Debüt des Allradlers "die Welt weiter gedreht hat". Die Drehrichtung beschreibt er so: "Es gibt inzwischen eine enorm gestiegene Nachfrage nach Diesel-SUV, eine engagiert geführte Klimadiskussion und erhebliche steuerliche Vorteile für Dieselfahrzeuge in vielen Märkten." Deshalb habe man sich entschieden, erstmals einen Diesel anzubieten.
Genaugenommen sieht man das aber gar nicht, denn das neue Einstiegsmodell Cayenne Diesel sieht aus wie der normale Cayenne mit V6-Benzinmotor. Kein Schriftzug, kein Buchstabenkürzel – nichts weist auf den Ölbrenner unter der Fronthaube hin. Soll lieber keiner merken, dass ein Diesel drinsteckt? "Wir wollen ein gewisses Understatement kultivieren", sagt ein Porsche-Sprecher.
Erst wenn der Cayenne-Fahrer an der Tankstelle zur Diesel-Zapfpistole greift, ist der Fall klar. Oder wenn man selbst hinterm Lenkrad Platz genommen hat und auf einen Drehzahlmesser blickt, dessen roter Bereich bei gut 4500 Touren beginnt. Außerdem zeigt die Reichweitenanzeige im Kombi-Instrument bei vollem Tank rund tausend Kilometer an – eine Zahl, die Porsche-Fahrer in diesem Zusammenhang noch nie gesehen haben. 9,3 Liter Sprit schluckt der Cayenne Diesel im Schnitt auf hundert Kilometern – der bislang sparsamste Cayenne, der weiter im Angebot bleibt, verfeuert im Mittel 12,9 Liter Benzin.
Auch Porsche-Kunden müssen allmählich rechnen
Das immerhin 2240 Kilogramm schwere Auto, es wiegt rund 70 Kilo mehr als der identische Wagen mit V6-Benziner, lässt sich wohl tatsächlich mit Verbrauchswerten um zehn Liter bewegen. Nach der ersten Testrunde von SPIEGEL ONLINE über wellige Landstraßen, durch einige Kilometer Stadtverkehr und ein kurzes Stück Autobahn meldete der Bordcomputer einen Durchschnittsverbrauch von 10,1 Liter. Wolpert macht eine für eine Luxusautomarke etwas ungewöhnliche Rechnung auf: Bei einer Jahresfahrleistung von rund 20.000 Kilometern, so der Chefingenieur, amortisiere sich der Cayenne Diesel bereits nach einem Jahr. Wer das nachvollziehen möchte: Der Selbstzünder kostet 56.436 Euro, der V6-Benziner 55.090.
In Fahrt gibt die neue Dieselvariante den Angepassten. 240 PS und 550 Nm sind eine Menge Holz, doch angesichts des enormen Gewichts keineswegs so übertrieben wie es klingt. Der Wagen fährt sich, von der größenbedingten Unübersichtlichkeit einmal abgesehen, sehr angenehm. Vor allem aber fährt er ruhig. Dass vor der Spritzwand ein Dieselmotor rackert, kriegt man im Innenraum akustisch gar nicht mit. Eine aufwendige Schallisolierung sowie eine spezielle Frontscheibe mit einer eingelassenen Dämmfolie hält Brummgeräusche fern. Erst ab 140 km/h auf der Autobahn schwillt das Rauschen des Fahrtwindes an. Porsche-Fahrer, die den Tritt auf Gaspedal auch aus lautmalerischen Gründen schätzen, werden enttäuscht sein, denn in diesem Fall bleibt das Spektakel aus.
Feinarbeit am Audi-Dieselmotor
Das ist erfreulich, denn Krawallkisten gibt es schon genug. Dem Cayenne tut die neue Bescheidenheit gut. Kein Porsche ist so defensiv und sozialverträglich wie die Dieselvariante – auch wenn die Gattung SUV für dieses Vorhaben per se ungeeignet scheint. Der 3-Liter-Motor aus dem Audi-Werk im ungarischen Werk Györ hat nun, nach Überarbeitung der Einspritzventile, der Drallklappensteuerung und der Abgasrückführung, ein hohes Niveau erreicht. Das übrigens nicht nur im Cayenne zur Geltung kommt, sondern auch im Zwillingsmodell VW Touareg (Preis 47.300 Euro) sowie in diversen Audi-Baureihen.
Trotz der ungewissen Konjunktur hofft Porsche, in diesem Jahr noch zwischen 5000 und 8000 Dieselfahrzeuge allein in Deutschland zu verkaufen. Im größten Porsche-Markt USA wird der Selbstzünder Variante mangels Nachfrage vorerst nicht angeboten. In China, derzeit drittgrößte Porsche-Absatzregion, soll eine EU3-Variante des Cayenne Diesel jedoch zu einem späteren Zeitpunkt in die Verkaufsräume kommen.
Bald soll der Porsche-SUV dann noch ein bisschen sozialverträglicher werden: Ende nächsten Jahres wird die Hybrid-Version auf den Markt kommen. Mit einem Verbrauch von "unter neun Litern" wie es heißt. Die Schwaben, so scheint es, haben ihre sprichwörtliche Lust an der Sparsamkeit neu entdeckt.
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