Nissan 370Z: Der letzte Samurai

Von Tom Grünweg

Bezahlbare Sportwagen aus Japan - die waren mal eine richtig große Nummer. Doch mittlerweile ist das Angebot ziemlich dünn. Neben dem exotischen Wankelmotor-Mazda RX-8 gibt es hierzulande nur noch die Z-Reihe von Nissan. Jetzt wurden die Modelle aufgefrischt.

Porsche 911, Chevrolet Corvette. Mercedes SL? Pah! Nach Darstellung von Nissan-Manager Andy Palmer, kommt der erfolgreichste Kraftmeier der Welt aus Japan - genauer gesagt von seinem Brötchengeber: "In fünf Generationen und fast 40 Jahren wurde der Nissan Z zum meistverkauften Sportwagen der Welt."

Palmers Wettbewerber würden vermutlich eine andere Rechnung aufmachen, aber sei's drum. Ein globaler Bestseller ist die Z-Serie mit mehr als 1,5 Millionen verkauften Exemplaren allemal. Damit sich daran nichts ändert, legt Nissan sechs Jahre nach dem Comeback des Zweisitzers nach. Formal ist es zwar nur eine Modellpflege, aber weil außer dem Design auch das Format grundlegend verändert wurde, kommt im Juli zu Preisen ab 38.690 Euro ein Auto zu den Händlern, das durchaus als neue Generation der Z-Baureihe bezeichnet werden könnte.

Die Designer arbeiteten die Konturen stärker heraus und gaben Scheinwerfern und Rückleuchten einen markanten Schmiss. Und die Stege im Kühlergrill sollen wohl an die Giftzähne einer Schlange erinnern. Wesentlicher allerdings ist der neue Zuschnitt des 370Z: Zehn Zentimeter weniger Radstand, dabei bis zu sechs Zentimeter mehr Spurweite, ein tieferer Schwerpunkt durch den nach unten gerückten Motor und 32 Kilogramm weniger Gewicht durch den Einsatz von Aluminium machen das Coupé spürbar agiler und aggressiver auf der Straße: Als würde man von alten Abfahrski auf moderne Carver wechseln, wedelt man durch die Kurven und freut sich nach einer Autobahnfahrt über jeden engen Kreisel der Ausfahrt.

Im Zentrum der Kraft steht der bekannte V6-Motor, dessen Hubraum allerdings auf 3,7 Liter aufgebohrt wurde. Das gibt dem Sportler nicht nur den neuen Namen, sondern auch etwas mehr Leistung. Sie steigt um 18 auf 331 PS. Der Verbrauch liegt bei 10,5 Litern. Mit der Leistung steigt auch das maximale Drehmoment. Die Kurve gipfelt bei 366 Nm und sorgt für mächtig Schub: Nur kurz schüttelt sich der Wagen, dann beißen die Hinterräder in den Asphalt, das feine Röhren des Motors wird zum Fauchen und der Zweisitzer schießt binnen 5,3 Sekunden auf Tempo 100. Anders als bei der Konkurrenz von Porsche schieben die Japaner dem Vortrieb bei 250 km/h einen Riegel vor - dabei hätte das Coupé das Zeug für mehr.

Automatikgetriebe und automatisches Zwischengas

Zwar gibt es den 370Z nun erstmals auch in Europa mit Automatikgetriebe (Aufpreis 2100 Euro), das über sieben Stufen verfügt und die Schaltlogik dem Fahrstil anpasst, doch wer wirklich sportlich unterwegs sein will, gibt die Kontrolle nur ungern aus der Hand. Vor allem, weil das manuelle Schaltgetriebe knackig ist - und über die so genannte Synchro Rev Control verfügt. Denn dahinter steht eine Elektronik, die beim Zurückschalten die Drehzahlsprünge berechnet und diese mit fein dosiertem Zwischengas weitgehend ausgleicht. Das ist ein gewisser Trost für die bei Nissan noch immer nicht verfügbare Doppelkupplung.

Auch innen haben die Entwickler kräftig Hand angelegt und den Wagen liebevoller ausgeschlagen. Die Oberflächen wirken wertiger, das Leder hat einen feineren Glanz und das auf der Lenksäule montierte Cockpit erinnert an ein Rennmotorrad. Die dominante Rolle spielt dort der Drehzahlmesser, der bis 9000 Touren reicht und dem Fahrer als Schaltempfehlung rote Blitze entgegen schleudert, bevor die Nadel in den roten Bereicht entwischt. Nur der Bordcomputer und seine Bedientasten im Tamagotchi-Look wirken in diesem Ambiente unpassend.

Fummelei an den Sitzen, aber mehr Schulterfreiheit

Obwohl der 370Z im Vergleich zum Vorgängermodell um acht Zentimeter kürzer geworden ist, bietet er noch immer genügend Platz. Zwar findet man in den schwer verstellbaren Sportsitzen nur mühevoll die richtige Position. Aber bei drei Zentimetern zusätzlicher Breite gibt es spürbar mehr Schulterfreiheit. Und auch der Kofferraum hat gewonnen: Er fasst unverändert 235 Liter und lässt sich durch den Verzicht auf die hintere Strebe zwischen den Radkästen nun erstmals ordentlich beladen.

Mit dem Wechsel vom 350Z zum 370Z rückt Nissan dem Porsche Cayman dichter auf die Pelle. Zwar ist der schnelle Schwabe noch ein wenig vornehmer, hat den Motor gattungsgerecht hinter den Sitzen und schneidet noch präziser durch die Kurven - doch für vergleichbare Leistung verlangen die Stuttgarter gut 20.000 Euro mehr. Das dürfte manchen potenziellen Kunden ins Grübeln kommen lassen. Noch gibt es für Zuffenhausen allerdings einen Trost: Zumindest der offene Boxster ist derzeit unangefochten. Denn der 370Z-Roadster kommt frühestens zur nächsten Frischluft-Saison nach Europa, also erst 2010.

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  • Datum: Montag 06.04.2009 | 10:11 Uhr
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Fahrzeugschein

Hersteller: Nissan
Typ: 370Z
Karosserie: Coupé
Motor: V6-Benziner
Getriebe: Sechsgang-Schaltgetriebe
Antrieb: Heck
Hubraum: 3.696 ccm
Leistung: 331 PS (243 kW)
Drehmoment: 366 Nm
Von 0 auf 100: 5,3 s
Höchstgeschw.: 250 km/h
Verbrauch (ECE): 10,5 Liter
CO2-Ausstoß: 235 g/km
Kofferraum: 235 Liter
Versicherung: 15 (HP) / 27 (TK) / 28 (VK)
Preis: 38.690 EUR
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