Aus Pune berichtet Volker Müller
Servo-Unterstützung für Lenkung und Bremsen sind nicht im Angebot, bei 600 Kilogramm Leergewicht aber auch nicht unbedingt notwendig. Der Wagen wiegt damit kaum die Hälfte des aktuellen Volkswagen Polo, der seit Dienstag nur wenige Kilometer entfernt in Pune gebaut wird. Tatsächlich zeigt sich die Lenkung in annähernder Mittellage leichtgängig und direkt, nur bei starkem Einschlag werden die Kräfte unangenehm.
Zahlreiche deutsche Zulieferer haben Tata bei der Konstruktion des Nano assistiert - unter ihnen Bosch, ZF Friedrichshafen, BASF, Conti, Behr, Mahle und Freudenberg. Sie haben zahlreiche intelligente Lösungen gefunden, um einen Preis von 100.000 Rupien, etwa 1500 Euro, zu ermöglichen. Etwa konsequenten, sich gegenseitig verstärkenden Leichtbau: Je leichter der Wagen, desto geringer die benötigten Materialstärken - und desto geringer das wiederum daraus resultierende Gewicht. Auch wenn das Auto einschließlich örtlicher Steuern und Überführung am Ende dann doch 120.000 Rupien kostet.
Wie beim Smart von Daimler
sitzt der aus Aluminium gegossene Motor direkt über der Hinterachse. Unter der kurzen Schnauze findet sich lediglich das 12 Zoll große Ersatzrad - und der Einfüllstutzen für den Tank. Einen direkten Zugang zum Motor gibt es nicht, er lässt sich nur durch Abschrauben eines Schutzblechs über die Rücksitzbank erreichen. Das ist auch der Weg zum Kofferraum: Eine Klappe, die sich von außen öffnen ließe, ist nicht vorhanden. Das Heck ist fest mit der Karosse verschraubt.
Die glücklichen Käufer werden ausgelost
Findige Bastler werden für diesen Funktionsmangel sicherlich eine Lösung entwickeln. Denn die Transportkapazität ist in Indien eines der wichtigsten Kaufkriterien. Davon zeugen regelmäßig die hoffnungslos überladenen Gefährte auf den Straßen des Landes. Schon haben Zulieferer erste Dachgepäckträger für den Nano angekündigt, die von Tata offiziell nicht zu bekommen sind.
Der Nano erfüllt alle geforderten Sicherheitsstandards, obwohl er ohne ABS, Stabilitätsprogramm oder Airbags antritt. Auch den Überschlagtest hat er erfolgreich bestanden. Ihn allerdings in Grenzsituationen zu manövrieren, erfordert Übung. Selbst ruckartige Ausweichmanöver bei höherem Tempo meistert der Testwagen anständig. Nur leidet der Fahrkomfort ein wenig unter der härteren Fahrwerksabstimmung. Dafür bleibt die Geräuschkulisse selbst auf rauem, holprigen Untergrund erfreulich gering.
Seit Mittwoch dieser Woche stehen die ersten Nanos in den Schaufenstern der Händler der indischen Metropolen. Probefahrten sind noch nicht möglich, Bestellungen werden aber gerne entgegen genommen, gegen 300 Rupien Gebühr.
Es gleicht einem Glücksspiel, am Ende tatsächlich einen Wagen zu bekommen: Angesichts geringer Fertigungskapazitäten werden die ersten 100.000 Nano-Käufer per Los ermittelt. Erst Ende 2010 wird das neue Nano-Werk im westindischen Sanand die Produktion beginnen. Bis dahin dürfte auch der Preis des Wagens gestiegen sein: Firmenpatriach Ratan Tata hat die 100.000 Rupien lediglich für die ersten 100.000 Nanos zugesichert.
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