Von Tom Grünweg
Limousine, Kombi, Schrägheck, Cabrio oder Van - wer in der Kompaktklasse mitreden will, muss eine großzügige Modellpolitik betreiben. "Nirgendwo ist die Zahl der Varianten größer als in diesem Segment", sagt Oliver Kurtz, der Marketing-Leiter von Peugeot. Und die Vielfalt fächert sich noch weiter auf: Längst gibt es kompakte Allradler, und für modebewusste Kunden rollt die Industrie erste sogenannte Cross-over-Modelle an den Start.
Dem Trend folgt auch Peugeot und schickt Anfang Juni zu Preisen ab 21.500 Euro das Modell 3008 ins Rennen. Als Kreuzung zwischen Kombi, Van und Geländewagen soll er Kunden ansprechen, denen beispielsweise ein VW Touran zu langweilig und ein Ford Kuga zu durstig ist. "Viele Kunden kaufen den Allradantrieb in dieser Klasse als notwendiges Übel zur cooleren Karosserievariante mit", behauptet Kurtz. Peugeot dagegen verzichtet darauf, versucht aber dennoch den 3008 als cooles Auto zu plazieren. Die Frontpartie wirkt robust, die Flanken sind stämmig, und auffällige Schutzleisten ringsum signalisieren einen Hauch von Draufgängertum.
Am Heck gibt der 3008 den Praktiker mit einem Kofferraum-Fassungsvermögen von 432 bis 1241 Liter. Die hintere Klappe ist waagerecht geteilt, die Rückenlehnen der Fondsitze können mit dem kleinen Finger umgeklappt werden, und der Kofferraumboden lässt sich mit einer Hand in drei Höhen fixieren. Auf dem Fahrersitz fühlt man sich eher wie ein Pilot als ein Fernfahrer - man genießt den Weitblick und wird regelrecht umschlossen vom neuen Cockpit und der Konsole, die elegant auf dem weit oben positionierten Mitteltunnel ausläuft. Verstärkt wird das Flugzeuggefühl in den gehobenen Varianten von sogenannten Toggle-Switches und einem unkonventionellen Head-up-Display, das Peugeot erstmals im 3008 anbietet. Dabei fährt eine Plexiglasplatte von der Größe eines Bierdeckels aus dem Armaturenbrett, auf der in leuchtend roten Ziffern die aktuelle Geschwindigkeit eingeblendet wird.
Abstandssensor mit altbackenem Warnhinweis
Das ist nicht die einzige Neuerung. Denn als erstes Peugeot-Modell verfügt der 3008 über eine elektrische betätigte Handbremse und über einen Abstand-Sensor, der allerdings hinter den Erwartungen zurückbleibt. Wo andere Hersteller das Radarsystem an den Tempomat koppeln und so zur Entspannung auf langen Autobahnfahrten beitragen, erscheint bei Peugeot lediglich ein Warnsymbol, sobald man dem Vordermann zu dicht auf die Pelle rückt.
Zur Auswahl steht der Peugeot 3008 zunächst mit jeweils zwei Benzin- und Dieselmotoren, die ein Leistungsspektrum von 112 bis 150 PS abdecken. Vor allem der stärkere Benziner macht eine gute Figur: Mit 1,6 Liter Hubraum und einem Turbolader hat er genug Kraft für eine flotte Landpartie. Zwar muss man häufiger zum Knüppel des gut gestuften Sechsganggetriebes greifen, doch wer den Vierzylinder mit etwas Drehzahl bei Laune hält, hat mit dem Wagen seinen Spaß. 11,8 Sekunden von 0 auf 100 und ein Spitzentempo von 185 km/h sind für ein Auto dieses Formats nicht schlecht.
Akzeptabler Verbrauch und eine spezielle Grip Control
Den größten Vorteil gegenüber einem SUV-Modell merkt man an der Tankstelle: Der Peugeot 3008 ist dort mit ein bis zwei Litern weniger zufrieden und kommt mit dem sparsamsten Diesel auf vorbildliche 5,2 Liter Durchschnittsverbrauch. Selbst der stärkste Benziner braucht laut Werksangaben 7,3 Liter. Obwohl der 3008 Offroad-Assoziationen wecken soll, wird es den Wagen vorerst nur als Fronttriebler geben. Das einzige Zugeständnis in Richtung Allradler ist ein Schalter für die Grip Control. Wer den betätigt, stellt die Traktionskontrolle des Wagens etwas feinfühliger ein - mehr nicht.
Weil Peugeot mit den bisherigen Varianten der Baureihe 308 erst rund 60 Prozent des Kompaktklasse-Segments abdeckt, sieht Marketing-Direktor Kurtz den neuen Wagen auch als Lockvogel für neue Kunden. "Nun erreichen wir eine Marktabdeckung von rund 75 Prozent." Dabei soll es aber nicht bleiben. Denn zum Herbst gibt es auf der gleichen Bodengruppe auch noch einen klassischen Van, der als Fünf- und Siebensitzer gegen den Renault Scénic antreten soll. "Dann sind wir bereits bei fast 90 Prozent Marktabdeckung", jubiliert Kurtz. Was dann noch fehlt? "Ein kompakter Sportwagen", sagt Kurtz, und diese Nachfrage wird Peugeot mit dem Modell 308 RCZ auch noch befriedigen. Dann dürfte es von der Marke unter den Kompaktautos für jeden Geschmack ein Angebot geben - und auch gleich ein neues Problem. Kurtz: "Schon jetzt ist das Portfolio so groß, dass bei einigen Händlern der Verkaufsraum zu klein wird."
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