Von Roman Büttner
Für viele Experten in der Autoindustrie gilt Strom als eine der besten Alternativen zum herkömmlichen Verbrennungsmotor. Hersteller wie Mercedes, Opel und Toyota haben diverse Projekte in den Schubladen oder bereits am Start. Doch Mobilität wird nicht allein durch das Auto symbolisiert. Auch Motorräder haben ihren Anteil. Und deshalb bläst der amerikanische Hersteller Zero Motorcycles aus Santa Cruz zum Angriff und präsentiert sein Portfolio aus Elektromotorrädern. Es besteht aus drei Modellen, einer Crossmaschine, Enduro und einem Straßenmotorrad - mit dem letztgenannten Modell wagte sich SPIEGEL ONLINE auf Testfahrt.
Die schlanken Zweiräder sind auf jeden Fall ein absoluter Hingucker. Mit dem auffälligen Aluminiumrahmen und den weißen Abdeckungen wirken sowohl die Offroadmaschinen als auch der Straßenfeger wie Geschosse aus der Zukunft. Aus der Ferne fällt dem geschulten Auge sofort der Bereich auf, in dem sich sonst der Motor befindet. Denn bei den Modellen von Zero Motorcycles klemmt dort ein weißer Kasten, der mit dem Firmenlogo geschmückt ist: der Lithium-Ionen-Akku.
Zusammen mit dem Elektromotor, der unter der Batterie angeordnet ist und 31 PS leistet, sorgt der Energiespeicher für mächtig viel Spaß. Zwar ist die Handhabung des Drehgriffs zur Beschleunigung - Gashahn trifft es ja nicht mehr - zunächst ungewohnt. Weil bei Elektromotoren das volle Drehmoment - in diesem Fall rund 85 Nm- sofort anliegt, ist man geneigt, erst zaghaft mit dem Drehgriff zu hantieren. Doch auf ungefähr dem ersten Fünftel passiert erst mal gar nichts. Erst dann springt die Zero S stürmisch nach vorn. Doch nach einigen Kilometern ist einem diese Art der Beschleunigung vertraut genug.
Gebremster Vorwärtsdrang
Apropos Beschleunigung: Die war bei der Testfahrt nicht so stark wie erwartet und von anderen Elektromobilen gewohnt. Doch wegen des Hamburger Dauerregens wollte der Hersteller auf Nummer sicher gehen und hat die Leistung ein wenig gedrosselt. Das ist zwar schade, denn schließlich trägt auch die Leistung eines Motorrades zum Fahrspaß bei, doch auch die gebändigte Zero S konnte Freude bereiten. Nach Angaben des Herstellers bringt sie es auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 100 km/h - und wenn die Maschine entdrosselt ist, geht's auch flott zur Sache: Der Sprint soll in rund fünf Sekunden absolviert sein.
Allerdings könnte der Fahrspaß noch etwas gesteigert werden, denn das Fahrwerk der Maschine macht noch nicht den Eindruck, als sei es ausgereift. Beim leichten Bremsen in einer Kurve hat man ein recht wackeliges Gefühl und hofft, dass Gabel und Dämpfer auch wirklich mitspielen. Das machen sie zwar, doch hier gibt es ganz klar noch Verbesserungspotential.
Leichtigkeit ohne Ottomotor
Ungewohnt ist auch die Sitzgefühl. Während man bei konventionellen Krads wegen des Kraftstofftanks oft recht breitbeinig auf dem Bock sitzt und den Behälter vor dem Bauch hat, fehlt das Spritreservoir bei einem Elektromotorrad. Dadurch hat der Fahrer auf der schmalen Sitzbank durchaus etwas mehr Bewegungsfreiheit, und die Maschine wirkt ziemlich schlank und leicht.
Und das ist sie auch. Die Zero S bringt ohne Akku gerade mal knapp 66 Kilogramm auf die Waage. Mit der Batterie, die in weniger als vier Stunden an einer normalen Steckdose aufgeladen sein soll, liegt das Gesamtgewicht bei rund 102 Kilogramm. Das hat natürlich Vorteile. Sollte das Gefährt einmal umkippen, kein Problem. Ein Griff unter die Sitzbank und das Teil steht ohne größere Anstrengungen wieder. Die geringe Masse wirkt sich selbstverständlich auch auf das Fahrverhalten aus. Es erinnert vom Handling etwas an ein Leichtkraftrad, so einfach kann man die Zero S in die Kurve drücken.
Mit dem Motorrad auf die Jagd
Und wer soll nun den elektrifizierten Flitzer kaufen? Vielen Bikern dürfte der Motor und das typische Geräusch fehlen. Und für lange Ausflüge oder Reisen ist die Reichweite von rund 100 Kilometern zu gering. "In den USA sind erstaunlich viele Studenten unter den Käufern", sagt John Lloyd, Vizepräsident Vertrieb. Nach Aussage des Vertrieblers sind die leisen Zero Motorcycles auch für eine ganz andere Klientel interessant: "Unter unseren Kunden sind auch Jäger und das Militär". Das klingt logisch, denn mit der Enduro und der Cross-Version ist man auch abseits der Straße leise unterwegs.
Wer als Student zum Beispiel mit der Zero S auf den Campus fahren will, braucht eine gut gefüllte Geldbörse. Für 9790 Euro kann man sich den raren Stromer in die Garage stellen. Allerdings gibt es bislang erst zwei Vertriebspartner in Deutschland - jeweils einen in Hamburg und München. Doch Llyod möchte noch nicht sagen, um wen es sich dabei handelt. Erst sollen weitere Verkaufsstellen gefunden werden. Das soll innerhalb der nächsten zwei Monate geschehen. Bis dahin kann man sich die Modelle auf der Internet-Seite bestellen.
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