BMW 760 Li: Wendiger Luxusdampfer

Von Frank Giese

Zwölfzylinder, Achtgang-Automatik und ein imposantes Interieur: BMW setzt mit dem Flaggschiff 760 Li erneut Maßstäbe in Technik und Ausstattung. Das alles hat seinen Preis, doch der spielt für die Klientel nur insofern eine Rolle, als dass sie dafür absolut kompromisslosen Komfort erwartet.

Der 7er rennt - anders kann man es nicht nennen. Die Vorstellung des neuen Spitzenmodells nahm BMW denn auch zum Anlass, ein knappes Dreivierteljahr nach dem Marktstart eine erste Zwischenbilanz für seine Top-Baureihe zu ziehen. Bereits nach drei Monaten sei man mit der Fertigung "auf Kammlinie gewesen", berichtet Produktionsvorstand Frank-Peter Arndt.

20.000 Einheiten habe man bereits verkauft, und mittlerweile würden im Werk Dingolfing pro Tag 380 Exemplare fertiggestellt - die höchste Tagesproduktion, die je ein 7er erreicht habe. Bei der Verkündung dieser Zahlen ist förmlich die Erleichterung darüber zu spüren, dass die Abkehr von den irritierenden Extravaganzen des Vorgängers (Design, iDrive-Menüführung) von der Kundschaft offenbar belohnt wird.

Der 760 Li schwebt - dieses Gefühl stellt sich ein, sobald man den kostspieligsten Serien-BMW in Bewegung setzt. Und genauso soll es sein, schließlich zielt BMW mit der Luxuslimousine auf eine Klientel, die möglichst wenig davon spüren will, dass sie fährt. Oder besser: gefahren wird. Denn die gegenüber der Normalkarosse um 14 Zentimeter auf 5,21 Meter verlängerte L-Ausführung wird zu einem Gutteil von Menschen gekauft, die sich chauffieren lassen.

Die Hauptabsatzmärkte für den 144.800 teuren Zwölfzylinder liegen weit weg vom alten Europa: Je 23 Prozent der Maxi-Versionen gehen nach BMW-Angaben in die USA und nach China, in Deutschland werden nur 15 Prozent aller 7er mit langem Radstand zugelassen. Der weiteren Aufrüstung sind übrigens keine Grenzen gesetzt: Die seitenlangen Sonderausstattungs- und Zubehörlisten auch fürs BMW-Flaggschiff zeigen, dass die Kundschaft kaum auf die Preisspalte schielt, wenn sie für ihr Geld nur absolut kompromisslosen Komfort bekommt.

Hermetische Welt aus Holz und Leder

Um die fast 50.000 Euro Mehrpreis zum bisherigen Top-Modell 750 Li zu rechtfertigen, zieht BMW bei der Komfortausstattung noch einmal sämtliche Register. Nicht einmal die riesigen Türen muss man selbst schließen - eine serienmäßige Soft-Close-Automatik zieht sie sanft heran. Einmal an Bord, ist der Passagier in einer hermetischen Welt aus cremefarbenen Ledern und hochpolierten Edelhölzern geborgen, ruht im Fond in Einzelsitzen unter einem Alcantara-Himmel, blickt auf eine mit Nappa bespannte Armaturentafel und genießt die Vorzüge einer persönlichen Klimazone. Die Außenwelt scheint sehr weit weg zu sein - ein Gefühl, das nicht zuletzt die fast unheimliche Geräuschdämpfung nährt.

Zu dieser akustischen Abschottung trägt auch der Motor bei: Der neue Zwölfzylinder - der vierte seiner Bauart, seit BMW 1987 dem damaligen 750i den ersten deutschen Nachkriegszwölfzylinder einpflanzte - schöpft aus sechs Litern Hubraum 544 PS. Die 22-prozentige Leistungssteigerung im Vergleich zum Vorgänger geht dabei ganz und gar aufs Konto der erstmals im 7er eingesetzten Doppel-Turbolader und der Benzin-Direkteinspritzung.

Den Sprint von 0 auf 100 km/h absolviert der Zweitonner in gerade 4,6 Sekunden - und im Grunde ist diese Übung die einzige Chance, dem Antrieb überhaupt ein paar Geräusche zu entlocken. Denn im Normalbetrieb verleugnet sich das Aggregat fast: Im Komfort-Modus etwa - der Standardeinstellung unter vier wählbaren Fahrwerksabstimmungen - erlaubt die "verfeinerte Motorakustik" dem Motor kaum mehr als ein Flüstern. Auch eine Drehzahl jenseits von 2500 Umdrehungen wird selten erreicht - zum einen natürlich, weil beim gepflegten Gleiten nur ein Bruchteil der schier im Überfluss vorhandenen Kraft abgerufen wird. Zum anderen, weil die neuentwickelte Achtgang-Automatik die Drehzahl auch in den hohen Schaltstufen stets auf niedrigem Niveau hält.

Hightech-Verbund für höchsten Komfort

Der 760 Li klebt wie das sprichwörtliche Brett auf der Straße. Möglich macht das die (optional erhältliche) Aktivlenkung, die die Hinterräder bis zu einem Einschlag von drei Grad mitlenkt und dafür sorgt, das sich die Limousine etwa auf flotter Landstraßenfahrt mühelos und vor allem enorm kurvenflink manövrieren lässt. Bei höheren Reisegeschwindigkeiten wiederum stellt die Aktivlenkung im Zusammenspiel mit Hinterachsluftfederung und Wankstabilisierung sicher, dass dem Chef im Fond beim Durcharbeiten der Unterschriftsmappen auch dann noch die Signatur gelingt, wenn der Fahrer mal plötzlich die Spur wechseln muss.

Der 760 Li schluckt - auch das muss erwähnt werden - nicht zu knapp. Nach einer Strecke von 250 Kilometern, zum geringerem Teil auf der Autobahn und zum größeren auf Landstraßen zurückgelegt, wies der Bordcomputer einen Verbrauch von knapp 17 Litern aus. Das lässt den werksseitig angegebenen Durchschnittsverbrauch des 760 Li etwas idealistisch erscheinen. Aber um den Flottenverbrauch der Baureihe zu senken, steht ja schon die nächste Innovation an: der ActiveHybrid-Antrieb, mit dem BMW Anfang nächsten Jahres auch den 7er anbieten wird.

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  • Datum: Mittwoch 29.07.2009 | 09:23 Uhr
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Fahrzeugschein
Hersteller: BMW
Typ: 760 Li
Karosserie: Limousine
Motor: Zwölfzylinder-Benziner
Getriebe: Achtgang-Automatik
Antrieb: Heck
Hubraum: 5.972 ccm
Leistung: 544 PS (400 kW)
Drehmoment: 750 Nm
Von 0 auf 100: 4,6 s
Höchstgeschw.: 250 km/h
Verbrauch (ECE): 13 Liter
CO2-Ausstoß: 303 g/km
Kofferraum: 500 Liter
Preis: 144.800 EUR
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