Von Tom Grünweg
Ach ja, den gibt es ja auch noch. Oft zu sehen bekommt man den Peugeot 407 hierzulande nicht. Und wenn, dann meist als Kombi, manchmal noch als Limousine. Das Coupé jedoch, so elegant und stilvoll es auch geformt ist, kann als Rarität auf deutschen Straßen gelten. Doch ausgerechnet der feine Zweitürer erhält nun den motorischen Ritterschlag. Und zwar in Form eines weiterentwickelten Dieselmotors mit einer Leistung von 240 PS - das macht den Wagen zum stärksten Serienmodell der Firmengeschichte. Allerdings klettert für das neue Topmodell auch der Preis auf 43.100 Euro.
Unter der langen Haube des forschen Coupés also steckt der V6-Motor aus der Kooperation mit den ehemaligen Ford-Töchtern Jaguar und Land Rover, der in England gründlich weiterentwickelt wurde. Von 2,7 wurde das Aggregat auf nun 3 Liter Hubraum aufgebohrt und legt in der Version für Peugeot von 205 auf 240 PS zu. Im Jaguar XF beispielsweise gibt es die Doppelturbo-Maschine sogar in einer Variante mit 275 PS.
Bleibt der Fahrer so gelassen, wie es sich an Bord eines geschmeidigen Gleiters vom Schlage des 407 geziemt, bleibt der Motor ruhig. Während man tief in die - typisch französisch - weichen Sessel sinkt und das komfortbetonte Fahrwerk die Fuhre wie auf Wolken durch die Landschaft trägt, ist das Stampfen der sechs Zylinder nur dezent zu hören. Mit der Ruhe ist es jedoch schlagartig vorbei, sobald sich der Gasfuß senkt. Der ganze Wagen scheint sich dann kurz anzuspannen und schießt daraufhin mit einem Grollen nach vorn: Immerhin 450 Nm bringen das Coupé in Fahrt und beschleunigen den Zweitürer binnen 7,7 Sekunden auf Tempo 100. Bei 243 km/h ist Schluss, und überhaupt sind das eher theoretische Werte, denn für die schnelle Kurvenhatz ist das Coupé zu weich abgestimmt.
Dafür sind die Ausdauerwerte beachtlich. Als Normverbrauch geben die Franzosen 7,2 Liter an. Gerade das zeichnet das neue Flaggschiff nach Ansicht von Peugeot aus: "Während die Leistung um 18 Prozent gesteigert wurde, konnten wir den Verbrauch um 15 Prozent drücken", sagt Peugeot-Sprecher Bernhard Voss und zählt diverse Tricks auf, die einen Beitrag dazu leisten. So wird auch im 407 Coupé die Bremsenergie zurückgewonnen, und es gibt eine elektrische Servolenkung statt des bisherigen Hydrauliksystems.
Auch wenn die Verbrauchswerte respektabel sind, wollen die Franzosen mehr. Auch, weil Peugeot und Co. seit der publikumswirksamen Einführung des Rußpartikelfilters lange vor den deutschen Herstellern die Reputation in Sachen Innovationsführerschaft längst wieder verloren haben. Bei der anstehenden Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) in Frankfurt drängt die Marke daher mit besonders sparsamen Dieseln ins Rampenlicht: Peugeot möchte als erster Hersteller ein Diesel-Hybrid-Modell auf den Markt bringen. Der Plan sieht vor, dass 2011 zunächst der Typ 3008 mit einen 37 PS starken Elektromotor an der Hinterachse ausstaffiert wird. So würde das Auto nicht nur zum Hybrid-, sondern zugleich auch zum Allrad-Fahrzeug.
"Gesteuert von einer intelligenten Elektronik sind alle Antriebskombinationen möglich", erläutert Voss. "Bei gleichmäßiger Autobahnfahrt arbeitet nur der 163 PS starke Dieselmotor, in Stadtverkehr auf Kurzstrecken fährt der 3008 elektrisch, und beim Beschleunigen kommen beide Motoren zum Einsatz." Mit diesem Paket, das auf der IAA gleich auch noch im neuen Sportcoupé 308 RCZ gezeigt wird, will Peugeot Spaß und Sparsamkeit kombinieren. Denn mit zusammen 200 PS beschleunigt der Sportwagen in 8,8 Sekunden auf Tempo 100 und erreicht mehr als 200 km/h. Dennoch liegen Verbrauch und CO2-Ausstoß mit 3,8 Litern und 99 g/km auf Rekordniveau.
Ein Hybrid-Konzept, das sich vielfältig adaptieren lässt
Das Peugeot-Konzept ist zwar aufwändig, aber nahezu genial: Statt die gesamte Fahrzeugkonstruktion zu ändern, bleibt der Vorbau völlig unangetastet, und auch im Heck sind die Umbauten minimal. "Grob vereinfacht müssen wir neben dem Getriebe nur die Hinterachse austauschen und den Akku in die Reserveradmulde schrauben", erläutert Voss. "Das reduziert den Aufwand und erhöht die Flexibilität. Damit kann das System rasch in beinahe jedem Modell eingesetzt werden."
Vielleicht gelingt es Peugeot so, über die größere Stückzahlen und die geringe Umbaukosten den Preis in Grenzen zu halten. Doch bleibt die Kombination aus Diesel und Hybrid die denkbar teuerste Paarung, weshalb die Konkurrenz bislang davor zurückschreckte. Auch Mercedes war das Doppel noch zu teuer. Kunden müssen sich laut Peugeot-Sprecher Voss auf einen Aufpreis einstellen, der dem Unterschied zwischen einem Benziner und der modernsten Dieselvariante samt Automatikgetriebe entspricht. Die Franzosen halten das Diesel-Hybrid-Rezept dennoch für ein feines Technik-Menü. "Mit einem Benzin-Hybrid wären Verbrauch und CO2-Ausstoß kaum niedrigen als bei den aktuellen HDI-Modellen", behauptet Voss. "Wer ein sparsames Auto will, kommt auch beim Hybrid am Diesel nicht vorbei."
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