Von Tom Grünweg
Der Ro 80 von NSU ist Geschichte, der Mercedes C111 ist nie eine geworden, und auch den Lada Shiguli gibt es nicht mehr. Fast 50 Jahre nach seinem Erstlauf im NSU Prinz des Jahres 1960 ist der Wankelmotor deshalb mausetot. Doch das stimmt nicht ganz. Denn so, wie Porsche und Subaru stur am Boxermotor festhalten, hat Mazda der Idee des kreiselnden Kolbens offenbar ewige Treue geschworen.
Den Überlebenshelfer spielt ein Sportwagen, der beinahe so exotisch ist wie das Konstruktionsprinzip des Motors: der RX-8. Zwar hat Mazda seit der Premiere im Jahr 2003 rund 8000 Exemplare des Coupés mit dem außerordentlichen Türsystem in Deutschland verkauft, doch in den vergangenen beiden Jahren wurde der Renner seltener nachgefragt als mancher Edelsprinter aus Italien. Auch weltweit kreuzt er in eher bescheidenen Stückzahlen über die Straßen und Rennstrecken. Doch Mazda hält an dem 2+2-Sitzer fest. Kürzlich wurde die rotierende Rarität sogar noch einmal aufgefrischt.
Das Design ist seitdem mit neuen Schürzen und Scheinwerfern ein wenig prägnanter, der Innenraum zeugt von mehr Liebe zum Detail, und in schnellen Kurven bleibt der flotte Feger nun besser auf Kurs. Aber am Kern das RX-8 hat sich natürlich nichts geändert. Unter der Haube schnurrt auch weiterhin der einzige Serienwankelmotor in einem Pkw und lockt mit Drehzahlorgien bis 9000 Touren. Dabei klingt der nur 1,3 Liter große Zweischeiben-Motor wie ein Düsenflieger beim Start.
Beim Facelift haben die Entwickler auch zwei Kritikpunkte abgearbeitet, über die sonst nur selten gesprochen wird. Der Tank wurde größer, und der Peilstab für die Ölkontrolle ist jetzt ohne gymnastische Übungen zu erreichen. Den Besitzern konventioneller Autos sind solche Details weitgehend gleichgültig. Doch wenn man alle 1000 Kilometer nach dem Schmierstand schauen und bei einem Verbrauch von theoretisch 11,5, tatsächlich aber eher 15 oder mehr Litern alle 300 Kilometer an die Zapfsäule muss, bedeuten solch kleine Fortschritte schon eine große Freude.
Der Wagen wird nicht wegen, sondern trotz des Wankelmotors gekauft
Auch wenn der Wankel phantastisch klingt und ruhiger läuft als jeder Hubkolben-Motor, ist die Begeisterung der Kundschaft für den unkonventionellen Antrieb nicht sonderlich ausgeprägt. "Die Leute kaufen das Auto nicht wegen, sondern trotz des Wankelmotors", räumt Mazda-Vertriebschef Thomas Rothe ein. Das allerdings tun sie jetzt wieder häufiger. Seit Mazda nur noch eine Modellvariante führt, die Händler aus der Pflicht des dauerhaft präsenten Vorführwagens entlassen hat und obendrein ein Pauschalangebot für die Versicherung macht, erfreut sich der RX-8 plötzlich wachsender Beliebtheit.
Offenbar haben mittlerweile einige Schnellfahrer erkannt, dass man so einen raren und rasanten Renner für 38.180 Euro bei keinem anderen Hersteller bekommt. "Der sieht geil aus und kostet nicht die Welt, was will man mehr?" bringt Rothe die Argumente auf einen einfachen Nenner. Bis auf ein für Europa passendes Navigationssystem, dass gar nicht erst im Sortiment ist, dürfen RX-8-Interessenten die oft strapazierte Formel all inclusive nun wörtlich nehmen. Vier Airbags, ESP, Recaro-Sitze und Bose-Musikanlage sind ab Werk an Bord, eine Aufpreisliste gibt es nicht.
Doch trotz aller Bemühung ist der RX-8 in der Mazda-Kalkulation kein Gewinnertyp. Und auch die bei solch schnellen Sonderlingen oft reklamierte Image-Wirkung für die Marke dürfte mangels Straßenpräsenz kaum vorhanden sein. Ob aus Trotz oder aus Ritterlichkeit: Mazda hält den RX-8 in Ehren, obwohl das Auto mit 114 Verkäufen im ersten Halbjahr 2009 in Deutschland in der Zulassungsstatistik hinter Typen wie dem Maserati Granturismo oder dem Lancia Musa liegt. Gerüchten, der aktuelle RX-8 sei auch der Letzte seiner Art, widerspricht Mazda-Sprecher Jochen Münzinger vehement: "Im Gegenteil, die Arbeiten am Nachfolger laufen auf Hochtouren."
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