Von Tom Grünweg
Die Verantwortlichen bei BMW haben die Kritik an großen, schweren und durstigen Geländewagen angenommen. Jetzt kontern sie mit einem halbwegs sozialverträglichen Gegenentwurf zum Geländegiganten und bringen deshalb den X1 an den Start: Vor ein paar Wochen hat im Werk Leipzig die Produktion begonnen, und Ende Oktober kommt der Benjamin für die Buckelpiste zu Preisen ab 29.550 Euro in den Handel.
Der kleine Kraxler ist mit einer Länge von 4,45 Metern rund zwölf Zentimeter kürzer als sein großer Bruder X3. Außerdem fehlen ihm beim Radstand rund vier Zentimeter. Damit wirkt der aus dem Baukasten von Einser und Dreier zusammengefügte Wagen nicht nur zierlicher, sondern ist obendrein auch leichter: Bei identischen Motorvarianten trennen die beiden Brüder knapp 200 Kilogramm. Weil der X1 zudem das gesamte Instrumentarium der Efficient Dynamics-Maßnahmen nutzt und deshalb zum Beispiel serienmäßig mit Start-Stopp-Technik oder Bremsenergierückgewinnung ausgerüstet wird, sinkt sein Verbrauch im direkten Vergleich etwa beim 177 PS-Diesel um mehr als zehn Prozent. Bei Durchschnittswerten zwischen 5,2 und 9,4 Litern bleibt für Kritik nicht mehr viel Raum: "Damit haben wir bei jeder Motorvariante das effizienteste Auto im Segment", sagt Pressesprecher Andreas Lampka. Selbst manches bürgerliche Modell in der Kompaktklasse verbraucht mehr.
Obwohl der X1 außen relativ zierlich wirkt und auf den ersten Blick nur an der aufrecht stehenden Niere, den wuchtigen Stoßfängern, den abgesetzten Radläufen und den markanten Scheinwerfern von einem aufgebockten Dreier Kombi zu unterscheiden ist, bietet er innen überraschend viel Platz. Wer einen halbwegs kompromissbereiten Vordermann hat, kann selbst im Fond noch bequem sitzen, und die Kopf- und Schulterfreiheit ist erstaunlich. Nur das erhabene Gefühl aus X5 & Co bleibt ein wenig auf der Strecke: Im X1 sitzt man nicht mehr über den Dingen, sondern ist mittendrin statt nur dabei. Nicht umsonst spricht BMW ein wenig kleinlaut nur noch von der "Semi-Command-Position".
Viel Platz und zahlreiche Ablagen
Dazu gibt es einen stattlichen Kofferraum von 420 Liter, der erstmals mit einer dreigeteilten Rückbank in Etappen auf 1 350 Liter erweitert werden kann, sowie überraschend viele Ablagen: Ein doppelter Boden im Heck ist deshalb ebenso Standard wie die Flaschenhalter in den Türen. Nur das Brillenetui am Dachhimmel oder den Cupholder auf dem Mitteltunnel gibt es erst im 185 Euro teuren Ablagenpaket.
Die Motorpalette bietet zum Start zwar mit dem 258 PS starken Sechszylinder im 28i nur einen Benziner, weil der 143 PS starke X1 18i erst später folgt. Doch gibt es dafür von Anfang an gleich drei Diesel vom 18d mit 143 PS bis zum 23d mit 204 PS. Die vielleicht beste Wahl ist der X1 20d aus der goldenen Mitte. Mit 177 PS, 350 Nm und vor allem mit der aufpreispflichtigen Automatik cruist der Kleine wie ein Großer: Ohne und Hetze und Hektik beschleunigt er in 8,6 Sekunden auf Tempo 100 und gleitet ganz gelassen über die linke Spur und gibt den gemütlichen Kilometerfresser.
Bedingt geländetauglich
Natürlich kann man mit dem X1 auch durch leichtes Gelände pflügen. Immerhin hat er ein paar Millimeter mehr Bodenfreiheit, einen angedeuteten Unterfahrschutz und wuchtigere Stoßfänger. "Doch zeigt die Erfahrung, dass viele Kunden eher die Form als die Funktion eines Geländewagens schätzen", räumt BMW-Chef Norbert Reithofer ein. Deshalb gibt es den X1 als erstes Modell der Palette auch ohne Allrad. Damit sinken der Preis um 2000 Euro und der Verbrauch um 0,5 auf 5,2 Liter (CO2: 136 g/km). Dieses Beispiel, dem wohl etwa 30 Prozent der Kunden folgen dürften, wird auch in anderen Baureihen Schule machen: "Beim nächsten X3 könnte ich mir das gut vorstellen." Nur bei X5 und X6 will er soweit nicht gehen - "vorerst zumindest".
Fürs erste allerdings heißt das Thema Auf- und nicht Abrüstung: Auch mit den M-Versionen von X5 und X6 sowie dem Siebener setzen die Bayern nun auf alle Allrad-Antrieb. Damit bieten sie mehr Auswahl und haben auch mehr Erfolg. Es werde zwar manche überraschen, sagt Vorstandschef Reithofer: "Aber BMW war im vergangenen Jahr unter den drei deutschen Premiumanbietern die Marke mit dem größten Allrad-Absatz." Und mit Neuheiten wie dem X1 ist er "ganz zuversichtlich, dass uns das auch in diesem Jahr wieder gelingt."
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