Opel Insignia Sports Tourer: Der Kommunikator

Von Jürgen Pander

Mit einem Opel unterwegs zu sein ist derzeit so unterhaltsam wie schon lange nicht mehr. Das gilt besonders dann, wenn man den neuen Insignia fährt. Wir waren mit dem Kombimodell Sports Tourer unterwegs - und machten dabei zahlreiche neue Bekanntschaften.

Opel Insignia Sports Tourer: Ideales Timing
Fotos

"Is des da neie Opl?" fragt ein Herr mit Hirschhornknöpfen an der Jacke am Sonntagmorgen auf dem Marktplatz von Schliersee. Ja, das ist er. "Wie issn der aso?" Und dann entwickelt sich ein munteres Gespräch über das Auto, die Marke und das Gerangel um die Zukunft des Unternehmens. Kurz zusammengefasst geht es darum, dass der Herr sich wundert, warum Opel erst jetzt "so ein fesches Auto" baut und dass es mit derartigen Produkten ja noch einmal gutgehen müsste mit der Firma und den Arbeitsplätzen.

Es ist in der Tat verwunderlich und zugleich auch umso spannender, dass Opel quasi auf dem Tiefpunkt der Unternehmenskrise vor rund einem halben Jahr mit einem neuen Auto reüssierte, wie man es schon lange nicht mehr von diesem Unternehmen gekannt hatte. Der Mittelklassewagen Insignia machte den unbeholfen-kantigen letzten Vectra schlagartig vergessen und prägt seither das frische, hoffnungsfrohe Image der Marke, die sich kürzlich den neuen Slogan "Wir leben Autos" gab.

Auf 4,91 Meter Länge streckt sich die Karosserie der Kombivariante Insignia Sports Tourer. Von der Seite betrachtet sieht das Auto flott und modern aus, der neue Haken, den die Designer in die Flanke modellierten und der vom oberen Eck der Vordertür bis zum hinteren Radhaus verläuft, gibt der Silhouette Schwung und Halt zugleich. Und am Heck schiebt sich die mächtige Klappe weit hinaus und suggeriert opulenten Gepäckraum. Die Messwerte von 540 bis 1530 Liter sind guter Durchschnitt, aber auch nicht mehr.

Bleiben wir gleich beim Laderaum, denn auf den kommt es bei einem Kombi ja vor allem an. Die Maße des Gepäckabteils sind hilfreich, wenn man zum Beispiel einen Kinderwagen reinpacken möchte, denn das klappt ohne große Mühe. Allerdings trifft man, wenn man sich hier genauer umsieht, auf einige Schwächen des großen Opels. Der Griff, um den ebenen Ladeboden anzuheben und das Kellerfach zugänglich zu machen, flutscht gleich beim ersten Bedienen aus der Verankerung. Dann ist die Ladekante sehr breit. Wenn ein kleines Gepäckstück bis zur Rückenlehne gerutscht ist, helfen nur sehr lange Arme - oder man muss in den Fond krabbeln. Und die elektrische Funktion der Heckklappe (390 Euro Aufpreis) nervt mitunter - wer gesunde Schultergelenke hat, sollte getrost zur klassischen, manuellen Lösung greifen.

Aha, könnte man jetzt denken, ist das neue Opel-Image vom rundum erneuerten Qualitätsanspruch also nur eine Marketingmasche. Doch das wäre grundfalsch. Denn das Auto strahlt - von der Kleinigkeit mit dem Ladebodengriff abgesehen - eine Solidität und Seriosität aus, die sich vor keinem der sogenannten Premium-Anbieter verstecken braucht. Im Gegenteil: Die Bedienelemente auf der Armaturentafel, das wohlgeformte Lenkrad und das übersichtlich und klar gestaltete Cockpit sind mancher Einrichtung in Konkurrenzmodellen deutlich überlegen.

Überraschungseffekt, zu was die Marke Opel imstande ist

Die Diskrepanz aus eher geringer Erwartung und dem dann umso größeren Überraschungseffekt, wie ein moderner Opel eben auch aussehen kann, ist der Tenor zahlreicher Gespräche an der Tankstelle oder auf dem Parkplatz, wenn interessierte Mitbürger bitten, den Wagen doch mal kurz in Augenschein nehmen zu dürfen. Das passiert immer wieder - wer derzeit mit einem Insignia unterwegs ist, muss sich über Kontaktmangel nicht beklagen.

Zum Fahreindruck und besonders zum Motor - in diesem Fall handelte es sich um den 2-Liter-Commonrail-Turbodiesel in der stärksten Variante mit 160 PS - lässt sich bei solchen Unterhaltungen fast nur Gutes berichten. Die Maschine ist kraftvoll und prima gedämmt, so dass sich der Wagen förmlich aufdrängt für lange Strecken über die Autobahn. Die Lenkung ist erfreulich prägnant abgestimmt, das Fahrwerk allerdings könnte einen Schuss mehr Gediegenheit vertragen. Da sind die Opel-Ingenieure offenbar der Versuchung erlegen, die vom Marketing stets beschworene Sportlichkeit in die Tat umzusetzen. Nur: dies ist ein Kombi, auch wenn er nun Sports Tourer heißt.

Der Durchschnittsverbrauch ist auch hier ein sehr theoretischer Wert

Als Durchschnittsverbrauch gibt Opel für das Modell mit Sechsgang-Schaltgetriebe einen Wert von 6,0 Liter an. Vollbeladen und mit vier Personen besetzt, pendelte der Wert während unserer Testfahrt meist um circa acht Liter. Das ist deutlich mehr, entspricht jedoch der üblichen Abweichung bei den Verbrauchswerten und zeigt einmal mehr, wie realitätsfern der Normzyklus zur Ermittlung des offiziellen Kraftstoffverbrauchs ist.

Für Opel ist der Insignia das passende Auto zur turbulenten Situation - die sich allmählich ja beruhigt und dem Unternehmen nun offenbar eine tragfähige Zukunftslösung beschert hat. Das liegt nicht nur an der vertrauenswürdigen Botschaft, die das Auto mittransportiert, sondern auch ganz schlicht am Verkaufserfolg des Modells. Mehr als 150.000 Insignia-Exemplare wurden bereits europaweit ausgeliefert. In den ersten neun Monaten dieses Jahres waren es in Deutschland laut Kraftfahrt-Bundesamt 28.870 Insignia-Neuzulassungen. Darauf lässt sich aufbauen.

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  • Datum: Dienstag 20.10.2009 | 12:32 Uhr
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Fahrzeugschein

Hersteller: Opel
Typ: Insignia Sports Tourer 2.0 CDTI
Karosserie: Kombi
Motor: Vierzylinder-Commonrail-Diesel
Hubraum: 1.956 ccm
Leistung: 160 PS (118 kW)
Drehmoment: 350 Nm
Von 0 auf 100: 9,5 s
Höchstgeschw.: 218 km/h
Verbrauch (ECE): 6 Liter
CO2-Ausstoß: 154 g/km
Kofferraum: 540 Liter
umgebaut: 1.530 Liter
Versicherung: 17 (HP) / 23 (TK) / 21 (VK)
Preis: 31.495 EUR

Schnellcheck

Opel Insignia Sports Tourer

Einsteigen: ...weil hier ein grundsolider und sehr ansehnlicher Kombi vorfährt.

Aussteigen: ...wenn man auf einen optimal zugänglichen Laderaum angewiesen ist.

Umsteigen: ...aus allen Mittelklasse-Kombis von Alfa bis VW.

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