BMW Active Hybrid X6: Elektrisierter Elefant

Aus Miami berichtet Tom Grünweg

Der Elektromotor soll das Auto eigentlich effizienter machen, doch sobald man beim BMW Active-Hybrid X6 das Gaspedal berührt, ist es mit der Sparsamkeit vorbei. Brachiale Leistung bei 485 PS und 780 Nm heißt Devise. Nicht nur beim Verbrauch, sondern auch beim Preis setzen die Bayern das falsche Signal.

BMW Active Hybrid X6: Spritsparen absurd
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Auch schon wach? Mehr als eine Generation nach Autos wie dem Lexus RX und fast ein Jahr nach Kooperationspartner Mercedes bringt jetzt auch BMW einen Geländewagen mit Hybrid-Antrieb an den Start. Und weil die Bayern glauben, es sich und ihren Kunden schuldig zu sein, ist die elektrisierte Variante des X6 der stärkste Teilzeitstromer der Welt. Die Idee vom Sparen bleibt so weit gehend auf der Strecke, doch dort, wo der Wagen vor allem verkauft werden soll, nimmt man es mit solchen Details angeblich nicht so genau. "Die Amerikaner werden dieses Auto lieben", sagt BMW-Sprecher Dirk Arnold.

Bei der ersten Testfahrt machte der von außen an turbinenartig gestylten Felgen und einem Hügel auf der Motorhaube zu erkennende Hybrid-SUV seine Sache zunächst einmal ganz gut. Wer verhalten anfährt und das Gaspedal sachte bedient, rollt flüsterleise vom Hotelparkplatz auf den Ocean Drive von Miami Beach: Das einzige, was man hört, ist das Rauschen der Wellen. Denn bis Tempo 60 haben die beiden im Gehäuse der siebenstufigen Automatik integrierten Elektromotoren genügend Saft und Kraft, um den X6 alleine zu bewegen - geräuschlos und immerhin zweieinhalb Kilometer weit ohne jeden Schadstoffausstoß.

Erst wenn das 100 Kilogramm schwere Akkupaket, das gerade so unter den Ladeboden im Heck passt, leer ist oder der Fahrer etwas beherzter zutritt, schaltet sich der Benzinmotor zu. Während Mercedes die gemeinsam mit BMW entwickelte Elektrotechnik in der M-Klasse mit einem V6-Motor kombiniert, haben die Münchner den 4,4 Liter großen Achtzylinder aus dem Top-Modell gewählt, der allein schon 407 PS und 600 Nm auf die Straße wuchtet.

Mit elektrischer Unterstützung steigt die Systemleistung auf 485 PS, das maximale Drehmoment klettert auf 780 Nm, und hinter dem grünen Feigenblatt zeigt der X6 seine rabenschwarze Seele: Obwohl mit mehr als 2,5 Tonnen Leergewicht schwer wie ein Kleinlaster, gibt er den Sprinter und fährt beim Ampelspurt nach einer kurzen Gedenksekunde den aufgemotzten Coupés der örtlichen Tuning-Fans lässig davon: Nur 5,6 Sekunden braucht der elektrisierte Elefant zum Beschleunigen auf Tempo 100 und würde bis auf 236 km/h beschleunigen, gäbe es keine Geschwindigkeitsbegrenzung.

Doch spätestens beim Blick auf den Bordcomputer ist der Spaß vorbei. Zwar rechnet das System noch ein wenig fehlerhaft, weil es die elektrisch gefahrenen Abschnitte nicht einkalkuliert, sagen die BMW-Leute und versprechen, dies bis zur Markteinführung im April 2010 zu korrigieren. Doch selbst wenn man dem Wagen ein oder gar zwei Liter gut schreibt, ist der theoretische Normverbrauch von 9,9 Liter für Normalsterbliche praktisch unerreichbar. Schon um auf einen Schnitt von 13 Liter zu kommen, muss man sehr verhalten und vorausschauend fahren, das Hybrid-Display im Blick behalten und stets sachte bremsen, so dass möglichst viel Energie zurückgewonnen wird.

Der hohe Verbrauch ist jedoch nicht das einzige Manko des X6 Active-Hybrid. Auch die Technik ist schon vor dem Start überholt. Während die ebenfalls für April angekündigte Hybridvariante des BMW 7ers bereits die leichteren und vor allem effizienteren Lithium-Ionen-Akkus nutzt, muss der X6 noch Nickel-Metall-Hydrid-Batterien schleppen. Die gelten aber als Auslaufmodell und werden bei der angekündigten Hybridisierung der BMW-Baureihen 5er und 3er wohl keine Rolle mehr spielen.

Der Hybrid-SUV von BMW kommt nur mit der zweitbesten Technik

So kommt der X6-Hybrid spät und obendrein nur mit der zweitbesten Technik, doch im innerdeutschen Wettbewerb steht das Auto gar nicht so schlecht da. Denn Mercedes verkauft den ML 400 Hybrid nur in den USA, und bis die Hybrid-Varianten der kommenden VW-Touareg- oder Porsche-Cayenne-Generation durch die Gegend stromern, vergeht noch mindestens ein Jahr.

Dennoch wirkt das Vorgehen von BMW so, als solle der Wagen zumindest hierzulande gar nicht verkauft werden. Während beim 7er etwa 5000 Euro für den E-Motor aufgeschlagen werden, ist der Hybrid-Zuschlag beim X6 mit rund 26.000 Euro prohibitiv. Das führt das vermeintliche Spritsparen ad absurdum. Doch registrieren die Bayern nach eigenen Angaben zumindest in den USA reichlich Interesse; die Verantwortlichen sorgen sich bereits, ob im US-Werk in Spartanburg genügend Hybridmodelle produzieren werden können. Warum dieser Run auf den Wagen in den USA? Einerseits wird der X6 dort nicht mit Dieselmotor angeboten - und vor allem wird das Auto dort mehr als ein Drittel weniger kosten als in Deutschland.

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insgesamt 58 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
20.11.2009 von nonsense_forever: nachhaltig

"Was sollte zum Beispiel an einem uralten Opel Vectra ökologischer sein als an einem luxeriösen BMW? Gar nichts." Merkwürdiger Vergleich. In Bezug auf dies besagte BMW Modell ist der alte Opel allerdings ökologischer! [...] mehr...

18.11.2009 von Mr Bounz: Auch umweltfreundliche Autos werden von Menschen produziert!

Ob ein Wagen wie dieser unsinnige X6, oder ein zukunftstaugliches Fahrzeug, das vielleicht sogar schon rein elektrisch fährt, gekauft wird macht für die Arbeiter keinen unterschied. Wenn Sie jetzt natürlich beleidigt zuhause [...] mehr...

13.11.2009 von Rainer Girbig: Richtig haarsträubend

Hier wird es richtig haarsträubend: Welche Freiheit oder welcher Lebensraum wird durch den Kauf dieses Autos eingeengt oder beeinträchtigt?! Ein verlorener Arbeitsplatz ist für Sie wohl keine Beeinträchtigung des Lebensraumes [...] mehr...

13.11.2009 von Rainer Girbig: Was die Umwelt (nicht) braucht

Ich will Ihre Bemühungen nicht herabwürdigen. Aber wer entscheidet eigentlich über Ihr CO2-Äquivalent? Das Ganze erinnert mich sehr an den Ablasshandel, der seinerzeit von Martin Luther bekämpft wurde. Aluminium hat eben [...] mehr...

12.11.2009 von Uli123: :-) Klasse Beitrag

Die Freiheit des Menschen hört dort auf, wo er nachhaltig die Freiheit/den Lebensraum anderer beeinträchtigt. Bei solchen Ersatzbefriedigungsautos ist die Grenze überschritten. Sie gehören über gesetzliche Regelungen verboten. [...] mehr...

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  • Datum: Dienstag 10.11.2009 | 15:07 Uhr
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Fahrzeugschein

Hersteller: BMW
Typ: Active Hybrid X6
Karosserie: Geländewagen
Motor: V8-Benzin-Direkteinspritzer-Biturbo
Getriebe: Siebengang-Automatik
Antrieb: Allrad
Hubraum: 4.395 ccm
Leistung: 407 PS (299 kW)
Leistung (E-Motor): 78 PS
Drehmoment: 600 Nm
Drehmoment (E-Motor): 180 Nm
Von 0 auf 100: 5,6 s
Höchstgeschw.: 236 km/h
Verbrauch (ECE): 9,9 Liter
CO2-Ausstoß: 231 g/km
Kofferraum: 470 Liter
umgebaut: 1.350 Liter
Versicherung: 23 (HP) / 30 (TK) / 29 (VK)
Preis: 102.900 EUR

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BMW Active Hybrid X6

Einsteigen: ...weil der Antritt imposant ist und das elektrische Fahren faszinierend.

Aussteigen: ...weil der X6 zu schwer ist und eine veraltete Akkutechnik nutzt. Und der Preis ist eine Frechheit.

Umsteigen: ...aus der technisch eng verwandten Hybridversion der Mercedes M-Klasse, Lexus RX 450h oder dem M-Modell des X6.

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