Von Tom Grünweg
Um den Vorsprung zu halten oder gar auszubauen, wird die aktuelle Generation des Anfang 2007 vorgestellten Wagens nun noch ein wenig aufgemöbelt. Ein echtes Facelift ist das allerdings nicht; Honda investiert derzeit jeden Yen in neue Antriebe. Deshalb bleibt das Design des CR-V erst einmal unverändert.
Trotzdem sollen zumindest einige Sondermodelle für frische Attraktivität sorgen. Die Autos bieten nach der Lesart des Honda-Marketings einen Preisvorteil von teilweise mehr als 7000 Euro - und darüber hinaus neue Lackfarben, Zierstreifen und Aluminiumräder. Die größte Neuheit in diesem Zusammenhang ist jedoch: Honda führt auch einen neuen Benzinmotor ein, mit dem SPIEGEL ONLINE jetzt unterwegs war.
Mit 2,4 Litern Hubraum und 166 PS rückt der Vierzylinder an die Spitze der dürren Motorenpalette, zu der sonst noch ein 2,0-Liter-Benziner mit 150 PS und ein 140 PS starker 2,2-Liter-Diesel zählen. Weil das neue Aggregat mit 220 Nm zudem ein sattes Drehmoment-Plus bietet, hätte er nach der Papierform durchaus das Zeug, den Puls des Fahrers ein wenig zu beschleunigen. In der Realität aber wird daraus nichts, denn Honda kombiniert den Motor ausschließlich mit einer sechsstufigen Automatik, die zwar nahezu unmerklich schaltet, dafür aber die Dynamik weitgehend aufzehrt.
Gemächlich über die Landstraße gleiten, bei mittlerem Tempo auf der Autobahn mitschwimmen oder gelassen durch den Feierabendstau zockeln - das sind die Stärken des neuen Motors im CR-V. Doch wer es eilig hat und mit einem beherzten tritt aufs Gaspedal die volle Leistung abrufen will, könnte enttäuscht werden: Mit einem Sprintwert von elf Sekunden ist der 2,4-Liter-Motor fast eine Sekunde langsamer als die beiden anderen Motorvarianten, wobei der 2-Liter-Benziner mit Schaltgetriebe ausgerüstet ist.
Ein neuer Benzinmotor sollte über mehr Spar-Technik verfügen
In der Kategorie Höchstgeschwindigkeit liegt das neue Modell mit 190 km/h gleichauf mit den anderen Versionen. Nicht einmal besonders sparsam ist der neue Motor; die komfortable Kombination aus starkem Benziner und sanfter Automatik verlangt im Mittel 9,5 Liter Sprit je 100 Kilometer und damit fast 20 Prozent mehr als der kleinere Benziner. Wer nicht ständig einen Anhänger am Haken hat und den Nachbarn nicht mit sattem Hubraum imponieren muss, ist deshalb mit dem kleineren Motor durchaus besser beraten.
Ein sportliches Auto ist der SUV von Honda ohnehin nicht. Vergleichsweise hoch und mit 1,7 Tonnen auch ein bisschen schwer geraten, wirkt das Auto in engen Kehren ein wenig behäbig und braucht durchaus Auslauf, zumal die Lenkung zwar ordentlich arbeitet, aber doch mehr Rückmeldung liefern dürfte. Auf der Autobahn dagegen macht der Wagen dank der komfortablen Fahrwerksabstimmung eine gute Figur, und in leichtem Gelände spielt Fahrdynamik ohnehin keine große Rolle. Dort genießt man den Allradantrieb, der sich immer dann automatisch zuschaltet, wenn die Elektronik erhöhten Schlupf registriert. Das ist auch auf nassem Herbstlaub oder Schneeauflage ein beruhigendes Gefühl.
Schmuckloses Interieur, aber ein cleveres Ladeabteil
Innen bietet der CR-V ein nüchternes Ambiente, das weit entfernt ist vom rustikalen Charme vieler Geländewagen. Stattdessen überzeugt der Honda mit bequemen Sitzen, ordentlichen Platzverhältnissen, vielen Ablagen (allein die Mittelkonsole fasst 24 CDs) und einem pfiffigen Kofferraum mit 524 Litern Fassungsvermögen; das Volumen lässt sich durch das Umklappen der dreigeteilten Heckbank schrittweise erweitern. Besonderer Clou ist die stabile Abdeckung, die auf verschiedenen Etagen als variabler Ladeboden fixiert oder im Souterrain verstaut werden kann.
Mit dem stärkeren Motor geht naturgemäß auch der Preis in die Höhe: Statt 24.990 Euro für den günstigsten CR-V muss man für die 2,4-Liter-Version 35.400 Euro anlegen. Für knapp 20 Mehr-PS wäre das ein happiger Aufschlag, doch Honda rechnet die Summe mit einer üppigen Ausstattung schön. So fährt das Top-Modell grundsätzlich mit Lederausstattung vor, strahlt mit Xenonlicht, verfügt über ein Multifunktionslenkrad, eine Zwei-Zonen-Klimaautomatik sowie Tempomat, Musikanlage mit sechs Lautsprechern und CD-Wechsler. Und das Automatikgetriebe ist schließlich auch inklusive. Trost für Pfennigfuchser dürfte auch ein Blick in die Preislisten der deutschen Konkurrenten bieten: Auf dem Niveau des Honda-Spitzenmodells fangen die von Audi Q5, BMW X3 oder Mercedes GLK erst an.
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