Von Jürgen Pander
Die einzige Bedingung der Picasso-Stiftung, vom Finanziellen einmal abgesehen, soll damals gewesen sein, dass sie das Auto, das den großen Namen tragen sollte, vorher zu sehen bekam. Offenbar waren die Herrschaften zufrieden, denn der Xsara Picasso wurde kurz darauf auf dem Autosalon in Paris enthüllt und stand zwei Jahre später, im Jahr 2000, bei den deutschen Citroën-Händlern auf dem Hof. Es folgten der C4 Picasso, dessen Nachfolgemodell gleichen Namens und, seit Februar diesen Jahres, der kleinere C3 Picasso.
"Das ist unser Anti-Krisen-Auto", sagt Citroën-Sprecher Thomas Albrecht. Bis Ende Oktober wurden allein in Deutschland 7787 C3 Picasso neu zugelassen. Besonders im Farbton "bitter lemon", den unser Testauto trug, dürfte der Wagen ganz grundsätzlich für etwas mehr Heiterkeit im Alltag sorgen. Die weiche Würfelform, die hübschen (und natürlich aufpreispflichtigen) 17-Zoll-Räder, die knuffigen Proportionen und die klassische "Picasso"-Signatur am Bug geben dem Wagen etwas Fröhlich-Exklusives, das irgendwie ansteckend wirkt.
Ein Auto, das gute Laune aufkommen lässt
Und so nimmt man gutgelaunt Platz, rückt den Sitz und die Spiegel zurecht und erfreut sich gleich wieder an der Einrichtung. Die Ausströmer der Lüftung nehmen das Generalthema des Designs, das Rechteck mit gerundeten Ecken, ebenso wieder auf wie das zentral positionierte Anzeigeninstrument. Der Schalthebel wächst griffgünstig aus der Armaturentafel und der Blick nach vorn ist wegen der durchbrochenen A-Säulen weniger eingeschränkt als bei anderen Autos.
Was optisch gut aussieht, muss allerdings nicht immer praktisch sein. So ist der Wagen trotz der Länge von lediglich 4,08 Meter und einer Breite von 1,77 (ohne Außenspiegel) ziemlich unübersichtlich. Eine akustische Einparkhilfe am Heck gibt es dennoch nur im höchsten Ausstattungsniveau "Exklusive" ab Werk, sonst ist der Parkpiepser Bestandteil des "City-Pakets" und kostet - samt elektrisch verstellbaren Außenspiegeln, elektrischer Fensterheber hinten und elektrischer Kindersicherung im Fond 550 Euro extra. Ein Sehproblem kann es darüber hinaus beim Blick aufs Cockpit-Display geben. Die Grafik ist modern und verspielt - klar und schnell ablesbar ist sie leider nicht.
Avantgardistische Designlösungen, altbackene Technik
Immerhin hat Citroën den Mut, etwas anders zu machen als andere; der ist bei vielen Autoherstellern nämlich längst nicht mehr vorhanden, und so gleichen sich die Fahrzeuge immer mehr einander an. Die französische Marke hat sich aus diesem Sog herausgekämpft, der C3 Picasso, der neue Kleinwagen C3 und der kommende DS3 sind die aktuellsten Beispiele dafür.
Während die Optik des Autos beinahe avantgardistisch genannt werden könnte, bleibt es darunter bei konventioneller Technik. Unter der Haube unseres Testwagens werkelte der 1,6-Liter-Benziner mit 120 PS, also die Top-Motorisierung dieser Baureihe, der den Wagen erwartungsgemäß ansprechend bewegt. Allerdings fehlt dem Triebwerk jedwede moderne Spartechnik - ob Start-Stopp-Automatik, Benzindirekteinspritzung, bedarfsgerechte Steuerung der Aggregate oder gar Rekuperation - sowie dem Getriebe ein sechster Gang. Offiziell gibt Citroën 7,0 Liter als Durchschnittsverbrauch für den knapp 1,4 Tonnen schweren Minivan an, bei 9,4 Liter lag der Wert am Ende unseres Testzeitraums.
Mehr Auto braucht man meistens gar nicht
Das geht eigentlich gar nicht. Auch wenn wir meist zu viert und mit etwas Gepäck unterwegs waren: Ein Auto dieser Größe und Art muss sich einfach sparsamer bewegen lassen. Andererseits, das fällt einem auch auf, wenn man kopfschüttelnd neben der Zapfsäule steht und den Literzähler rotieren sieht, braucht man für 95 Prozent aller Alltagseinsätze kein größeres Fahrzeug. Der C3 Picasso ist tatsächlich ein vollwertiges Familienauto im kleinstmöglichen Format - sofern es sich um eine deutsche Durchschnittsfamilie handelt, die für den Jahresurlaub eh Flugtickets bucht.
Auch bei der Preisgestaltung behält Citroën das Familienbudget im Blick. 104 Millionen Dollar - rund 70 Millionen Euro - erzielte Picassos Gemälde "Junge mit Pfeife" vor einigen Jahren bei einer Auktion in New York. Davon hätte man beispielsweise auch 3500 Citroën C3 Picasso mit 120-PS-Benziner kaufen können. Ohne Abwrackprämie!
Auf anderen Social Networks posten:
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Auto | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Tests | RSS |
| alles zum Thema Fahrberichte | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH