Von Tom Grünweg
Geht es nach Entwicklern wie Thilo Seibert von Ford, werden Autofahrer allmählich zu Computerspielern. Wie einst Tamagotchi die Klassenzimmer, erobern heute virtuelle Blumenbeete die Cockpits, um die Autofahrer zum Sparen zu animieren. Je behutsamer man mit dem Gaspedal umgeht, desto üppiger sprießt es im Kombiinstrument. "Am Ende entscheidet der Faktor Mensch darüber, ob ein Auto das Sparpotential auch ausspielen kann", sagt Seibert über den Eco-Mode im Bordcomputer des Focus Econetic II, der Anfang nächsten Jahres auf den Markt kommt.
Verbrauchte das Vorgängermodell im Durchschnitt noch 4,3 Liter Sprit auf 100 Kilometer und kam so auf einen CO2-Ausstoß von 115 Gramm je Kilometer, erreicht das neue Modell mit 3,8 Litern und 99 Gramm Kohlendioxid deutlich bessere Werte. Der neue Ford liegt damit in dieser Kategorie gleichauf mit dem bislang größten Kompakt-Knauser, dem VW Golf Blue Motion.
Der Garant, damit der Focus Econetic das Sparpotential auch ausspielen kann, soll der neue Eco-Mode sein. "Das System analysiert und bewertet alle Parameter, die den Treibstoffverbrauch maßgeblich beeinflussen", erläutert Ford-Sprecher Hartwig Petersen. Virtuell belohnt werden zum Beispiel eine konstante und vorausschauende Fahrweise, das frühzeitige Wechseln in den höchstmöglichen Gang sowie die Effizienz der gewählten Geschwindigkeit. Für diese Disziplinen gibt es ein Bonus-Malus-System: eine Blumengrafik im zentralen Bildschirm, bei der Blütenblätter aufleuchten oder erlöschen.
So soll ein Anreiz für eine sparsamere Fahrweise geschaffen werden - und auf einer Testfahrt von SPIEGEL ONLINE funktionierte das Prinzip. Schon nach wenigen Kilometern gilt der Blick ins Cockpit nicht mehr Tacho oder Tanknadel, sondern allein dem virtuellen Gewächshaus. Über jedes neue Blatt freut man sich wie ein Gärtner über die ersten Knospen, und jeder verlorenen Blüte trauert man hinterher.
Die Probanden mochten es, als die Blümchen sprossen
Auch bei der potentiellen Kundschaft kommen die Blümchen offenbar an. "Die positiven Rückmeldungen, die wir bei ersten Feldtests erhielten, haben uns angenehm überrascht", sagt Entwickler Seibert. "Unsere Kunden haben mit Vergnügen eine neue, besonders zeitgemäße Disziplin für sich entdeckt: Treibstoff sparen!"
Ein leichter Gasfuß ist dabei wichtig, doch auch die Technik des Autos hilft. Wichtigste Neuerung im Vergleich zum Vorgänger ist die Start-Stopp-Automatik. Weil der 109 PS starke Dieselmotor jetzt bei Stillstand des Fahrzeugs und zugleich ausgekuppeltem Getriebe automatisch abstirbt, und beim Einlegen des ersten Gangs wieder zum Leben erwacht, geht der Verbrauch im Normzyklus um bis zu fünf Prozent zurück. "In dichtem Stadtverkehr oder auch im Autobahnstau kann die Verbrauchseinsparung sogar bis zu zehn Prozent erreichen", heißt es bei Ford.
Eine Extrabatterie für das Start-Stopp-System
Damit das System reibungslos funktioniert, erhielt der Wagen eine Zusatzbatterie und ein neues Energiemanagement, mit dem auch die Lichtmaschine intelligenter gesteuert wird. Die Batterie etwa wird vor allem dann geladen, wenn der Wagen ohnehin verzögert und die Schubenergie sonst ungenutzt beim Bremsen verheizt würde. Außerdem wurde die Reibung im Motor reduziert; und selbst eine geringere Spannung des Keilriemens spart ein Prozent Sprit. Schließlich wurde auch das Fünfgang-Schaltgetriebe ab dem dritten Gang länger übersetzt.
Das drückt die Drehzahl und soll neben dem Verbrauch auch das Geräuschniveau senken. Dennoch bleibt der 1,6-Liter-Motor ein aufdringlicher Brummer, mit dem man sich vor allem an kalten Wintermorgen unter den Nachbarn keine Freude machen wird. Sobald die Maschine jedoch Betriebstemperatur erreicht hat, arbeitet sie erfreulich agil. Der Spurt von 0 auf Tempo 100 ist in 10,9 Sekunden erledigt, und als Höchstgeschwindigkeit sind 191 km/h möglich.
Man wünscht sich sehr einen sechsten Gang
Auf der Autobahn allerdings merkt man am häufigen Griff ins Leere schnell, dass ein sechster Gang dem Getriebe nicht geschadet hätte. Offenbar war dafür das Budget zu knapp, und binnen Jahresfrist soll der Nachfolger debütiert. Gerade deshalb ist Ford das Spar-Engagement hoch anzurechnen. Der nagelneue Opel Astra beispielsweise ist ohne Öko-Modell gestartet; die Ecoflex-Variante wird im Frühjahr nachgereicht, dann allerdings ohne Start-Stopp-Technik. Die voraussichtlichen Werte des Opel-Sparers: 95 PS Leistung, 4,2 Liter Verbrauch, 109 Gramm CO2-Ausstoß.
Während das effiziente Fahren im Focus angenehm vergnüglich ist, ist der Kaufprozess etwas komplizierter. Denn das Grundmodell für 21.600 Euro kommt ohne Start-Stopp-Automatik, wird dafür aber auch als Kombi angeboten. Wer ein Start-Stopp-System wünscht, muss das fünftürige Modell nehmen und 500 Euro extra zahlen. "Dann sind auch eine Zwei-Zonen-Klimaautomatik und spezielles Dämmglas, damit sich der Wagen nicht so stark aufheizt, an Bord", sagt Ford-Sprecher Petersen, und rechnet in typischer Verkäufermanier vor: "Unter dem Strich kostet die Start-Stopp-Automatik damit weniger als 50 Euro."
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Automatik? warum nur Schaltung?? ein DSG wäre auch ok, aber nicht zu den horrenden preisen die VW/Audi nimmt...! mehr...
Dann eben nicht lieber Henry. mehr...
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