Von Tom Grünweg
Die Marke Jaguar ist auf dem Sprung. Zwar weiß noch keiner so ganz genau, welche Richtung das Unternehmen unter der Führung des indischen Großkonzerns Tata und dessen neuem Auto-Boss Carl-Peter Forster nehmen wird, doch vorläufig geht der Blick ausschließlich nach vorn. "Die Vergangenheit hat keine Zukunft", philosophiert Jaguar-Chef Mike O'Driscoll und schiebt sogleich selbstkritisch hinterher, dass die Marke vor allem stilistisch viel zu lange in der Vergangenheit gelebt habe.
Dass es damit vorbei ist, konnte man schon vor zwei Jahren am neuen Modell XF erkennen, dem Nachfolger des biederen S-Type. Falls es doch noch Zweifler gab, die dem neuen Auftritt von Jaguar misstrauten, werden auch die nun eines Besseren belehrt. Das Vehikel dazu ist die neue Oberklasse-Limousine XJ. Selten in der 75-jährigen Firmengeschichte geriet ein Auto der britischen Marke derart avantgardistisch und unkonventionell wie das neue Flaggschiff, dass in Deutschland ab Ende Mai bei den Händlern steht.
Die neue Jaguar-Linie erschließt sich vor allem am Heck des 5,12 Meter langen - in der XL-Version misst der Wagen gar 5,25 Meter - Luxusmodells: Während die schräge, weit nach hinten gezogene Coupé-Linie den aktuellen Trend im Limousinenbau aufgreift, wagte das Team um Designchef Ian Callum mit schwarz verkleideten Karosseriesäulen, sichelförmigen Rückleuchten und dem großen Kofferraumdeckels wirklich außergewöhnliches. Womöglich ist es auch zuviel des Neuen für die etablierte Kundschaft.
Wenn der Startknopf gedrückt ist, freut sich der Jaguar-Kenner
Aus der Perspektive hinterm Lenkrad ist der neue Jaguar wieder ganz typisch. Holz und Leder erinnern an das klassische Clubhaus-Ambiente; allerdings sind die analogen Rundinstrumente passé, stattdessen bildet ein Monitor ersetzt das konventionelle Cockpit. Wird der Startknopf gedrückt und auf der Mittelkonsole der Drehregler der Sechsstufen-Automatik auf D gestellt, stellt sich das Jaguar-Kennern vertraute Gefühl ein: Diese spezielle Mischung nämlich aus Komfort und Sportlichkeit.
Dank des adaptiven Dämpfersystems gleitet die Limousine auch mit hohem Tempo noch entspannt und lässig über die Autobahn; im Innenraum herrschen Ruhe und Behaglichkeit. Wünscht der Fahrer einen Adrenalinkick, drückt er die Sporttaste, und prompt versteifen sich die Federn, das Lenkrad erfordert größeren Krafteinsatz und der Jaguar bleckt die Zähne. Das Auto reagiert dann deutlich agiler und flotter.
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Diese Verwandlung ist durchaus auch beim Modell mit Dieselmotor zu bemerken. Der Wagen mit dem 3-Liter-Selbstzünder mit 275 PS markiert den Einstieg in die britische Oberklasse. Bis zu 600 Nm Drehmoment, von denen 80 Prozent praktisch ab Leerlaufdrehzahl an den Hinterrädern zerren, machen den Diesel zum Dampfhammer. Mit enormem Schub und einem dezenten Brummen beschleunigt der Motor den neuen XJ in 6,4 Sekunden auf Tempo 100 und hat mit dem Limit von 250 km/h keine Mühe.
Diese Motorisierung wird in Deutschland wohl nicht nur den größten Verkaufsanteil erreichen, sie ist auch die einzig vernünftige. Denn als Alternative sind zwei 5-Liter-Achtzylinder-Benziner im Angebot, wahlweise mit einer Leistung von 385 oder 510 PS. Es mag sein, dass deren Verbrauch - gemessen an der Leistung - relativ moderat ist. Absolut jedoch sind 11,4 oder 12,1 Liter Durchschnittsverbrauch zu viel. Das hilft auch die Alukarosserie, die bis zu 150 Kilogramm Gewichtsvorteil bringt, nicht mehr viel. Und ein Sechszylinder-Benziner, eine Achtgang-Automatik, eine Start-Stopp-Funktion oder ein Hybrid-Antrieb lassen noch mindestens zwei Jahre auf sich warten.
Attraktiver Preis durch üppige Serienausstattung
Einstweilen setzt Jaguar auf eine attraktive Preispolitik. 76.900 Euro kostet das Basismodell, was auf den erste Blick deutlich über den Preisen von Mercedes S-Klasse der BMW 7er liegt. "Schaut man aber auf die Ausstattung, haben wir die Nase vorn", sagt der deutsche Jaguar-Chef Peter Modelhart. Extras wie Xenonleuchten, Lederpolster, Navigationssystem oder Schiebedach, die in dieser Klasse fast schon obligat sind, treiben den Preis der Konkurrenzmodelle um bis zu 8000 Euro in die Höhe, sind jedoch bei Jaguar serienmäßig an Bord. So gerechnet, wird der XJ unter Strich günstiger als die Wettbewerber. Allerdings kann Jaguar bei den Assistenzsystemen nicht ganz mithalten. Eine Abstandsregelung und eine Totwinkel-Überwachung ist zwar verfügbar, nicht aber erhältlich sind ein Nachtsicht- oder Spurhaltesystem, eine Verkehrszeichenerkennung oder ein Müdigkeitswarner.
Dass man sich am Design des neuen Jaguar XJ reiben kann, will Modelhart übrigens gar nicht leugnen. Doch glaubt er nach vielen Gesprächen mit Interessenten, dass sich von der buchstäblich schrägen Silhouette die Kunden durchaus angesprochen fühlen. "Anders als beim letzten Modellwechsel sieht man jetzt wenigstens, dass dies ein neues Auto ist."
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Hallo discuss, danke fuer Ihren Kommentar. Das trifft es. Aenderung ja, aber mehr Identitaet war geboten. Das ist das, was ich mit der nahezu kompletten Aufgabe markentypischer Designmerkmale meinte. mehr...
Sicher nicht. Das Porsche-Design verkauft sich aber auch noch gut. Da bedarf es keiner gravierenden Änderung Die aber keiner mehr kaufen wollte. Der Schatz ist quasi wertlos geworden. Das Design des XJ war zuende [...] mehr...
Schon möglich, aber was hat das mit meiner Frage zu tun ? PS: Bin ich der Einzige, dem es so vorkommt, daß ihr Text an einem Computer geschrieben wurde, der zufällig in einem Autohaus steht ? mehr...
Jaguar XJ vs. BMW 7er http://auto.aol.de/neuheiten-tests/jaguar-xj-gegen-bmw-7er/artikel/20100318055609990001 Meinungen aus der Jag Gemeinde http://www.jaguar-online-club-forum.de/index.php?topic=20680.0 Das ist die [...] mehr...
Kleines Gedankenspiel...stellen Sie sich vor, der naechste Porsche Carrera saehe aus wie der Aston Martin Vantage. Letzterer ist anerkannt bildschoen, aber...er waere natuerlich kein Porsche. Waere dies gutes Design? Waere er [...] mehr...
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