Audi A1: Das rollende Ich

Von Jürgen Pander

"Urban Ego Racer" - das ist der Audi-interne Code für jenes Auto, das ab September unter dem offiziellen Namen Audi A1 ausgeliefert wird. Mit dem völlig neuen Modell tritt die Marke aus Ingolstadt im Kleinwagensegment an, mit einem Auto voller Luxusaccessoires.

Audi A1: Kleiner Luxus
Fotos

"Ego ist der Begriff, um den es geht", sagen die Audi-Leute bei der Fahrpräsentation des neuen A1, die derzeit in und um Berlin stattfindet. Ego ist die Chiffre, unter die Peter Hirschfeld aus dem Audi-Marketing all jene Begriffe subsummiert, die in seiner Zunft für erhöhten Pulsschlag sorgen: Lifestyle, Premium, Individualität, Progressivität. Und was bedeutet das nun für ein neues Auto? Zum Beispiel dies: Kunden können durch die Auswahl an Lacktönen, durch die Farben des Dachbogens und der Spiegelgehäuse, durch diverse Räder und zahlreiche Anbauteile und Zierfolien allein beim Außendesign des neuen Modells unter rund 800 Kombinationen wählen.

Dass Autos zum Ausdruck der Persönlichkeit herangezogen werden ist natürlich nicht neu. Wohl aber die Tatsache, dass immer mehr Hersteller die Individualisierung jetzt quasi von der Stange anbieten. Auch Audi setzt mit dem A1 auf diesen Trend und hofft, so vor allem jüngere Kunden als bislang anzusprechen - darunter vor allem auch Frauen. Mit dem A1, der ab 15.800 Euro angeboten wird, tritt Audi zudem in einer Preisregion an, die bislang vom Unternehmen unbeackert blieb.

Das könnte sich lohnen, denn erstmals gibt es in der "Unter-vier-Meter"-Klasse ein Audi-Modell (Länge 3,95 Meter), das die Erwartungen an die Marke einlöst. Die technische Basis dafür bilden Komponenten, die weit gehend aus dem VW Polo bekannt sind. Allerdings kostet ein A1-Modell knapp 1500 Euro mehr als der technische Zwilling aus Wolfsburg, woran man ungefähr ablesen kann, wie sich die so genannten weichen Faktoren in dieser Branche beziffern lassen.

Typisches Audi-Design

Eingekleidet wurden die Technik mit dem typischen Design der Vier-Ringe-Marke - großer Kühlergrill, filigran gestaltete Scheinwerfer, klare Karosserie-Proportionen; und im Innenraum ausgekleidet mit einem Mix aus kühl-perfektionistischem Audi-Look und poppigen Elementen. Die vier Lüftungsdüsen beispielsweise sehen aus wie kleine Turbinen und tragen Manschetten, die in unterschiedlichsten Farben geordert werden können.

Besonders betont wird von Audi das Angebot eines optionalen "media style"-Pakets. Dazu gehört unter anderem ein MMI genanntes Bediensystem mit einem ausfahrbaren Bildschirm auf der Armaturentafel, eine Musikanlage, ein SD-Kartenschacht, eine Anschlussmöglichkeit für den iPod oder auch eine LED-Lichtinstallation, mit der sich bei Dunkelheit allerlei Beleuchtungseffekte erzielen lassen - etwa die indirekte Beleuchtung der Lautsprechereinfassungen in den Türen. Das Infotainment-System stammt zum Teil direkt aus der Oberklasse-Limousine A8 und soll helfen, den A1 zu einer Art Kleinwagen für die Generation 2.0 zu machen.

Fahren kann man den A1 natürlich auch. Zum Verkaufsstart stehen vier Motoren, zwei Benziner und zwei Diesel, mit einem Leistungsspektrum von 86 bis 122 PS zur Wahl. Alle Aggregate verfügen über Turboaufladung und Direkteinspritzung und sind mit einem Start-Stopp-System und einer Bremsenergie-Rückgewinnung ausgestattet. Wir waren mit dem stärkeren der beiden Benziner unterwegs, dem 1.4 TFSI mit 122 PS und Sechsgang-Schaltgetriebe - das ist der Motor, von dem sich Audi die höchsten Einbauraten erwartet.

Konkurrenz für Mini und Mito

Derart motorisiert, gab der A1 auf den ersten Kilometern eine überzeugende Vorstellung. Die Maschine sorgt für Kurzweil und fröhliches Vorankommen, das Codewort "Urban Ego Racer" scheint gar nicht so weit hergeholt. Denn der Wagen ist tatsächlich flink und quirlig, prima zu dirigieren und wirkt insgesamt knackig und ausgereift. Auch wenn es mit Audis Kleinwagenkompetenz nicht so weit her sein mag - im Volkswagen-Konzern ist sie natürlich vorhanden, und das merkt man.

Damit der Plan vom Lifestyle-Mobil, das sich demnächst mit Typen wie Mini oder Alfa Mito messen muss, auch aufgeht, verkauft Audi den A1 zunächst nur als Dreitürer mit vier Sitzplätzen, von denen die hinteren nur selten zum Einsatz kommen dürften. Im kommenden Jahr wird die sportliche Variante S1 nachgereicht. Erst zum Jahreswechsel 2011/2012 soll dann eine fünftürige Version folgen, für die es im Fond auch eine Dreiersitzbank geben wird.

Rund 100.000 A1-Modelle, so die Planung von Audi, sollen im ersten vollen Verkaufsjahr abgesetzt werden. Etwa 20.000 bis 25.000 Modelle davon sind für den deutschen Markt vorgesehen, das Gros der Autos jedenfalls wird in Europa verkauft. Obwohl Audi mit dem A1 auch den japanischen Markt im Visier hat, wo stylische Kleinwagen mit großem Individualisierungspotenzial sehr gefragt sind. Eine Version für China sei in Vorbereitung heißt es, in den USA hingegen soll der A1 nicht angeboten werden.

In dem ehrgeizigen Ansinnen von Audi-Chef Rupert Stadler, bis zum Jahr 2015 weltweit eineinhalb Millionen Autos pro Jahr loszuschlagen, spielt der A1 eine zentrale Rolle. Daher muss das Auto ein Erfolg werden und eine Art Luxusnische unter den Kleinwagen eröffnen. Ob das gelingt, hängt nicht zuletzt auch davon ab, wie viele solvente "Urban Ego Racer" in den übersättigten Automärkten Westeuropas tatsächlich auf ein solches Modell gewartet haben.

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  • Datum: Dienstag 15.06.2010 | 11:08 Uhr
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Schnellcheck

Audi A1

Einsteigen: ...weil der A1 quicklebendig fährt, gut aussieht und rundum durchdacht wirkt.

Aussteigen: ...weil die Preisliste so tut, als gebe es Worte wie Sparpaket gar nicht.

Umsteigen: ...aus Mini, Alfa Mito, VW Polo und allen anderen schicken Vier-Meter-Autos.

Fahrzeugschein

Hersteller: Audi
Typ: A1 1,4 TFSI
Karosserie: Kleinwagen
Motor: Vierzylinder-Benzin-Direkteinspritzer mit Turbo
Getriebe: Sechsgang-Schaltgetriebe
Antrieb: Front
Hubraum: 1.390 ccm
Leistung: 122 PS (90 kW)
Drehmoment: 200 Nm
Von 0 auf 100: 8,9 s
Höchstgeschw.: 203 km/h
Verbrauch (ECE): 5,3 Liter
CO2-Ausstoß: 122 g/km
Kofferraum: 270 Liter
umgebaut: 920 Liter
Versicherung: 15 (HP) / 18 (TK) / 17 (VK)
Preis: 18.200 EUR

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