Toyota RAV4: Neue Optik für ein Urgestein

Von Jürgen Pander

Mit dem Geländegänger RAV4 schuf Toyota vor anderthalb Jahrzehnten eine neue Pkw-Spezies. Inzwischen haben sehr viele Hersteller Kompakt-SUVs im Angebot, das Urgestein schwächelte jüngst - nun soll eine Renovierung helfen.

Toyota RAV4: Renovierung des Altmeisters
Fotos
Jürgen Pander

Am Namen lag es sicher nicht, dass aus dem Auto ein Erfolg wurde. Denn RAV4 klingt eher nach einem Verwandten der "Star Wars"-Roboter R2-D2 und C-3PO als nach einem Auto. Das Kürzel steht für "Recreational Active Vehicle 4-Wheel-Drive", und ausgedacht haben es sich die Mitarbeiter von Toyota, als ein neues Automodell vor 16 Jahren einen neuen Namen brauchte. Trotz des sperrigen Begriffs wurden bis heute mehr als drei Millionen Exemplare des RAV4 verkauft. Der Grund: Während japanische Hersteller früher oft Erfolgsmodelle anderer Marken kopierten, handelte es sich beim Toyota RAV4 um einen Vorreiter.

Das 1994 erstmals vorgestellte Modell gilt als Mutter aller SUVs, jener Geländewagen, die zwar über Allradantrieb verfügen und nach Großsafari aussehen, im Kern aber kultivierte Pkw sind. Beim RAV4 verzichteten die Toyota-Entwickler auf den bis dahin bei Geländewagen vorherrschenden Leiterrahmen und verwendeten stattdessen eine selbsttragende Karosserie mit Einzelradaufhängung. Für schweres Gelände taugt das Auto daher nicht, doch auf befestigten Wegen fährt er in Sachen Fahrkomfort weit voraus. Das Konzept geht bis heute auf - wie die ellenlange Liste der nach diesem Prinzip gebauten SUV-Modelle von Audi bis Volvo zeigt.

Um den RAV4 jedoch, der mittlerweile in dritter Generation gebaut wird, wurde es jüngst ein wenig stiller. Auf dem deutschen Markt zogen andere kompakte Allradler locker an ihm vorbei. In den ersten fünf Monaten dieses Jahres beispielsweise verzeichnete das Kraftfahrt-Bundesamt 13.366 Neuzulassungen des VW Tiguan, 9861 Zulassungen des BMW X1 oder auch 5311 Zulassungen des Skoda Yeti - aber nur noch 1967 Zulassungen des Toyota RAV4.

Das würden die Toyota-Verantwortlichen gern ändern, doch weil die aktuelle RAV4-Baureihe erst vor vier Jahren debütierte, können derzeit nur kleinere Retuschen vorgenommen werden. Die aber mögen durchaus zum Ziel führen. Geändert wurde das Design der Frontpartie. Neu sind der Kühlergrill, die Motorhaube, die Scheinwerfer und die Stoßfänger; außerdem gibt es einige frische Chromzierteile. Insgesamt sind das nur Kleinigkeiten, doch in der Summe hat das Autos optisch gewonnen, der RAV4 sieht nun freundlicher und stimmiger aus.

Den Motoren fehlt aktuelle Spritspartechnik wie ein Start-Stopp-System

SPIEGEL ONLINE war auf einer ersten Probefahrt mit dem überarbeiteten Modell mit dem Zweiliter-Benzinmotor mit Sechsgang-Schaltgetriebe und Frontantrieb (eine Option, die es erst seit wenigen Monaten gibt) unterwegs. Die Maschine mit einer Leistung von 158 PS geht temperamentvoll an die Arbeit. Wer die Kupplung flott kommen lässt, erntet scharrende Geräusche der Vorderräder - an Kraft mangelt es also keineswegs, obwohl das Drehmoment mit 198 Nm nominell eher bescheiden ist. Als Durchschnittsverbrauch gibt Toyota 7,4 Liter je 100 Kilometer an, das sind 0,2 Liter weniger als beim Modell mit Allradantrieb.

Sparsamer und sauberer lässt sich der Wagen mit dem 2,2-Liter-Dieselmotor mit 150 PS bewegen, dann nämlich verbraucht das Auto im Schnitt 6,0 Liter, und der CO2-Ausstoß liegt bei 156 Gramm je Kilometer - im Vergleich zu 174 Gramm CO2 je Kilometer beim von uns gefahrenen Benziner-Modell.

Gute Übersicht nach draußen, aber leichte Verwirrung im Innenraum

Das Fahrgefühl im RAV4 ist Toyota-typisch: leichtgängig und unspektakulär. Die erhöhte Sitzposition vermittelt das Gefühl, das Verkehrsgeschehen rundum zu überblicken, Lenkung und Schaltgetriebe lassen sich beinahe spielerisch bedienen. Kleinteilig und mitunter verwirrend - auch das ist nichts Neues bei Toyota - muten die Bedienelemente auf der Armaturentafel an.

RAV4-Interessenten sollen künftig vor allem von der Ausstattung des Autos überzeugt werden. In allen Varianten gehören sieben Airbags (inklusive eines Fahrer-Knieairbags), Berganfahrkontrolle, LED-Rückleuchten, 17-Zoll-Felgen, ESP und Antischlupfregelung, eine Musikanlage mit CD- und MP3-Spieler und eine Klimaanlage zur Grundausstattung. Das ist schon ganz ordentlich, doch naturgemäß noch üppiger geht es in den beiden höheren und teureren Ausstattungsvarianten zu, wo dann unter anderem Regensensor, kühlbares Handschuhfach oder Rückfahrkamera installiert sind.

Reichlich Gepäckraum und bequemes Einladen

So etwas bieten nicht viele Konkurrenten unter den Kompakt-SUVs, doch es gibt auch noch einen ganz praktischen Vorteil des RAV4. Die Ladekapazität ist laut Toyota die größte in diesem Fahrzeugsegment (586 bis 1752 Liter) und die Ladekante mit 62 Zentimeter die niedrigste. Zum Vergleich: Beim VW Tiguan lauten die entsprechenden Werte 470 bis 1510 Liter und 78 Zentimeter.

Ob das reicht, um künftig wieder etwas mehr Kunden zu überzeugen? Toyota ist, was auch sonst, optimistisch. 5800 RAV4-Exemplare insgesamt sollen in diesem Jahr in Deutschland verkauft werden. Bisher ist davon erst ein Drittel geschafft, im zweiten Halbjahr muss es also richtig krachen.

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insgesamt 2 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
24.06.2010 von wanderprediger: RAV4 schwächelt

Was dem RAV4 fehlt ist der 2Türer, denn es in der ersten und zweiten Generation noch gab. Der Urban Cruiser ist keine Alternative. mehr...

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  • Datum: Donnerstag 24.06.2010 | 09:18 Uhr
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Fahrzeugschein

Hersteller: Toyota
Typ: RAV4 (2010)
Karosserie: Geländewagen
Motor: Vierzylinder-Benziner
Getriebe: Sechsgang-Schaltgetriebe
Antrieb: Front
Hubraum: 1.987 ccm
Leistung: 158 PS (116 kW)
Drehmoment: 198 Nm
Von 0 auf 100: 10,2 s
Höchstgeschw.: 185 km/h
Verbrauch (ECE): 7,4 Liter
CO2-Ausstoß: 174 g/km
Kofferraum: 586 Liter
umgebaut: 1.752 Liter
Versicherung: 21 (HP) / 18 (TK) / 21 (VK)
Preis: 23.800 EUR

Schnellcheck

Toyota RAV4

Einsteigen: ...weil der Wagen ein grundsolides Angebot in dieser Klasse ist.

Aussteigen: ...weil es inzwischen schickere und sparsamere Typen in dieser Klasse gibt.

Umsteigen: ...aus Skoda Yeti, VW Tiguan, Renault Koleos, Ford Kuga, BMW X1.

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