Aus Rio de Janeiro berichtet Tom Grünweg
Bei wuchtigen Pickups denkt man sofort an die USA, dort sind diese Autos mit Ladepritsche so etwas wie die moderne Form des Planwagens. Es gibt solche Modelle jedoch auch ein paar Nummern kleiner, und das Land, in dem es vor diesen Autos nur so wimmelt, ist Brasilien. Den lukrativen Markt der Kompakt-Pickups dort teilten sich bislang VW, Fiat und Chevrolet. Nun erhält dieses Trio neue Konkurrenz. Seit kurzem gibt dort den Peugeot Hoggar, der erste Pickup der französischen Marke seit langem.
Auf den ersten Blick wirkt das Auto wie eine Spielart des weltweit angebotenen Kleinwagens 207, doch tatsächlich ist der Mini-Lkw ein eigenständiges Auto, das in Brasilien für den heimischen Markt entwickelt wurde. Allerdings: Technisch nutzt der Hoggar durchaus vorhandene Teile - und zwar vorne die aus dem besagten 207, und hinten jene des Kleintransporters Partner. So kommt der 4,53 Meter lange Hoggar auf knapp 750 Kilo Nutzlast.
Der Verweis auf vorhandene Bauteile klingt nach einem Puzzle aus zwei Teilen, für deren Zusammenfügen nur ein paar Mechaniker und ein Schweißapparat nötig seinen. Weit gefehlt. "An der Entwicklung des Hoggar haben 320 Ingenieure drei Jahre lang gearbeitet, in das Projekt wurden insgesamt rund 50 Millionen Euro investiert", sagt der brasilianische Peugeot-Sprecher Marcus Brier.
Viel Platz, immer eine Klimaanlage, nie ESP
Der Aufwand hat sich offensichtlich gelohnt. Der Hoggar sieht nicht nach billig zusammengeschustertem Nutzfahrzeug aus. Umgerechnet knapp 15.000 Euro kostet das Modell, auch das ist kein Pappenstiel. Eine Klimaanlage gehört zur Serienausstattung, Airbags jedoch gibt es nur in der Topversion namens Escapade und ESP wird nicht einmal als Option angeboten.
Dafür bietet der Hoggar jede Menge Platz: Weil es keinen Fond gibt und die Rückwand mit dem praktischen Schiebefenster ein Stück nach hinten versetzt wurde, hat man in der Kabine entweder sehr viel Beinfreiheit oder man kann kleinere Gepäckstücke in dem Raum zwischen Sitzlehnen und Kabinenrückwand verstauen. Und auf die Pritsche passt - je nach stapelgeschick des Lademeisters - ein ganzer Hausrat.
In Fahrt bringen den Wagen zwei Vierzylinder-Motoren, die auch mit Ethanol betrieben werden können. Der stärkere der beiden Aggregate leistet 113 PS und verfügt über 1,6 Liter Hubraum; beim kleineren 1,4-Liter-Aggregat sind es 82 PS. Wer reichlich zulädt, darf also keine Wunderdinge erwarten, denn dann wird eine längere Fahrt eine äußerst zähe Angelegenheit.
Kompakte Pickups als Rückgrat von Landwirtschaft und Transportgewerbe
So lange das Gewicht auf der Ladefläche jedoch moderat bleibt, schwimmt der Hoggar locker mit im Verkehr. Wer die Gänge beherzt ausdreht, erreicht in rund zwölf Sekunden Tempo 100 und - sofern es die Straße und das Gesetz zulassen - sogar eine Höchstgeschwindigkeit von 180 km/h.
Je weiter man den Großraum Rio de Janeiro hinter sich lässt, desto zahlreicher ist das Pickup-Aufkommen auf den Straßen. Und es sind eben nicht die riesigen Cowboy-Trucks aus Nordamerika, die hier dominieren, sondern die kompakten Arbeitsgeräte, die in zahlreichen Schwellenländern das Rückgrat der Landwirtschaft und des Klein- und Transportgewerbes stellen. In Südamerika füllen diese Rolle vor allem die kleinen Pickups aus lokaler Produktion aus.
Starke Konkurrenz von Fiat, Chevrolet, Ford und VW
Ähnlich wie beim Peugeot Hoggar handelt es sich dabei um Modelle, die einem Europäer gleichermaßen vertraut wie exotisch vorkommen. Denn in der Regel erinnert die Frontpartie an bekannte und schon etwas betagte Kleinwagen. So kurvt der alte Opel Corsa mit Pritsche statt Rückbank als Chevrolet Montana durch die Pampa und bei Ford do Brasil wird ein ehemaliger Fiesta dank Ladefläche zum Courier. Der einzig echte Bekannte aus europäischer Perspektive ist der Fiat Strada, den eine zeitlang auch in Deutschland angeboten wurde.
Dem Peugeot Hoggar wird das nicht widerfahren, denn Peugeot erklärt auf Nachfrage, dass es keine Importabsichten gebe. Zumal der neue Pickup nun erst einmal in Brasilien die Räder auf den Boden bekommen muss. Denn neben den schon erwähnten Konkurrenten gibt es noch den VW Saveiro, der ebenfalls in Brasilien gebaut wird und auf dem Modell Gol basiert, einem südamerikanischen Kompromiss zwischen VW Polo und Golf. Vom Saveiro wurden in den ersten drei Monaten dieses Jahres mehr als 15.000 Modelle ausgeliefert. Auf solche Stückzahlen wird Neueinsteiger Peugeot vorerst wohl noch nicht kommen. Doch die Zuversicht ist groß. "Dieser Markt wächst", heißt es bei Peugeot.
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Ich finde das Teil sieht einem Dacia Logan Pickup von der Seite und hinten recht ähnlich. Mir ist jetzt aber nicht bekannt ob Renault mit PSA in Südamerika kooperiert. mehr...
Komisch, ich sehe solche Fahrzeuge öfters, z.B. Handwerker, Jäger, Forstarbeiter usw. usw. fahren die gerne. Muss an einer Wahrnehmungsstörung meinerseits liegen... mehr...
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