Rolls-Royce Phantom Drophead Coupé: Das Luftschloss

Von Tom Grünweg

Ein Ferienhaus in den französischen Seealpen ist eine feine Sache - auf Dauer aber ein bisschen langweilig. Ebenso edel, aber weitaus flexibler ist da zum Beispiel die rollende Sommerfrische namens Rolls-Royce Phantom Drophead Coupé. Kein Cabrio ist größer - und keines teurer.

Rolls-Royce Phantom Drophead Coupé: Sänfte ohne Dach
Fotos
Gudrun Muschalla

440.300 Euro - diese Summe geben die meisten Menschen in ihrem ganzen Leben nicht für Autos aus. Allenfalls für ein Eigenheim wird ein derartiger Haufen Geld zusammengekratzt. Eine kleine Schar begüterter Genießer hebt bei solchen Beträgen aber nicht einmal die Augenbrauen. Exakt dies ist übrigens auch der Preis, den man für ein Rolls-Royce Phantom Drophead Coupé anlegen muss. Der Wagen ist das größte und gewaltigste Cabriolet aus einer Serienproduktion. 5,61 Meter lang und knapp zwei Meter breit - das macht gut elf Quadratmeter fahrbare Sonnenterrasse.

Klar, ein Rolls-Royce ist immer exklusiv und extrovertiert. Im Falle des Drophead Coupés jedoch wird dies noch einmal potenziert. Das Auto ist ein Paradewagen, wer drinnen sitzt wird sofort als sehr wohlhabend und sehr geltungsbedürftig erkannt. In Marketingkreisen spricht man gerne von "High Net Worth Individuals" - ein sperriger Begriff für Menschen, die mindestens 30 Millionen Euro zur Verfügung haben. Der offene Rolls-Royce ist wie gemacht für diese Klientel.

Dass normale Messgrößen bei diesem automobilen Luftschloss keine Rolle mehr spielen, merkt man nicht nur am Preis. Der Verbrauch beispielsweise liegt schon im Normzyklus bei 15,7 Litern. Und während es das Bestreben anderer Cabrio-Hersteller ist, dass sich das Verdeck möglichst rasch ein- oder auffaltet, gönnt sich Rolls-Royce buchstäblich eine Gedenkminute. Es dauert fast 60 Sekunden, ehe der textile Baldachin eingefahren ist.

Macht aber nichts. Denn erstens hat das Dach, das sich gemächlich und doch elegant unter die Abdeckung aus Teakholz faltet, schließlich auch die Größe eines Zeltes; und zweitens ist Eile nur etwas für ganz normale Autofahrer. Wer in jedoch in einem Rolls-Royce sitzt, dem sollte Hektik so fremd sein wie der Regelsatz für den sozialen Wohnungsbau.

Ein rollender Tresor - 2,6 Tonnen treffen auf 460 PS

Die Abkehr von Eile und Hast gilt im Übrigen auch für das Fahrgefühl. Natürlich ist das Phantom Drophead Coupé ein Kraftpaket sondergleichen. Obwohl der Luxusliner massige 2,6 Tonnen wiegt, hat der V12-Motor keinerlei Schwierigkeiten mit dem Trumm. Der Grundmotor von BMW wird in Britannien stark überarbeitet; dazu gehört unter anderem, dass der Hubraum auf die althergebrachten 6,75 Liter aufgebohrt wird.

Weiterhin wird vermittels Turboladern und Direkteinspritzung die Leistung auf 460 PS gesteigert. Weil das Triebwerk zudem ein Drehmoment von bis zu 720 Nm mobilisiert, könnte der Phantom in 5,7 Sekunden auf Tempo 100 sprinten und mit 240 km/h über die linke Spur jagen. Doch wer sollte das nötig haben?

Die Karosserie wirkt stabil wirkt wie ein Tresor der Bank von England. Es geht zügig und vollkommen knisterfrei voran im offenen Rolls, der übrigens über eine Luftfederung verfügt, die sich bemüht, auch ruppige Straßen wie einen langen, ruhigen Fluss erscheinen zu lassen.

In diesem Cabrio geht es also mehr denn je um die schönste und angenehmste, nicht etwa um die schnellste oder kürzeste Verbindung zwischen zwei Punkten. Sanfte Hügel in der Toskana, weite Schwünge entlang der Corniche, die langen Geraden auf den Florida Keys, die breiten Boulevards von Paris an einem Sommerabend oder - wenn ein bisschen Exotik gefragt ist - die Alleen in der Uckermark: Das sind die Straßen, für die dieses Auto gebaut wird. Mindestens 360 Stunden dauert das, schließlich wird jedes Exemplar exakt nach den Wünschen des Kunden gefertigt.

Die große Frage: Wo ist der beste Platz in diesem Auto?

Holzfurnier, Leder, hochfloriger Teppich - man thront regelrecht in diesem offenen Auto. Und es ist gar nicht so einfach sich zu entscheiden, wo man denn nun das majestätische Fahrgefühl genießen möchte. Vorn auf dem Logenplatz des Fahrers, wo man das dünne Lenkrad selbst in der Hand hat, aber dafür bei geöffnetem Verdeck nur ein laues Lüftchen spürt? Oder hinten, wo der Fahrtwind etwas stärker weht, die Sonne praller scheint und man sich sehr bequem ausstrecken kann?

Während manche bei dieser Entscheidung vermutlich hin und her überlegen, ist die Frage nach dem Preis scheinbar viel weniger wichtig. Dabei kostet allein die aufpreispflichtige Motorhaube aus poliertem Edelstahl so viel wie ein kompletter Mini. Doch das scheint die Kunden genau so wenig zu stören wie der üppige Aufschlag für das Teakholz-Deck über dem Heck.

Und selbst an die Verpflegung für unterwegs hat Rolls-Royce gedacht. Es gibt nämlich einen für den Kofferraum maßgeschneiderten Picknick-Koffer, der eigens für das Drophead Coupé entworfen wurde und wie das Auto für vier Personen gemacht ist. 15.000 Euro kostet der Korb samt Kristallgläsern und Silberbesteck - ohne Mehrwertsteuer, versteht sich.

Diesen Artikel...

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live

Forum

insgesamt 39 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
23.08.2010 von hermanngaul: WM-Titel

Der fährt ja grade mal 240. Dann kann ich ja gleich nen Polo GTI kaufen (wie die meisten hier auch wahrscheinlich haben...für mehr reichts halt nicht, aber mal fachmännisch über nen RR quatschen). mehr...

22.08.2010 von DerBlicker: solange

selbst die Briten den Rolls Royce Phantom kaufen, macht BMW alles richtig. Heutige Rolls Royce sind sogar zuverlässig. mehr...

21.08.2010 von optverteiler: Direkteinspritzer....

...ohne Turbo oder sonstige Aufladung sind und bleiben Saugmotoren, denn sie saugen ihre für die Verbrennung nötige Luft selbst an. Der Begriff 'Direkteinspritzung' hat *nichts* damit zu tun, ob es sich um einen aufgeladenen [...] mehr...

21.08.2010 von optverteiler: Rahmenbauweise?

Man muß das Auto wirklich nicht mögen, aber ein Aluminium Spaceframe, wie er beim Audi übrigens allenthalben bejubelt wird, ist de facto 'technologically advanced'. mehr...

21.08.2010 von wakaba: Etikettenschwindel?

Das Armaturenbrett des kleinen RR ist das schon weiter. Mehr als nur Spuren von BMW sind vorhanden - stimmt. Nur der Bentley ist duch und durch VW Passat. Wer den feinen Unterschied sucht kauft sowieso einen alten RR. iDrive [...] mehr...

Und Ihre Meinung? Diskutieren Sie mit! zum Forum...

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Auto
alles aus der Rubrik Tests
alles zum Thema Fahrberichte

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


  • Datum: Donnerstag 19.08.2010 | 09:26 Uhr
  • Artikel drucken
  • Artikel versenden
  • Feedback
  • Kommentieren | 39 Kommentare

Aktuelles zu

Fahrzeugschein

Hersteller: Rolls-Royce
Typ: Phantom Drophead Coupé
Karosserie: Cabrio/Roadster
Motor: V12-Benzindirekteinspritzer mit Doppelturbo
Getriebe: Sechsgang-Automatik
Antrieb: Heck
Hubraum: 6.749 ccm
Leistung: 460 PS (338 kW)
Drehmoment: 720 Nm
Von 0 auf 100: 5,7 s
Höchstgeschw.: 240 km/h
Verbrauch (ECE): 15,7 Liter
CO2-Ausstoß: 377 g/km
Kofferraum: 315 Liter
Preis: 440.300 EUR

Schnellcheck

Rolls-Royce Phantom Drophead Coupé

Einsteigen: ...weil man in diesem Auto der Welt wahrhaft entrückt wird.

Aussteigen: ...weil es bei Nieselregen auch nicht toller ist als andere Cabrios.

Umsteigen: ...aus Bentley Azure oder Maybach Landaulet, sowie aus Yachten oder Ferienvillen.

Fahrberichte-Datenbank

TOP



TOP