Von Tom Grünweg
Ferdinand Piëch ist zweifellos ein genialer Ingenieur und ein virtuoser Strippenzieher, doch diese Nummer ging ihm gründlich daneben: Mit großen Ambitionen und noch größeren Worten wollte er VW mit dem Phaeton in der Oberklasse etablieren, doch bis heute ist der Plan noch in der Projektphase. Das Auto selbst ist tatsächlich eine sehr gute Limousine, doch das Spektrum vom Fox für 9650 Euro bis zum Luxusliner für bis zu 125.000 Euro war den allermeisten Kunden offenbar zu groß. So wurde der Prunkwagen zum luxuriösen Ladenhüter: Seit die Gläserne Manufaktur in Dresden vor acht Jahren die Produktion aufnahm, wurden gerade einmal 46.000 Exemplare gebaut; und von denen wurden in Deutschland nach VW-Angaben rund 23.000 zugelassen - so viele wie vom Modell Golf in drei Wochen.
Unter normalen Umständen wäre bei einem solchen Misserfolg in Wolfsburg längst die Reißleine gezogen und das Modell eingestellt worden - wie es auch das Schicksal des glücklosen Mercedes SLR oder des verkannten Opel Signum war. Immerhin: Der Phaeton kommt in Ländern wie China oder Südkorea durchaus gut an. Vor allem aber ist die Limousine ein Lieblingsauto von Piëch, der Wagen gilt daher im Konzern offenbar als sakrosankt. Ein Produktionsstopp kommt nicht in Frage, es wird sogar schon an einem Nachfolgemodell gearbeitet. Bis das fertig ist, wird es noch ein paar Jahre dauern. Deshalb hat VW den Phaeton jetzt ein weiteres Mal aufpoliert.
Im Wesentlichen wurde nur die Optik des Wagens aufgefrischt. So erstahlt am Kühlergrill jetzt noch mehr Chrom, unter den neu geformten Scheinwerfern leuchtet ein Tagfahrlicht in LED-Technik, und auch an der Kehrseite wurde retuschiert. Außerdem haben die Designer den ohnehin schon sehr noblen Innenraum weiter veredelt.
Ein Auto, das seinen Anspruch gut versteckt
Jedoch - man sieht dem Phaeton die Noblesse von außen einfach nicht an. Die Karosserie ist zwar ziemlich groß, aber keineswegs imposant. Auch mit gestrecktem Radstand und allerlei Chromschmuck wirkt der Wagen eben doch nur wie ein aufgeblasener Passat - daran ändert auch das VW-Logo am Bug nichts, das die Größe eines Pfannkuchens hat.
Substantielle Änderungen am Phaeton wurden nicht vorgenommen, obwohl es mit dem neuen Audi A8 einen passenden Spender im Konzern gäbe. Bei innovativer Antriebstechnik muss der große VW also weiterhin passen. Achtgang-Automatik? Fehlanzeige. Start-Stopp-Funktion? Nicht lieferbar. Die auf Effizienz getrimmten V6- und V8-Benziner? Gibt es nur bei Audi. Und den W12-Motor mit Direkteinspritzung? Kann man auch nur im A8 bestellen. So entlarvt der Blick auf die unveränderte Motorenpalette - angeboten werden neben einem 240 PS starken V6-Diesel noch drei Benziner mit sechs, acht oder zwölf Zylindern und 280, 335 oder 450 PS - die sogenannte Modellpflege tatsächlich als reines Facelift: Kosmetik statt Know-how.
Neue Assistenzsysteme für mehr Sicherheit
Allein die neuen Assistenzsysteme lassen sich als technische Neuerungen anführen. So passen die Scheinwerfer ihren Lichtkegel nun automatisch dem Verkehrsszenario an und wechseln automatisch zwischen Fern- und Abblendlicht. Außerdem gibt es eine Verkehrszeichenerkennung, die Tempolimits erfasst und erstmals auch Überholverbote registriert. Und der von einem Radarsystem unterstützte Tempomat hält selbsttätig Abstand zum Vorausfahrenden, warnt vor drohenden Auffahrunfällen und bereitet bei Bedarf durch anlegen der Bremsbacken eine Vollbremsung vor.
Die Kritik am dünnen Neuheitenwert ist vergessen, sobald man im Phaeton Platz genommen hat - gleichgültig ob vorn oder hinten. Die Passagiere genießen norddeutsch-nüchternen Luxus, der auf Präzision und Perfektion beruht und nicht auf Prunk und Pomp. Der Fahrer wiederum findet im Phaeton den idealen Begleiter für entspannte Langstreckenfahrten. Serienmäßig mit Luftfederung ausgestattet und auch als Basismodell (mit 240-PS-Diesel) ausreichend stark motorisiert, schwebt man wie in Watte gepackt über die Autobahn und merkt gar nicht, mit welch immensem Appetit die Kilometer gefressen werden. Sogar die Tanknadel bewegt sich zurückhaltend, offiziell liegt der Durchschnittsverbrauch des V6-TDI nun bei 8,5 Liter je 100 Kilometer.
Happiger Aufpreis für die Langversion
Ungewöhnlich ist allerdings die von uns gefahrene Kombination aus V6-Diesel und langem Radstand, die den Preis mit den beiden Einzelsitzen im Fond von normalerweise 66.500 auf 82.700 Euro hochtreibt. Auch das Gewicht des 5,18 Meter langen Autos ist happig - 2,4 Tonnen wiegt der Wagen. Sobald es hügelig wird und keine Autobahn mehr zur Verfügung steht, wird es daher trotz der 500 Nm Drehmoment eher zäh im Phaeton mit dem V6-Diesel. Von 0 auf 100, das klappt zwar im Idealfall in 8,8 Sekunden, doch wer will mit diesem Auto schon derartige Vollgasorgien feiern.
Dennoch ist der VW Phaeton ein durchaus faszinierender Wagen, dem zum Erfolg wohl vor allem das richtige Image fehlt. Als Neuwagen ist das Modell daher nur etwas für Nonkonformisten. Als Gebrauchtwagen jedoch gilt das VW-Flaggschiff als Geheimtipp - denn billiger ist eine Luxuslimousine kaum zu bekommen.
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46000 Verkäufe in acht Jahren, das sind im Schnitt 5.750 im Jahr und etwa 480 im Monat. Für eine Luxuslimousine von diesem Kaliber ist das gar nicht mal so übel. Und der Exklusivität schadet es auch nicht. Nur zum Angeben taugt [...] mehr...
Ganz klar, wer soetwas behauptet, hat beides nicht fair miteinender verglichen. Natürlich sind die Schalter für die Fensterheber und auch der (Fahr-) Lichtschalter einfach billigst aber eine Passat Limousine hat rein garn nicht [...] mehr...
Das ist abwegig. Richtig konstruierte Steuerkettenantriebe halten 300000 und mehr (ich selbst habe einen W124 3L Reihensechszylinder bis 450Tkm ohne Ketten- oder Spannertausch gefahren). Einen Zahnriemen tauscht man besser alle [...] mehr...
Ich glaube der Name wird überschätzt. Daimler macht mit dem Maybach in der Luxusklasse auch nur Verluste und wer einen Phaeton, bei den niedrigen Leasingraten dieses Autos, kauft ist selbst schuld. Ein Phaeton ist doch kein [...] mehr...
Möglich, das ändert aber nichts daran, dass VW halt nun mal ein Marke für den Getränkemarkt-Kombi ist. Wie Opel. Da können die bauen, was Sie wollen. Das schlimme ist, dass VW die Kunden bei der Optik, sei es im Interieur oder [...] mehr...
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