Von Tom Grünweg
In Korea feierte das neue Modell einen Einstand nach Maß. Seit Jahren nämlich ist der Huyndai Sonata dort das meistverkaufte Mittelklasseauto. "Kaum aber war der neue Optima am Start, zog er am Modell der Schwestermarke vorbei", frohlockt Benny Oeyen, der Marketingchef von Kia in Europa. Sollte sich die Limousine auch auf anderen Märkten derart wacker schlagen? In den USA, wo das Auto bereits verkauft wird, sind die Zahlen erfreulich. Und hierzulande wird der Kia Optima ab dem kommenden Sommer das fade Vorgängermodell Magentis ersetzen. Der Optima soll zur Konkurrenz werden für Mazda 6 und Honda Accord - und auch für Opel Insignia, Ford Mondeo oder VW Passat.
Dafür wurde das 4,85 Meter lange Auto ordentlich zurecht gemacht. Die Form stammt aus der Feder von Peter Schreyer, der früher mal den Audi TT gezeichnet hat und nun für Kia-Modelle wie den Soul oder den Venga eifrig "Red-Dot-Design-Awards" sammelt. Der Optima lebt optisch vor allem von einem ziemlich unverwechselbaren Kühlergrill mit üppigem Chromschmuck sowie einer eleganten Kehrseite, die sich erst sanft abschwingt und dann kantig endet. Die Federführung der Karosserieform lag übrigens beim europäischen Kia-Studio in Frankfurt.
Noch mehr Eindruck macht der Innenraum, für den wiederum die Designer des US-Studios im kalifornischen Irvine verantwortlich zeichnen. Sie haben dem Wagen ein elegantes Interieur verpasst, das weit entfernt ist von den grauen Plastikwüsten früher Modelle. Im Gegenteil: In den gehobenen Ausstattungsvarianten wirkt der Optima vornehm und obendrein so präzise verarbeitet, dass der VW Passat nicht mehr unerreichbar scheint.
Praktische Bedienung, fehlende Assistenzsysteme
Doch so praktisch die Bedienelemente arrangiert sind und so edel die Verkleidungen sind - das Interieur hat auch ein paar Mängel. So fehlt es vor allem im Fond an Kopffreiheit, die Sitzflächen sind allesamt etwas kurz geraten, für den Beifahrerstuhl ist keine Höhenverstellung erhältlich, und der 500 Liter fassende Kofferraum ist eine große, düstere Höhle. Außerdem vermisst man bei der Ausstattung ein paar wichtige Details. Klar: Lederpolster, Klimaanlage, Schiebedach, ja sogar gekühlte Sitze und eine Rückfahrkamera können die Koreaner auf Wunsch liefern. Aber moderne Systeme wie eine Abstandsregelung oder ein Spurwechselassistent sind nicht verfügbar.
Dafür allerdings plant Kia Hightech unter der Haube und wird vermutlich das erste koreanische Hybridauto in Europa anbieten. Der Optima mit Hybridantrieb wurde erst dieser Tage auf der Autoshow in Los Angeles vorgestellt. Das Modell kombiniert einen 2,4 Liter großen und 168 PS starken Benziner mit einem 41 PS starken Elektromotor, der Energie aus einem Lithium-Polymer-Akku bezieht. Die E-Maschine hat nicht nur genug Kraft für elektrische Ausfahrten bis Tempo 100, sondern drückt auch den Normverbrauch auf respektable 6,2 Liter.
Ein Diesel- und zwei Benzin-Motoren stehen voraussichtlich zur Wahl
Starten wird der Optima aber erst einmal mit konventionellen Motoren. "Wir beginnen mit einem 1,7-Liter-Diesel mit 136 PS sowie einem 2,0-Liter-Benziner mit 170 PS. Und wir hoffen, dass auch die 260 PS starke Turboversion nach Europa kommt", sagt Marketing-Chef Oeyen. Erste Testfahrten von SPIEGEL ONLINE mit dem US-Modell zeigten, dass ein starken Motor sicher nicht schaden würde. In den USA beginnt die Motorenpalette mit einem 2,4 Liter großen Direkteinspritzer, der immerhin 200 PS leistet. Damit ist der Optima ordentlich bestückt, aber keineswegs übermotorisiert.
Feinfühlig dosiert von einer sechsstufigen Automatik, treiben bis zu 245 Nm Drehmoment in knapp neun Sekunden auf Tempo 100 und ermöglichen eine Höchstgeschwindigkeit von rund 230 km/h. Dabei braucht das derzeit größte Exportmodell der Koreaner im US-Zyklus umgerechnet 8,7 Liter, was für die europäischen Vergleichswerte allerdings wenig Aussagekraft hat. Der Verbrauch für die EU-Motoren ist bislang noch nicht bekannt.
Das Marshmellow-Fahrwerk könnte etwas mehr Präzision vertragen
Auch am Fahrwerk sollten die Kia-Ingenieure noch einmal Hand anlegen. Denn mit der butterweichen US-Abstimmung und der viel zu laschen Lenkung kann man zwar wunderbar entspannt über löchrige Highways zwischen Los Angeles und San Diego rollen. Doch auf europäischen Autobahnen und deutschen Landstraßen sollte ein Auto etwas bestimmter zu Werke gehen.
Der Erfolg des Optima steht und fällt natürlich auch mit dem Preis. Und ganz so günstig wie in den USA, wo das neue Kia-Flaggschiff bereits für umgerechnet knapp 15.000 Euro zu haben ist, wird der Wagen hierzulande nicht. Der Kia Magentis wurde zuletzt ab knapp 23.000 Euro verkauft, da wird der Nachfolger kaum deutlich mehr kosten. Träfe das zu, dann sähe der Optima nicht nur besser aus als manche Konkurrenten, er wäre auch deutlich billiger. Das eingangs erwähnte Duell mit Hyundai wird übrigens auch in Deutschland stattfinden: Kurz nach den Optima bringt die Schwestermarke den Sonata-Nachfolger i40 auf die hiesigen Straßen.
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