Von Alexander Stirn
1990 löste Mazda mit dem MX-5 eine kleine Revolution auf dem Automarkt aus. Ein offener Zweisitzer zu einem vergleichsweise günstigen Preis, der zugleich Sportlichkeit, Fahrspaß und Komfort verbindet, so etwas hatten die deutschen Autobauer als wenig rentabel abgetan - zu Unrecht. Der Flitzer aus dem Land der aufgehenden Sonne fuhr der Konkurrenz aus deutschen Landen auf und davon.
Ein Jahrzehnt später hat sich am Konzept des Kleinen wenig geändert. Büromenschen werden bereits beim Einsteigen in den MX-5 ihren dezenten Bauchansatz und den notorisch verspannten Rücken verfluchen - um sich gleichzeitig darüber zu freuen, zumindest mit ihrem Wagen ein sportliches Image zu vermitteln.
Im schmalen Fußraum ist wenig Platz, die Freiheit für die Knie ist stark eingeschränkt, dafür geben die bequemen Sitze guten Halt. Das ist charakteristisch für den MX-5: Der Roadster mit dem markanten Haifischmaul soll ausreichend Sportlichkeit vermitteln, aber dennoch auch Komfort bieten.
Schweift der Blick vom Fußraum nach oben, macht sich zunächst einmal Enttäuschung breit. Die Rundinstrumente sind klassisch schnörkellos und entsprechend gut abzulesen, aber auch irgendwie langweilig. Im Sondermodell Miracle bieten die weißen Ziffernblätter dem Auge wenigstens etwas Abwechslung.
Einfallslosigkeit dominiert auch die Mittelkonsole. Lediglich die zwei runden Luftauslässe, die sich sanft ansteigend aus der Plasikwüste schälen, bringen etwas Pepp in den Innenraum. Der kommt alles in allem eher gediegen denn sportlich daher.
Ein Eindruck, der sich nach dem Anlassen schnell ändert: Zwar klingt der Vierzylinders zunächst etwas verhalten, dann entfaltet der 140 PS-Motor jedoch schnell seine Kräfte - rau, aber nicht unangenehm laut.
Dazu kommt eine direkte Lenkung, die jeden Richtungswechsel zum Vergnügen macht. Beim MX-5 geht alles etwas knackiger, etwas spritzger vor sich als normal. Selbst die Fensterheber legen ein erstaunliches Tempo an den Tag.
Im gut abgestimmten Sechsgang-Getriebe des Miracle zu wühlen, macht einfach Spaß - auch wenn beim Testwagen der dritte Gang etwas hakte. Der handliche Schaltknüppel ist extrem kurz, die Schaltwege sind es ebenfalls. Zwar lässt sich der durchzugstarke 1,9-Liter-Motor auch schaltfaul fahren, so richtig Freude kommt aber erst beim schnellen Durchschalten auf.
Wer ein Herz für die Sonne hat, kann das Stoffverdeck problemlos öffnen und schließen - etwas Akrobatik und einen biegsamen Arm vorausgesetzt, sogar vom Fahrersitz aus. Positiv sticht auch die beheizbare Heckscheibe aus Glas heraus, während die fummelige Persenning eher unter die Rubrik nervig fällt.
Ab etwa 100 km/h nervt zudem noch der Fahrtwind. Und dennoch: Unter drei Voraussetzungen zeigt der MX-5 ein für Roadster ganz beachtliches Autobahn-Verhalten: Die Scheiben bleiben oben, die Temperaturen sind hoch und die Insassen haben sich mit sturmfesten Kopfbedeckungen gerüstet. Bis 160 km/h hält das kleine Windschott störende Verwirbelungen ab, dann ist nichts mehr zu retten. Auch die direkte Lenkung fordert bei hohen Geschwindigkeiten ihren Tribut und macht den nur 1,23 Meter hohen Wagen auffallend anfällig für Seitenwind.
Doch für die Autobahn ist der Mazda eh nicht gemacht, sein Terrain ist die Landstraße - je mehr Kurven, desto besser. Dann kann der Hecktriebler seine ganzen Qualitäten auspielen. Das Fahrwerk ist straff, das Handling präzise. Bei schnellen Lastwechseln wedelt der Mazda schon mal mit dem Hinterteil, bleibt aber durchaus beherrschbar.
Auch wenn es ein Blick auf Deutschlands Straßen vermuten lässt: Der MX-5 wird nicht serienmäßig mit Heckgepäckträger verkauft. Doch es gab wohl selten ein Stück Autozubehör, das sinnvoller war. Kofferraum? Nächstes Thema.
"Nach wie vor passt kein Urlaubsgepäck einer Familie in den kleinen Roadster", räumt Mazda ein. Das wäre entschuldbar, doch selbst Alleinreisende müssen mitunter sanfte Gewalt anwenden, um das gesamte Reisegepäck im extrem flachen Gepäckabteil unterbringen. Und dass nicht einmal Wasserkisten vernünftig transportiert werden können, ist nur noch ärgerlich.
Der MX-5 in seiner jetzigen Form hat aber noch einen - diesmal nicht konstruktionsbedingten - Nachteil. Bereits im Frühjahr des kommenden Jahres wird der Roadster in einer überarbeiteten Version auf den deutschen Markt kommen. Und die soll, glaubt man ersten Berichten, noch sportlicher, noch kräftiger und noch komfortabler sein.
Bildergalerie: Oben ohne am Strand
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Der Mazda-Test auf einen Blick
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