Von Tom Grünweg
Ein Auto, das in wenigen Tagen komplett ausverkauft war, gab es schon lange nicht mehr bei Alfa Romeo. Der Prototyp eines solchen Wagens stellten die Italiener 2003 auf der IAA in Frankfurt am Main vor. Das Auto sollte eine Hommage an die von legendären 8C-Modelle (sprich: "otto tschi") aus den dreißiger Jahren sein; 2005 dann stellte Alfa Romeo die offene Version 8C Spider vor. Von beiden Modellen sollten lediglich 500 Exemplare gebaut werden, mehr als 200.000 Euro teuer, bei Maserati gebaut und hinreißend schön.
Die Autos waren im Nu vergriffen und praktisch schon ausverkauft, als Anfang 2007 mit der Auslieferung der ersten Coupés begonnen wurde. Aktuelle Alfa Romeo 8C sind absolute Raritäten, doch nun stand eine offene Variante zu einer Ausfahrt für SPIEGEL ONLINE bereit. Der Anziehungskraft dieses Autos erliegt man praktisch schon auf dem Parkplatz. Das Design stammt vom deutschen Wolfgang Egger, der inzwischen für Audi tätig ist. Die technisch Basis wiederum entspricht der des Maserati Gran Turismo.
Der Alfa 8C Spider ist ein Verwandlungskünstler. Ein elegantes Cabriolet auf dem Boulevard, ein komfortabler Begleiter auf der Autobahn, ein rasanter Sportwagen, wenn es über kurvige Landstraßen oder vertrackte Rundstrecken geht. Unter der langen Haube sorgt ein 4,7 Liter großer Motor mit acht Zylindern und einer Leistung von 450 PS für einen Sprint von 0 auf 100 km/h in 4,5 Sekunden. Die Höchstgeschwindigkeit liegt nach Herstellerangaben bei 292 km/h.
Von der Alfa-Romeo-Modellen so oft nachgesagten Nachlässigkeit ist zunächst nichts zu spüren. Die Sechsgang-Automatik, die Bremsen mit Keramikscheiben und die Lenkung wirken ausgereift und solide, und auch die absolut knarzfreie Karosserie aus Karbon hinterlässt einen guten Eindruck. Ein paar Spielereien gibt es auch. Der Sound lässt sich per Knopfdruck modulieren. Sobald nämlich die Sporttaste gedrückt wird, röhrt der Motor durch vier statt wie normalerweise durch zwei Auspuffendrohre.
Aus einem Zentner Aluminium entsteht die Mittelkonsole
Der Alfa 8C Spider ist eine Art Referenzmodell dafür, welches Potential tatsächlich in der Marke steckt. Vor allem in Hinsicht auf die Details, die Materialien und deren Verarbeitung. Zahlreiche Innenraumverkleidungen, normalerweise allesamt Bauteile aus Plastik, sind bei diesem Auto aus Karbongeflecht hergestellt. Die Sportsitze sind fein beledert und die Aluminiumelemente im Interieur sind aus dem Vollen gefräst. Beispiel Mittelkonsole: Die ist aus einem großen, fast einem Zentner schweren Alublock herausgearbeitet, wiegt im Endzustand nur noch sechs Kilogramm und wirkt überaus massiv und edel.
Doch selbst beim teuersten Modell im Sortiment taucht der fast schon sprichwörtliche Schlendrian der Marke auf; es gibt tatsächlich auch an diesem Über-Alfa ein paar lieblose Schusseligkeiten. Das Kombiinstrument zum Beispiel wirkt so lustlos und billig wie im verstaubten Alfa 159, das Dauerpiepen beim Rückwärtsfahren erinnert eher an einen rangierendes Müllauto als einen Supersportwagen, und das schmucke Stoffverdeck wirkt seltsam antiquiert. Nicht nur, dass man es von Hand entriegeln und mit einer Persenning abdecken muss - selbst Teile der Verkleidung muss man erst von Hand abnehmen, ehe der Wagen das Dach öffnen kann.
Eine gewisse Nachlässigkeit gehört bei Alfa durchaus dazu
Aber auch das gehört irgendwie dazu zur viel beschworenen Italianitá, dem italienischen Lebensgefühl, von dem die Alfa-Romeo-Verantwortlichen so wortreich schwärmen können. Wer Perfektion will, soll einen Porsche Turbo kaufen, bei Alfa gibt es immer auch ein paar kleine Nachlässigkeiten dazu, basta.
Auch hierzulande scheint der Alfa-Stil beim solventen Publikum anzukommen. Die 82 für den deutschen Markt reservierten Coupés waren quasi über Nacht verkauft. Beim Spider wurde das Kontingent dann auf 110 Autos aufgestockt, aber auch die waren ruckzuck vergriffen. Wer bislang leer ausging, aber gerne ein solches Geschoss besitzen würde, könnte nun dennoch erfolgreich sein. Denn weil in manchen Märkten die Krise heftiger zuschlug als hierzulande, wurden etliche Kaufverträge storniert. Die Folge: Plötzlich steht in Deutschland ganz unerwartet ein weiteres Dutzend neuer Alfa 8C Spider zum Verkauf.
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