Autogramm Alfa Romeo Stelvio Er gehört dazu

Jetzt baut auch Alfa Romeo einen SUV und bringt das Modell namens Stelvio gegen Audi Q5, BMW X3 und Mercedes GLC in Stellung. In die Traditionsmarke fügt sich der Neue erstaunlich gut ein.

Alfa Romeo

Der erste Eindruck: Na also, es muss nicht immer ein Protzpanzer sein. Der Stelvio beweist, dass man auch schöne SUVs gestalten kann.

Das sagt der Hersteller: Wie jeder andere Hersteller wittert Alfa Romeo das große Geschäft mit einem SUV. Und wie bei jedem anderen Hersteller, der zum ersten Mal ein solches Auto baut, wittern einige Fans der Marke Verrat. "Im Stelvio stecken der pure Geist und die DNA von Alfa Romeo," beteuert Markenchef Fabrizio Curci. Und Produktmanager Riccardo Bernadini pflichtet ihm bei: "Im Grunde ist der Stelvio nichts anderes als eine Alfa Giulia mit mehr Bodenfreiheit und praktischerer Karosserie". Die vor Jahresfrist eingeführte Limousine ist mittlerweile zweifelsfrei als echter Alfa akzeptiert und anerkannt.

Werfen Sie einen Blick in den Innenraum des Alfa Romeo Stelvio - mit unserem 360-Grad-Foto:

Das ist uns aufgefallen: Beim Einsteigen in den Stelvio erlebt man etwas, wie bei jedem anderen SUV auch: Man lässt sich bequem auf den Sitz fallen und genießt die gute Aussicht. Doch wenn es ans Fahren geht, fühlt sich der Alfa Romeo plötzlich irgendwie anders an als die anderen. Während man sich sonst mitunter wie auf einem Hochsitz wähnt und gefühlsmäßig den Kontakt zur Fahrbahn verliert, nimmt man im Stelvio automatisch die gleiche sportliche Position ein wie in der Giulia. Der Alfa ist jedenfalls deutlich dynamischer als ein Audi Q5 oder Mercedes GLC.

Gestützt wird dieser Eindruck durch das betont agile Fahrverhalten. Einerseits ist der Stelvio um 19 Zentimeter höher als in der Giulia und kann den entsprechend höheren Schwerpunkt nicht verhehlen; zudem wiegt das Auto 1,7 Tonnen. Doch dank einer ausgeglichenen Balance, einer Lenkung mit der angeblich direktesten Übersetzung im Segment und einem Allradantrieb, der die Vorderachse nur dann einbindet, wenn der Grip an den Hinterrädern nicht ausreicht, schneidet der Stelvio ziemlich scharf durch die Kurven. Die zahlreichen Kehren hinauf zum 2758 Meter hohen Alpenpass gleichen Namens (deutsch: Stilfserjoch) waren bei der Testfahrt jedenfalls ein Vergnügen. Zumindest für den Fahrer.

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Autogramm Alfa Romeo Stelvio: SUV mit Scudetto

Der Stelvio ist jedoch auch komfortabler und praktischer als zum Beispiel edlere SUV-Modelle wie der BMW X4 oder der Porsche Macan. Und die hauseigene Limousine kann sowieso nicht mithalten - im Fond des 4,57 Meter langen Stelvio sitzt man deutlich besser als in der Giulia; vor allem, weil man bequemer einsteigen kann und über mehr Kopffreiheit verfügt. Und während man in der Limousine mit zwei Trolleys und zwei Taschen im Kofferraum schon puzzlen muss, zeigt der SUV hinter der elektrischen Klappe ordentliche Nehmerqualitäten.

Der Stelvio bietet mit 525 Litern Ladevolumen bei aufrechter und 1600 Litern bei umgeklappter Rücksitzlehne so viel Stauraum, dass Alfa das ursprünglich geplante Kombi-Modell Giulia Sportswagon wieder gestrichen hat - zumal sich ein Kombi, anderes als ein SUV, nicht weltweit, sondern nur in Europa hätte verkaufen lassen.

Das muss man wissen: Der Stelvio startet Mitte März zunächst mit zwei Motorisierungen: Ab 47.500 Euro gibt es den Wagen mit einem 2,2-Liter-Diesel mit 210 PS und für 1500 Euro mehr den 280 PS starken 2-Liter-Turbo. Letzterer steckte auch unter der Haube unseres Testwagens, der sich bei der Fahrt über winterliche Alpenpässe als ausgesprochen lebendig und drehfreudig erwies und giftig klang. Auf dem Papier stehen 400 Nm maximales Drehmoment, eine Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in 5,7 Sekunden und eine Höchstgeschwindigkeit von 230 km/h. Allerdings kann man getrost ein bis zwei Liter auf den Normverbrauch von 7,0 Liter aufschlagen, will man dem realen Wert näherkommen.

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Bei zwei Motorvarianten - beide mit Allradantrieb und Achtgang-Automatik - wird es nicht bleiben. Eine 200-PS-Version des Benziners und ein 180-PS-Diesel, den es auch mit reinem Heckantrieb geben wird, dürften die Preise weit unter 45.000 Euro drücken. Der von einem V6-Turbo befeuerte Stelvio Quadrifoglio soll zudem bald den Top-Modellen der Konkurrenz einheizen.

Neben der Plattform übernimmt der Stelvio auch viele Ausstattungsmerkmale der Alfa Giulia. Es gibt also eine Abstandsregelung oder eine Hilfe bei der Längsführung. Nicht verfügbar sind dagegen LED-Scheinwerfer, ein Online-Infotainment-Angebot oder weitere Assistenzsysteme, weshalb Alfa Romeo in diesem Punkt Audi, BMW oder Mercedes ein wenig hinterher fährt.

Das werden wir nicht vergessen: Alfa Romeo ist mit dem Stelvio ein ebenso ansehnliches wie stilsicherer SUV gelungen. An einem Punkt jedoch bremsen die Ingenieure die Sinne des Fahrers leider aus: Beim Bildschirm in der Mittelkonsole, der weder auf Berührungen noch auf Wischbewegungen reagiert. Ausgerechnet beim vielleicht emotionalsten SUV in dieser Klasse mangelt es also am Ende doch an Fingerspitzengefühl.

Fahrzeugschein
Hersteller: Alfa Romeo
Typ: Stelvio
Karosserie: SUV
Motor: Vierzylinder-Benzindirekteinspritzer-Turbo
Getriebe: Achtgang-Automatik
Antrieb: Allrad
Hubraum: 1.995 ccm
Leistung: 280 PS (206 kW)
Drehmoment: 400 Nm
Von 0 auf 100: 5,7 s
Höchstgeschw.: 230 km/h
Verbrauch (ECE): 7,0 Liter
CO2-Ausstoß: 161 g/km
Kofferraum: 525 Liter
umgebaut: 1.600 Liter
Gewicht: 1.734 kg
Maße: 4687 / 1903 / 1671
Preis: 49.900 EUR
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insgesamt 168 Beiträge
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Seite 1
HH1960 14.03.2017
1. Sehr schick!
Obwohl ich absolut kein Freund von SUV's bin, muss ich zugeben, dass sich dieser Alfa SUV wohltuend aus der Masse der SUV abhebt. Ob der Bildschirm nun Gestensteuerung zulässt oder nicht, halte ich persönlich für absolut nebensächlich. Trotzdem kommt mir kein SUV vor das Haus.
cindy2009 14.03.2017
2. und wieder einer
Es wird Zeit, dass neben der blauen Plakette auch etwas gegen diesen SUV-Wahn getan wird. Die Regierung ist gefordert solche "Luxus - Fahrzeuge" entsprechend zu reglementieren.
goliath1980 14.03.2017
3. Stelvio ?...
den Namen gibts doch schon und zwar als Moto-Guzzi Reiseenduro ,die aktuell, sogar,noch produziert wird. Find ich phantasielos es gibt doch genug andere Alpenpässe die als Namenspatron geeignet sind,spontan : APRICA,GAVIA od. DI GIAU ! Mich als "mehr" Motorradfan (kleinlich,sagt meine Hübsche) Ärgert sowas.
martin64 14.03.2017
4. Was wir wirklich brauchen
280 PS, 400 nm, 5,6s von 0 - 100, 2t lebendgewicht. Gibt es da nicht zur Zeit eine Diskussion über Diesel und Fahrverbot.
manni.baum 14.03.2017
5.
Zitat von cindy2009Es wird Zeit, dass neben der blauen Plakette auch etwas gegen diesen SUV-Wahn getan wird. Die Regierung ist gefordert solche "Luxus - Fahrzeuge" entsprechend zu reglementieren.
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