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Anti-Trendauto Ford F-650: Der weiße Riese kommt

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Wo er auftaucht, bekommt der Tankwart leuchtende Augen: Der Ford F-650 ist die rollende Unvernunft. Dennoch ist der eigentlich für den US-Markt konzipierte Fünf-Tonnen-Pick-up in Deutschland gefragt - so sehr, dass ein Importeur das Anti-Trendgefährt hierzulande anbietet.

Im Vergleich zu diesem Wagen wirkt selbst der Hummer wohlproportioniert - und Mercedes M-Klasse sieht plötzlich aus wie ein Spielzeugauto. Kein anderer Pkw auf Deutschlands Straßen ist so groß wie der Ford F-650. Das Trumm ist 6,50 Meter lang, so breit wie ein quer geparkter Smart und fast so hoch wie ein Doppeldeckerbus. Das sprengt die gängigen Maßstäbe im Straßenbild, und auch die Zulassungsstellen dürften mit dem Koloss Probleme bekommen.

Ford bietet den Wagen hierzulande bei seinem Händlern denn auch nicht an. Umso erstaunlicher ist, dass es trotz Spritpreisschock und CO2-Debatte offenbar reichlich Interessenten für das Monster gibt. Der Münchner Importeur Geigercars kann sich nach eigenen Angaben vor Anfragen kaum retten - obwohl schon für die Basisversion 99.000 Euro fällig werden.

Mit ein paar chromschimmernden Extras ist man fix bei 109.000 Euro. "Wir verkaufen jeden Monat mindestens ein Auto", sagt Firmenchef Karl Geiger; angeblich könnten es deutlich mehr sein. "Wir bekommen aus den USA einfach nicht mehr Autos."

Nur weil das 5,2 Tonnen schwere Dickschiff abgelastet und das zulässige Gesamtgewicht auf 7,49 Tonnen beschränkt wurde, darf man den Pick-up hierzulande überhaupt mit einem Pkw-Führerschein lenken - sofern die Prüfung vor dem 1. Januar 1999 bestanden wurde. Vor Fahrtbeginn ist dann noch ein bisschen Sport angesagt. Schließlich braucht man schon etwas Kraft, bis man den Thron des "King of the Road" erklommen hat. Und schwindelfrei sollte man auch sein, wenn man in der Tür steht und noch einmal nach unten blickt.

Hat man es hinters große Steuerrad geschafft, wirkt der F-650 überraschend konventionell. Die Aussicht ist jedoch etwas Besonderes, und mehr Platz als in einem Ford Ranger oder einem Mitsubishi L-200 hat man auch. Doch die grauen Ledersessel, das schlichte Cockpit, die bequeme Rückbank und die zahlreichen elektrischen Helferlein würden auch zu einem anderen großen Rustikal-Modell passen.

Der Motor ist ein Brummbär mit schierer Kraft

Wer sich vom Zischen der Druckluftbremse, dem dezenten Seegang der Luftfederung und den eigenwilligen Tasten für die sechsstufige Lkw-Automatik nicht irritieren lässt, hat mit dem Riesen leichtes Spiel - solange die Straße schön breit, gerade und vor allem leer ist. Als wäre er ein Kleinwagen mit einem schmächtigen Vierzylindermotor, lässt sich der Riese aus Detroit dann beinahe mit dem kleinen Finger fahren. Dabei walzen hier vorne zwei und hinten vier 21-Zoll-Räder über den Asphalt, von denen schon eines breiter ist als alle vier Smart-Räder zusammen.

Und unter der kolossalen Haube stampft ein Lkw-Dieselmotor mit sechs Zylindern und 6,7 Litern Hubraum, für den die Unterlagen 325 PS und atemberaubende 1000 Nm ausweisen. Diese enorme Kraft wird über eine Kardanwelle von der Dicke eines Baumstammes an die Hinterachse geleitet. Schnell fahren kann man mit dem Auto zwar nicht, doch ist der F-650 eine rekordverdächtige Zugmaschine. Wer mal eben einen Jet abschleppen oder sein Wochenendhäuschen ans Meer zerren möchte – für diesen Wagen dürfte das eine leichte Übung sein.

Im riesigen Auto wird es schnell eng

Sobald jedoch die Straßen schmaler werden und andere Autos in der Nähe sind, wird es eng. Stadtfahrten sind deshalb eine heikle Übung, die man nur mit viel Fingerspitzengefühl und dem permanentem Blick in die beiden plattencovergroßen Außenspiegel bewältigen kann. Wer nicht nur auf breiten Boulevards um Aufmerksamkeit heischen, sondern tatsächlich Einkäufe im Zentrum erledigen will, muss möglichst früh aufstehen. Später am Tage nämlich sinken die Chancen auf einen Parkplatz von hinreichender Größe gegen null.

Andererseits: Die Ladefläche des F-650 ist so groß, dass man vermutlich nur zweimal im Jahr zum Großmarkt muss, und wenn einmal gar nichts geht - weil es zum Weiterfahren zu eng ist - kann man die riesige Kabine als Aufenthaltsraum nutzen. Oder für ein Extra-Nickerchen, bis sich die Lage geklärt hat.

Die Leute reagieren verdutzt, neugierig, wütend

Die Reaktionen der anderen Verkehrsteilnehmer reichen angesichts des F-650 von neugierig über verdutzt bis wütend. Das Auto gehört eindeutig in die Kategorie der Klimakiller. Andererseits gewinnt man mit diesem Wagen mindestens einen neuen Freund - den Tankwart. Denn die verchromten Fässer unter den Trittleisten fassen mehr als 400 Liter Diesel. Bis diese Menge gezapft ist, kann man problemlos ein Getränk plus Bockwurst verputzen und mit dem Mann an der Kasse plauschen. Der dürfte am Ende rund 600 Euro berechnen. Schneller kann man Clubsmart- oder Payback-Punkte kaum sammeln.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 114 Beiträge
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1. Tom Grünweg
dehnübung 13.10.2008
Ein typischer Tom Grünweg Artikel. Sonst sind es "armdicke" Auspuffrohre von denen er begeistert schreibt, nun sind wir bei "baumdicken" Kardanwellen angelangt. "Der Importeur kann sich vor Anfragen kaum retten", aha, vielleicht sollte der Importeur das Problem mit einem Auftrag an ein Callcenter zu lösen versuchen. Ein Auto pro Monat wird verkauft!! Immerhin. Schon mehrfach habe ich kundgetan, dass solche Artikel überflüssig sind, da ihr Nutzwert gegen Null tendiert. Ob es nun eine Sonderedition des MB SLR ist, mit einer Auflage von 100 Stück, oder dieses Modell, für wieviele SPON Leser ist das wirklich wichtig? Tom Grünweg könnte seinem Namen Ehre machen, wenn er seine Recherchen etwas mehr dem Zeitgeist anpassen würde. Gefragt ist nämlich weniger dieses hier vorgestellte Produkt, sondern Elektrofahrzeuge und Kleinwagen. Gewichts-und Verbrauchsreduzierung, sprich intelligente Problemlösungen des Transports von Menschen.
2. Ja!
brad 13.10.2008
"Spritpreis 10 € / Liter!" wünsch ich mir dabei. Und das wünsch ich mir auch immer, wenn ich einen SUV sehe. Wenn die Leute schon tonnenweise Blech durch die Straßen kutschieren wollen, um den eigenen Luxuskörper mal eben zum Supermarkt zu bewegen, dann sollen sie wenigstens ordentlich bluten :-) Brad
3. Eigentlich logisch..
mwalker, 13.10.2008
das die Entwicklung der "Autos" in den USA zu solchen Auswüchsen führen musste. War nicht die bessere Über - und Weitsicht DAS Verkaufsargument für SUVs . Jetzt fährt jeder zweite Amerikaner ein SUV und das erhabene Gefühl ist dahin. Logische Folge : die Autobauer erklimmen die nächste Etage..
4. Lkw?
Tostan 13.10.2008
Was mich interessieren würde, wie sind die Kisten in Deutschland zugelassen? Denn es sind ja von der Größe und vom "Einsatzzweck"(=> Ladefläche) her LKWs ... Also Begrenzer auf 80 km/h, Fahrtenschreiber, beachten der Lenk-/Ruhezeiten etc. ... Damit wäre so eine kiste doch sicher unattraktiv? Interessant wäre eine Sattelkupplung anstelle der Ladefläche und ein Caravan als Sattelauflieger ;)
5. Think big.
Barbapapa, 13.10.2008
Amis vor - ihr seid die Herren der Welt. Wenn wir Westler das Erdöl nicht verballern, hauen es nur die Chinesen wech.
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Fahrzeugschein
Hersteller: Ford
Typ: F-650 Super Duty
Karosserie: Geländewagen/Pickup/SUV
Motor: V6-Diesel
Getriebe: Sechsgang-Automatik
Antrieb: Heck
Hubraum: 6.700 ccm
Leistung: 325 PS (239 kW)
Drehmoment: 1000 Nm
Höchstgeschw.: 125 km/h
Verbrauch (ECE): 15,6 Liter
CO2-Ausstoß: 312 g/km
Preis: 99.000 EUR

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