Artega GT: Der Vollgas-Exot vom Lande

Von Jürgen Pander

Rassige Autos entstehen fast alle in der Provinz: in Sant'Agata (Lamborghini), Hethel (Lotus) oder Dülmen (Wiesmann). Seit fünf Jahren zählt auch das westfälische Delbrück zu den Vollgas-Adressen. In einer neuen Werkshalle trat die Firma Artega an, um etwas Schwung in die Sportwagenwelt zu bringen.

Artega GT: Das Früchtchen vom Lande Fotos
Jürgen Pander

Anfangs schien der Plan aufzugehen. Die Premiere des vom ehemaligen Aston-Martin-Designers Henrik Fisker gestalteten Sportwagens auf dem Autosalon in Genf 2007 löste Begeisterung aus, gut ein Jahr später, so hieß es damals, werde der neue Porsche-Konkurrent aus dem Westfälischen auf die Straße kommen. Doch der Start des Autos verzögerte sich - und die globale Finanzkrise eskalierte. Artega-Gründer Dieter Frers musste mit seiner Firma Paragon, die ebenfalls in Delbrück Elektronik-Bauteile für die Autoindustrie fertigt, Insolvenz anmelden. Es schien, als sei damit auch Artega schon wieder abgewürgt, noch ehe der Motor richtig lief.

Doch kurz nach der Paragon-Pleite im Herbst 2009 war die Firma bereit für den Neustart. Der mexikanische Investor Tresalia Capital - ein Hauptaktionär der Modelo Brauerei (Biermarke "Corona") - übernahm im Dezember 2009 den Sportwagenbauer. Seither wird in Delbrück wieder geschweißt und geschraubt; vor knapp einem Jahr, im Mai 2010, begann die Auslieferung der ersten Zweisitzer vom Typ Artega GT. Rund 60 Autos seien bislang produziert worden, sagt Vertriebsleiter Benedikt Altrogge. Das ist nicht viel angesichts einer möglichen Jahreskapazität von 500 Exemplaren. Aber es ist ein Anfang.

Einer der Sportwagen glänzt jetzt im Farbton "Ozeanblau metallic" in der Frühlingssonne. Der Wagen wirkt breit und wuchtig, zugleich sehr kompakt und gedrungen. Die Linienführung erinnert ein wenig an die Modelle aus dem Hause Lotus. Gerade mal vier Meter lang ist die Karosserie aus kohlefaserverstärktem Kunststoff, dafür 1,88 Meter breit. Und lediglich 1,18 Meter hoch. Wer eine Weile mit dem Artega GT im Stadtverkehrs herumgefahren ist, denkt fast automatisch über eine Fernseh-Wette nach: "Wetten, dass ich hundert Autos nur an ihren Türgriffen erkennen kann?" Auf deren Höhe nämlich blickt man nach draußen.

Wenn es über Land geht, die Straße frei wird und der Blick sich weitet, ist genau diese Sitzposition ideal, um sportlich Auto zu fahren. Und das tut man im Artega GT praktisch intuitiv, weil der Wagen einfach dazu animiert. Hinter den Sitzen grollt der 3,6-Liter-V6-Motor, der von VW stammt und dort beispielsweise im Passat CC verbaut wird. Die Maschine leistet 300 PS, allerdings ist der Sportwagen ungleich lauter, spritziger und schneller. Der Rasanz-Unterschied erklärt sich vor allem aus dem Gewichtsvorteil des Artega, der rund 400 Kilogramm leichter ist als ein Passat. Jedes PS im Artega-Heck muss 4,28 Kilo bewegen, jedes PS unter der Passat-Haube 5,44 Kilo.

Manche Details kennt man aus VW-Modellen, andere wirken exotisch

Auch das Sechsgang-Direktschaltgetriebe des Artega stammt aus dem Wolfsburger Teileregal, ebenso erkennt man die Herkunft der Lenkstockhebel wieder und es dürfte noch zahlreiche weitere Bauteile im Verborgenen geben, die Organspenden aus der Großserie sind. Die Großserientechnik wirkt auf den ersten Blick ein wenig unexotisch, hat jedoch einen handfesten Vorteil: Der Preis ist niedriger, die Ersatzteilversorgung problemlos, die Reparaturkompetenz für den Antrieb weit verbreitet.

Der Exotik-Faktor des Coupés ist dennoch hoch, weil das Auto neben Bekanntem ausreichend skurriles bietet. Das Markenlogo etwa, das dem Stadtwappen von Delbrück nachgebildet ist; oder die Hebel für die elektrischen Fensterheber, die aussehen wie mechanische Fensterkurbeln; oder das nach unten geneigte Zentraldisplay in der Armaturentafel, das an sonnigen Tagen kaum ablesbar ist. Gleiches gilt für den in den Rückspiegel integrierten Mini-Navigations-Monitor. Man erkennt praktisch: nichts. Als Wegweiser ist das Ding, zumindest bei heiter-hellem Wetter, nutzlos.

Exzellent dagegen ist die Cockpit-Grafik gelungen, und auch die Analog-Uhren oberhalb des Multifunktionssystems sehen klasse aus. Dass der Deckel des Ablagefachs in der Mittelkonsole ziemlich klapprig wirkt - geschenkt. Ein Sportwagen ist schließlich eine Fahrmaschine.

Die Lenkung wirkt kommod, das Fahrwerk jedoch ist knochenhart

Die ist der Artega GT. Der Motor tritt bissig und drehfreudig an, auf freier Strecke kann man ausprobieren, wie sich eine Beschleunigung von 0 auf 100 in 4,8 Sekunden anfühlt und wenn es sein muss, schafft der Wagen ein Höchsttempo von 270 km/h. Vor allem aber fährt er sich knackig. Die Lenkung könnte zwar noch eine Spur direkter sein, dafür aber ist das Fahrwerk regelrecht knochig und protokolliert akribisch jede Fuge im Asphalt. Wer ein trocken abgestimmtes Auto mag, wird sich mit dem Artega GT bestimmt anfreunden.

Kontaktfreudig sollte man übrigens auch sein, denn das Auto fällt natürlich auf und gleichzeitig wissen nur die Wenigsten, um was genau es sich bei diesem Sportwagen handelt. Als Artega-Fahrer sollte man also ein paar technische Daten und einige Details der Firmengeschichte parat haben. Zum Glück gibt es die Firma ja noch nicht so furchtbar lange.

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insgesamt 23 Beiträge
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    Seite 1    
1. Wenn...
fatherted98 20.04.2011
...wie gestern in Frontal 21 gesehen, Tempo 130 kommt, dann können die Sportwagenfans ihre Flundern nur noch im 3. Gang ausfahren...höhhöhö
2. Schöne Form, aber für mich...
Dumme Fragen 20.04.2011
ist das nix. Ich brauch ein Auto, mit dem ich auch mal was transportieren kann. Gestern hab ich durch Zufall den "Checker" gesehen, wie er einen Kombi gesucht hat. BMW, Audi, VW hatte er im Angebot, Opel, Volvo und Subaru würden mir jetzt spontan noch so einfallen. Aber so richtig erwärmen kann ich mich da nicht (für die Cross-Country-Version der Volvos dann schon eher). Was könnte das richtige Auto für mich sein? Kool und Kombi passen ja nicht so zusammen. Nach der Diskussion hier Männer-Psychologie: Mit Luxus-Shopping*zum*schnellen Sex http://forum.spiegel.de/showthread.php?t=33920 war ich am überlegen, mir mal nen neuen Wagen anzuschaffen... Aber ein Sportwagen, in den ein Fahrrad oder ein Kühlschrank passen, kann nicht gut aussehen.
3. Willkommen, Ambermoon.
Ambermoon 20.04.2011
Zitat von fatherted98...wie gestern in Frontal 21 gesehen, Tempo 130 kommt, dann können die Sportwagenfans ihre Flundern nur noch im 3. Gang ausfahren...höhhöhö
...und da freut sich dann der Fatherted...
4. <eom/>
SmallSmurf 20.04.2011
Zitat von fatherted98...wie gestern in Frontal 21 gesehen, Tempo 130 kommt, dann können die Sportwagenfans ihre Flundern nur noch im 3. Gang ausfahren...höhhöhö
Falsch! Dann heißt es ab durch die grüne Hölle, wo sich solcge Fahrzeuge erst richtig fahren lassen...höhöhö
5. .
nukefree 20.04.2011
Zitat von fatherted98...wie gestern in Frontal 21 gesehen, Tempo 130 kommt, dann können die Sportwagenfans ihre Flundern nur noch im 3. Gang ausfahren...höhhöhö
Und wieder so ein Idiot, der denkt Sportwagen müsste man auf der Autobahn ausfahren. Die Autobahn ist zum Reisen da, die unlimitierte Autobahn ermöglicht ein normales, angenehmes, effiziente Reisetempo. Spaß hat man auf der Landstraße, und daran ändert sich so schnell auch nix. ;)
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Fahrzeugschein
Hersteller: Artega
Typ: GT (2011)
Karosserie: Sportwagen/Coupé
Motor: V6-Benzin-Direkteinspritzer
Getriebe: Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe
Antrieb: Heck
Hubraum: 3.597 ccm
Leistung: 300 PS (221 kW)
Drehmoment (E-Motor): 350 Nm
Von 0 auf 100: 4,8 s
Höchstgeschw.: 270 km/h
Verbrauch (ECE): 9,2 Liter
CO2-Ausstoß: 220 g/km
Kofferraum: 300 Liter
Preis: 83.900 EUR

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Artega GT

Einsteigen: ...wenn man einen ganz neuen und unbekannten und zugleich sehr ausgereiften Sportwagen fahren möchte.

Aussteigen: ...wenn man die durchgehende Perfektion einer gewissen Lässigkeit und Exponiertheit vorzieht.

Umsteigen: ...aus allen Sportwagen in der 300 PS Klasse, je nach Geschmack von Porsche bis Lotus.


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