Autogramm Aston Martin DB11 Volante Lässig lüften

Viele Sportwagenhersteller üben sich in Krawall und brachialer Optik. Nicht so Aston Martin - die Briten schreiben Zurückhaltung noch groß. Auch beim neuen Cabriolet, dem DB11 Volante.

Aston Martin

Der erste Eindruck: Reizend, nicht aufreizend.

Das sagt der Hersteller: Projektleiter Paul Barritt nennt den offenen DB11 das ultimative Cabrio für Genießer und hat diesem Ziel, findet er, mit jedem Detail Rechnung getragen. Einerseits fahre der DB11 auch offen unglaublich schnell und lasse sich dank der hohen Verwindungssteifigkeit fast so scharf um die Ecken treiben wie das Coupé, sagt Barritt. Gleichzeitig wird eine enorme Sinnestäuschung betrieben, zum Beispiel durch Dinge wie die Lenkradheizung, die in zwei Minuten 36 Grad an die Finger zaubert. "Man muss immer mal wieder nach oben in den Himmel schauen, damit man merkt, dass man in einem offenen Auto sitzt."

Aston Martin

Das ist uns aufgefallen: Normalerweise definieren die Leistungsdaten einen Sportwagen, manchmal auch die Motorklänge. Bei der Erstbegegnung mit dem DB11 Volante lenkt Projektleiter Barritt den Blick zuerst auf das Verdeck. Mit acht Lagen ist es nicht nur besser isoliert als je zuvor, sondern es spannt sich auch viel glatter über den Wagen, seit Webasto ein paar zusätzliche Spriegel eingezogen, die Nähte verändert und die Heckscheibe bündig eingeklebt hat. Außerdem arbeitet es fast geräuschlos, wenn es sich - auf Wunsch bis Tempo 50 auch während der Fahrt - in 14 Sekunden öffnet oder in 16 Sekunden wieder schließt.

Das passt gut zu einem Auto, dass so etwas ist wie der Leisetreter unter den Leistungssportlern. Denn weder beim Design noch beim Sound probt der DB11 den lauten Auftritt. Anders als Lamborghini & Co. beherrscht der Wagen die Kunst der Zurückhaltung.

Werfen Sie einen Blick in den Innenraum des Aston Martin DB11 Volante - mit unserem 360-Grad-Foto:

Natürlich hat der DB11 mehr Kraft, als man je abrufen wird. Immerhin leistet der V8-Motor unter der Haube 510 PS, reißt mit bis zu 675 Nm Drehmoment an den Hinterrädern, wuchtet den 2+ (ja, was eigentlich)-Sitzer in 4,1 Sekunden auf Tempo 100 und schafft bei Vollgas 300 km/h. Doch man ist gar nicht versucht, dieses Potential auszureizen.

Nicht dass der Wagen sich gegen eine schnellere Gangart sperren würde. Im Gegenteil liegt er steif und fest auf der Straße wie ein Brett und nimmt die Kurven mit einer Schärfe, die Ferrari oder McLaren Angst machen sollte. Doch glücklich und zufrieden rollt man im GT-Modus mit dem softesten Setup dahin und weckt den V8 nur dann aus dem Halbschlaf, wenn es unbedingt nötig ist. Wenn man zum Beispiel mit einem Kickdown mal schnell an zwei Lastwagen vorbeiziehen möchte, die einem die Sonne verdecken und die Luft verdieseln. Oder wenn ein Tunnel kommt.

Dann lohnt es sich sogar, in den Sport- oder Sport-Plus-Modus zu schalten und die Fanfaren blasen zu lassen, in die das Motorsteuergerät immer mal wieder ein paar Fehlzündungen einstreut. Hier bekommt es sonst ja keiner mit. Und anders als Autos wie dem Mercedes AMG GT oder dem Lamborghini Hurracan macht der DB11 Volante das Getöse ja nicht immer und überall.

Das muss man wissen: Der DB11 Volante kommt im April in den Handel und kostet mindestens 199.000 Euro. Damit ist er 15.000 Euro teurer als das entsprechend motorisierte Coupé und soll in Deutschland etwa 50 Prozent der Verkäufe ausmachen.

Bei der Entwicklung des Cabrios haben die Briten einmal mehr von der Zusammenarbeit mit Mercedes profitiert. So übernehmen sie nicht nur den AMG-Motor und die Elektronik für Navigation und Infotainment, sondern zum Beispiel auch die pyrotechnischen Überrollbügel hinter den Rücksitzen sowie die Steuerung des Verdecks. Nur deshalb ist der DB11 der erste offene Aston Martin, bei dem man das Dach auch per Fernbedienung öffnen und so im Café noch mehr Eindruck schinden kann.

Den hauseigenen V12-Motor wollen die Briten, anders als im Coupé, im Cabrio vorerst nicht einbauen. Dieses Open-Air-Vergnügen bleibt den Kunden des Vanquish-Nachfolgers vorbehalten, der Ende des Jahres erwartet wird und ebenfalls als Coupé und 2019 auch als Cabrio kommen soll.

Das werden wir nicht vergessen: Ein gegenüber dem Vorgänger um 20 Prozent vergrößerter Kofferraum, einen Hauch mehr Platz auf den Rücksitzen, ein Verdeck so geschmeidig und solide wie bei der Mercedes S-Klasse und einen Motor, der sich bei aller Kraft kaum zu pubertären Provokationen hinreißen lässt - damit wird der DB11 Volante nicht nur zum elegantesten, sondern auch zum praktischsten Cabrio unter den Supersportwagen.

Bis man versucht, einen Platz für den Zündschlüssel zu finden. Denn nicht nur das Handschuhfach fehlt in diesem Auto, es gibt auch nirgendwo eine passende Ablage für den riesigen Klumpen. Und so faszinierend das Spiel mit der elektrischen Klappe auf dem Mitteltunnel ist, dort im Staufach kullert der Schlüssel bei jeder Kurve herum.

Fahrzeugschein
Hersteller: Aston Martin
Typ: DB11 Volante
Karosserie: Cabriolet
Motor: V8-Turbobenziner-Direkteinspritzer
Getriebe: Achtgang-Automatik
Antrieb: Heck
Hubraum: 3.982 ccm
Leistung: 510 PS (375 kW)
Drehmoment: 675 Nm
Von 0 auf 100: 4,1 s
Höchstgeschw.: 300 km/h
Verbrauch (ECE): 10,0 Liter
CO2-Ausstoß: 230 g/km
Kofferraum: 206 Liter
umgebaut: 169 Liter
Gewicht: 1.870 kg
Maße: 4750 / 1950 / 1300
Preis: 199.000 EUR


insgesamt 28 Beiträge
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Seite 1
veccctor 05.03.2018
1. Da gibts nicht viel zu sagen
Ausser, wenn ich das Geld hätte, das wäre meiner. Diese Mischung aus Understatement, Stil und purer Eleganz ist recht einmalig.
saftschubse 05.03.2018
2. Schöner Wagen
...allerdings schon reichlich teuer, etwas mehr Rundungen hätten mir besser gefallen
Draw2001 05.03.2018
3. Ist,der,auch für große Fahrer geeignet?
Bei den Vorgängern habe ich mal gehört, dass die Sitzposition für große Menschen - also 196 - 205 dem Fahrer zu schaffen machen. Ansonsten wird sicherlich alles drin sein, was man für den Preis erwarten kann.
tommahawk 05.03.2018
4. Optisch alt
Ich empfinde das Fz. optisch überholt, ja alt. Es mag aber auch an den Fotos liegen. In Natura wirken Autos optisch oft anders als auf Fotos. Ein völliges no go ist das lächerliche kleine Detail 'Handschuhfach'. Sowas darf nicht fehlen. Gerade in diesem Auto nicht. Die mitfahrende Sissy muss doch ihr Zeugs irgendwo unterbringen.
andreass61 05.03.2018
5. Wahnsinn
was für eine schöne Linienführung, da haben die Designer des Wagens ganze Arbeit geleistet, wenn der Wagen jetzt noch mit 5 Liter auskäme hätten die Ingenieure ganze Arbeit geleistet. Wer mit diesem Wagen etwas Spaß haben will wird wohl locker die 20 Liter Marke knacken.
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