Autogramm Aston Martin Vanquish Der Spion, der mich nicht liebte

Wenn ab November James Bond über die Leinwand jagt, stellt sein britischer Hoflieferant Aston Martin pünktlich zum Filmstart einen neuen Dienstwagen. Diesmal verschmäht der Agent das Angebot und fährt den alten DB 5 und nicht den neuen Vanquish - obwohl der so extrem ist wie lange kein Aston mehr.

Aston Martin

Der erste Eindruck: Was für ein Design! Egal aus welcher Perspektive man den neuen Vanquish anschaut - er sieht einfach gut aus: flach, forsch und kein bisschen fett. Athletisch, aber nicht im Mindesten aggressiv. Elegant und exklusiv, ohne exotisch zu sein. Und vor allem schon im Stand so schnell, dass nach der Bewunderung sofort die Begehrlichkeit kommt: Den will ich haben, da will ich rein, damit will ich fahren. Und zwar schnell.

Das sagt der Hersteller: Ohnehin nicht für die leisen Töne bekannt, kommt Firmenchef Ulrich Bez beim Vanquish richtig auf Touren: "Der beste Aston Martin aller Zeiten", ist sein Mantra für das 4,72 Meter lange und 1,29 Meter flache Coupé, das nicht umsonst viele Designelemente und Techniklösungen vom millionenschweren Supersportwagen One-77 übernimmt.

Das ist uns aufgefallen: Das beinahe quadratische Lenkrad fühlt sich irgendwie ... ungewöhnlich an.

Das muss man wissen: Der Vanquish kommt pünktlich zum Debüt des neuen Bond-Films "Skyfall" in den nächsten Wochen für Preise ab 249.995 Euro in den Handel.

Genau wie den ersten Vanquish treibt auch ihn ein V12-Motor, "der allerdings nur noch den Hubraum von sechs Litern mit dem Vorgänger gemein hat", sagt Entwicklungschef Ian Minards. "Alles andere ist neu - von den Ventilen über den Zylinderkopf bis zur variablen Nockenwellen-Verstellung".

So steigt die Leistung des in Köln von Aston-Martin-Mitarbeitern in einer Ford-Halle montierten Kraftpakets um mehr 113 PS, das Drehmoment klettert um 118 Nm - und der Verbrauch geht auf 14,4 Liter zurück, die freilich nur theoretischen Wert haben. Bei auch nur halbwegs artgerechtem Einsatz ist der 78-Liter-Tank auch schon nach deutlich weniger als 400 Kilometern leer.

Als erster Aston Martin hat der Vanquish eine komplette Karosserie aus Karbon, die sich über ein Chassis aus Aluminium spannt. Anders als die Konkurrenz machen die Briten das nicht primär aus Gewichtsgründen, sagt Minards und beziffert den Vorteil gegenüber Aluminiumblechen mit mageren sechs Kilogramm. Nicht umsonst wiegt der Vanquish mit seinem stattlichen V12 noch immer respektable 1739 Kilogramm. "Sondern nur mit Karbon können wir die Karosserie so leidenschaftlich formen", schwärmt Designer Marek Reichman.

Sein ganzer Stolz ist die Heckklappe, die den Zulieferer zwei komplette Tage kostet, weil der Heckspoiler nicht aufgeschraubt, sondern aus dem Vollen gearbeitet ist. Lohn der Mühe: "Wir haben keine einzige Fuge oder Sicke, die den Gesamteindruck stört." Stattdessen entdeckt man liebevolle Details wie die Rückleuchten, deren einzelne Leuchtelemente die gleiche Form haben wie die Federn im geflügelten Markenlogo.

Wer das alles demnächst bei Bond sehen will, hat übrigens schlechte Karten. Denn ins Kino hat es der Vanquish diesmal nicht geschafft - obwohl die erste Generation ihr Debüt im 007-Film "Stirb an einem anderen Tag" gefeiert hat. Das liegt laut Aston Martin zum einen daran, dass die Produzenten zum 50. Geburtstag von 007 ein wenig retro eingestellt waren und deshalb auf den DB5 bestanden haben, hat aber auch ganz pragmatische Gründe: Als die Dreharbeiten begannen, war der Vanquish schlicht noch nicht fertig.

Das werden wir nicht vergessen: Wie wenig das atemberaubende Design und die faszinierenden Fahreigenschaften zum Innenleben des Vanquish passen wollen. Ja, die berührungsempfindlichen Sensorflächen für Klima & Co, die auf der Mittelkonsole hinter Glas montiert sind, erinnern tatsächlich ein bisschen an moderne Smartphones. Doch die stark betonten Ledernähte sind zumindest bei den ersten Testwagen krumm und schief.

Der halb unter dem Sitz versteckte Handbremshebel wirkt seltsam antiquiert. Und in einem Auto für eine Viertelmillion möchte man weder die Navigation aus einem Renault sehen, noch die Lenkstockhebel aus einem Ford oder Fiat anfassen. Auch ein paar mehr zeitgemäße Assistenzsysteme als das ESP und die Rückfahrkamera würde man sich für einen ansonsten ziemlich alltagstauglichen Gran Turismo wünschen, selbst wenn Firmenchef Bez das Ansinnen nach elektronischer Hilfe mit einem Lob für seine Kunden kontert: "Wir haben erfahrene und vorausschauende Fahrer, die solche Systeme nicht nötig haben."

insgesamt 33 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
tobih 18.10.2012
1. hiermit...
...bewerbe ich mich als redakteur für ihre auto-abteilung, ihre redakteur scheint aston martin nicht verstanden zu haben: ein guter sportwagen braucht keine weiteren elektronischen spielereien, selbst die rückfahrkamera ist für meinen geschmack zu viel... und das mit den gleichteilen aus der großserie: auf welchem planeten wohnt denn herr grünweg?? die schleudern, die mercedes in dieser klasse anbietet SIND leicht veredelte großserienprodukte, ich erinnere nur an das maybach experiment.... gut finden muß man das natürlich nicht, aber jetzt nur aston martin dafür an den pranger zu stellen...
doyle78 18.10.2012
2. .
Zitat von sysopAston MartinWenn ab November James Bond über die Leinwand jagt, stellt sein britischer Hoflieferant Aston Martin pünktlich zum Filmstart einen neuen Dienstwagen. Diesmal verschmäht der Agent das Angebot und fährt den alten DB 5 und nicht den neuen Vanquish - obwohl der so extrem ist wie lange kein Aston mehr. http://www.spiegel.de/auto/fahrberichte/aston-martin-vanquish-a-861628.html
Das Heck des Vanquish finde ich elegant, während die Front so schon in gefühlten 20 Baureihen zur Schau getragen wird. Hübsch aber verwechselbar.Gerade bei solchen hochpreisigen Kleinserienfahrzeugen könnte etwas mehr optische Diversifizierung nicht schaden.
sampleman 18.10.2012
3. Ein bisschen mehr bitte
Ist ja schön, dass der neue Vanquish 113 PS und118 Nm mehr hat als der andere. Nur wäre es in diesem Zusammenhang hilfreich zu erfahren, wie viel der alte unter der Haube hatte;-)
kontinuität 18.10.2012
4. schöner Wagen...
ernsthaft interessieren würde mich allerdings, wie sich das Karbon bei Unfällen verhält. Kann es wie Blech Energie absorbieren oder kracht die Konstruktion dann auseinander wie ein Bakelitgehäuse?
lemidi 18.10.2012
5. Tabellenwerte
Zitat von samplemanIst ja schön, dass der neue Vanquish 113 PS und118 Nm mehr hat als der andere. Nur wäre es in diesem Zusammenhang hilfreich zu erfahren, wie viel der alte unter der Haube hatte;-)
Ich empfehle einen Blick in die Tabelle links vom Artikel. Der Rest ist Kopfrechnen ;)
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.