Aston Martin Vantage Hai Society

Für den neuen Aston Martin Vantage standen Raubtiere Modell. Das ist kein Zufall: Der sportliche Bruder des DB 11 soll wohlhabende Porsche-Kunden abwerben.

Aston Martin

Der erste Eindruck: Skulptural. Der neue Vantage kommt mit wenigen Linien aus. Anders als der Aston Martin DB 11, mit dem er sich die technische Basis teilt, sieht er eher aggressiv als elegant aus.

Das sagt der Hersteller: Raubtiere wie der Wolf oder der Hai dienten Aston-Martin-Designer Sam Holgate nach eigener Aussage als Vorbild für die Karosserie des neuen Vantage. "Während der DB 11 der Gran Tourismo für den Gentleman ist, will dieses Auto ein echter Angreifer sein", sagt der junge Formgeber. Und Simon Croft aus dem Management des britischen Sportwagenherstellers hofft, dass sich die Angriffslust nicht nur im Design, sondern auch in den Absatzzahlen niederschlägt. "Wir haben den Vantage, der schon bislang unser meistverkauftes Modell war, ganz klar auf Eroberung ausgelegt und wollen vor allem beim Wettbewerb räubern", sagt er und meint natürlich den Porsche 911.

Das ist uns aufgefallen: Während man in den größeren DB11 hineingleitet, wie in einen maßgeschneiderten Schuh, erfordert der Einstieg in den Vantage etwas mehr Geschick. Das neue Auto duckt sich so tief auf die Straße wie noch kein Aston Martin zuvor, und auch die Sitze sind der Fahrbahn extrem nah. Dennoch will die Sitzposition nicht so recht passen, weil die Brüstung und das Cockpit zu hoch sind.

Dass der Vantage sportlich ambitionierter ist als der DB11, merkt man auch an anderen Details. Die elektronische Charakterregelung zum Beispiel, mit der sich der Wagen auf Knopfdruck scharf schalten lässt, kennt hier gar keinen Normalmodus, sondern startet gleich mit "Sport" und lässt sich dann auf "Sport Plus" und "Track" steigern - schnellere Gangwechsel, versteifte Federn und Dämpfer sowie Gebrüll aus dem Auspuff inklusive.

Auch der Radstand fällt beim Vantage im Vergleich zum DB11 um zehn Zentimeter geringer aus, die Länge um knapp 30 Zentimeter und das Gewicht um fünf Zentner. Er lässt sich feinfühlig entlang der Ideallinie führen, doch ganz so stimmig wie der DB11 fühlt er sich dabei nicht an. Während der große Bruder nahe am perfekten Gleiter ist, tritt der Vantage leider nicht als kompromissloser Sportler auf, der er gerne wäre. Der Motor klingt zu brav, die Automatik schaltet zu langsam und die Lenkung ist nicht spitz genug. Doch selbst der Alltagsnutzen hält sich in Grenzen. Er ist zu hart abgestimmt, zu unkommod und zu fordernd.

Werfen Sie einen Blick in den Innenraum des Aston Martin Vantage - mit unserem 360-Grad-Foto:

Und das Bedienlabyrinth zwischen den Sitzen wirft so viele Fragen auf, dass man ohnehin nicht schneller fahren sollte als Schrittgeschwindigkeit, während man versucht, sich dort zurechtzufinden.

Das muss man wissen: Der Vantage kommt ab Juni in den Handel und teilt sich etwa 70 Prozent der Teile mit dem DB11. Der Preis beginnt bei 154.000 Euro und liegt damit niedriger als vergleichbar positionierte Modelle des Porsche 911. Los geht es bei Aston Martin zunächst mit dem zweisitzigen Coupé, im Frühjahr folgt dann ein Roadster namens Volante.

Einziger Motor ist zunächst der 4,0 Liter große V8-Turbo, den Aston Martin beim Kooperationspartner AMG einkauft. Die Maschine leistet im Vantage 510 PS und kommt auf 685 Nm Drehmoment. Die Achtgang-Automatik wanderte für eine bessere Balance ins Heck (Transaxle-Bauweise) und ist anders übersetzt als im DB 11. So erreicht der Vantage bei Vollgas 314 km/h und beschleunigt in 3,6 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100. Theoretisch würde unter die extrem flache Haube auch der hauseigene V12-Motor passen, was ein weiterer, deutlicher Unterschied zu Porsche wäre. Aber über den Einsatz des Zwölfzylinders sei noch nicht entschieden, sagt Simon Croft.

Das werden wir nicht vergessen: Die Lederschlaufen in den Türen, in denen sich der Beifahrer vortrefflich festkrallen kann. Sie sind so ziemlich das einzige Teil aus der Ära der aristokratischen Aston Martin, die die Zeitenwende beim britischen Hersteller überdauert haben.

Fahrzeugschein
Hersteller: Aston Martin
Typ: Vantage (2018)
Karosserie: Coupé
Motor: V8-Turbobenziner-Direkteinspritzer
Getriebe: Achtgang-Automatik
Antrieb: Heck
Hubraum: 3.982 ccm
Leistung: 510 PS (375 kW)
Drehmoment: 675 Nm
Von 0 auf 100: 3,6 s
Höchstgeschw.: 314 km/h
Verbrauch (ECE): 10,5 Liter
CO2-Ausstoß: 245 g/km
Gewicht: 1.530 kg
Maße: 4465 / 2153 / 1273
Preis: 154.000 EUR
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insgesamt 26 Beiträge
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Überfünfzig, 21.04.2018
1. Soso man ist mit ein paar.....
.........Knöpfchen mehr als 3 als Fahrer überfordert? Ne anders herum wird ein Schuh raus! Hier habe ich ruckzuck, auch ohne hinzusehen, die Funktion geschaltet, ohne mich mit Ablenkung durch zig Untermenüs hangeln zu müssen. Wer mal in einem hart gefederten Sportwagen auf schlechter Strasse versucht hat eine Touch-Screen zu bedienen, muss AM dankbar sein, dass sie diese Masche nicht konsequent mitmachen. Ansonsten warte ich nur noch auf den großen Lottogewinn, damit ich mir so einen Geilomat in die Garage stellen kann.
silversurfer47 21.04.2018
2. Labyrinth?
Kann ich nicht erkennen. Die Wahlstufen uns der Startknopf sind klar und sehr gut erkennbar. Und die die anderen Funktionstasten sind lediglich horizontal angeordnet. Den richtigen zu finden dürfte so schwer nicht sein!
dwg 21.04.2018
3. Bei Porsche abwerben?
Ist Ihnen schon mal aufgefallen, daß der 911er einer der wenigen, wenn nicht der einzige Sportwagen ist, der nett guckt? Heutzutage grimmt und knurrt einen schon der armseligste Kleinwagen an. Zudem gibt es einen 911er auch ohne Prolltaste für den Klappenauspuff.
Harry Hutlos 21.04.2018
4. Gegen die Mauer
Habe gestern den Aston Martin bestellt und bei meinem Betonbauer eine Mauer. Die steht in wenigen Monaten im hinteren Teil unseres weitläufigen Grundstücks und wird sich dem Aston in den Weg stellen, wenn er ferngesteuert mit 314 km/h dagegen donnert. So viel und nicht mehr ist von diesem unausgegorenen Schrotthaufen zu halten.
KarldasSchulkind 21.04.2018
5. Angriffslust
Dann sollen die Eltern mal hoffen, dass die Angriffslust sich nicht auch in der Fahrweise niederschlägt. Und was bedeutet "Der Motor klingt zu brav"? Mehr Lärmbelästigung wäre noch besser? Es gibt mittlerweile zu viele gehwegparkende Porsche vor Mini-Appartments, als das die Anspielung auf High Society hier noch gerechtfertigt wäre. Es wäre schön wenn der Autor beim Autoprospektabtippen das nächste mal etwas mehr an andere Menschen denken würde.
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