Audi A1 1.2 TFSI: Der Shootingstar, den keiner kaufen will

Von Jürgen Pander

Ab wann wird aus Premium Geldschneiderei? Diese Frage stellen sich seit kurzem wohl auch Vertriebsverantwortliche des Ingolstädter Autobauers Audi. Denn der Kleinwagen A1 ist offenbar überteuert. Er verkauft sich jedenfalls nicht wie erhofft. Wir fuhren das Basismodell.

Audi A1: Bescheiden und trotzdem teuer Fotos
Jürgen Pander

"Goldenes Lenkrad", "Car of the Year", "Die besten Autos 2011" - an Auszeichnungen für das kleinste Audi-Modell mangelt es nicht. Auch wurde das Auto kürzlich sogar geadelt: Belgiens König Albert II. besuchte die Fabrik im Brüsseler Stadtteil Forest, wo der A1 seit gut einem Jahr gebaut wird. Anlass war das hunderttausendste Modell, das dort an jenem Tag vom Band lief. Hunderttausend Autos binnen eines Jahres, das klingt gar nicht schlecht. Das Problem ist nur, dass gebaute Autos auch verkauft werden müssen.

Und dies gelingt mit dem Audi A1 offenbar noch nicht wie vom Hersteller erhofft. Nach Angaben des Kraftfahrt-Bundesamts wurden im vergangenen Jahr (der A1 kam im September auf den Markt) 8440 Modelle neu zugelassen, in diesem Jahr bis einschließlich Mai 11.140. Damit läge man noch im ursprünglichen Plan, zwischen 20.000 und 25.000 Exemplare des A1 im ersten Jahr in Deutschland loszuschlagen. Allerdings meldete "Manager Magazin Online" erst vor wenigen Tagen, dass rund ein Drittel der Neuwagen so genannte Eigenzulassungen sind - Autos also, für die noch kein Geld zurück an Audi geflossen ist.

Warum verkauft sich der A1 so schleppend? Am Auto kann es eigentlich nicht liegen. Der Wagen sieht modern und stämmig aus und schrumpft die reduziert, klare Audi-Linie auf 3,95 Meter Länge. Äußerlich gibt es an dem Auto nichts auszusetzen - außer man trifft auf ein Modell, bei dem der Kunde aus den etwa 800 Farb- und Dekorvarianten, in denen sich ein A1 bestellen lässt, eine allzu verwegene Kombination gewählt hat. So etwas kommt eben vor, wenn Hersteller schon ab Werk entsprechende Individualisierungsmöglichkeiten anbieten.

Im Innenraum geht es natürlich weiter mit der Vielfalt der Farben und Formen. Das von uns gefahrene Modell jedoch entpuppte sich als geschmackssicheres Neutrum. Außen einfarbig silbern lackiert, drinnen vor allem schwarz und stylisch. Nach Kleinwagenmaßstäben sind Cockpit und Armaturen großartig, es gibt aufwändige Details wie die verchromten Türgriffhebel, den Schaltknauf, die dreidimensional gestaltete Lenkradnabe oder die auffälligen Luftausströmer. Allein für Kleinigkeiten gibt es zu wenig Ablagemöglichkeiten. Trotzdem übertrumpft der A1 den erklärten Erzkonkurrenten Mini in Sachen Inneneinrichtung eindeutig.

Was das Platzangebot betrifft, begegnen sich die beiden wieder auf Augenhöhe. Der A1 ist genauso wie der Mini im Prinzip ein Zwei-Plus-Zwei-Sitzer. Der Einstieg in den Fond ist trotz der nach vorn rutschenden Vordersitze eng, und sitzt man erstmal in Reihe zwei, wird es kaum besser. Wer ein Auto mit brauchbarem Fond sucht, sollte warten, bis das fünftürige Modell auf den Markt kommt.

Ein Stadtauto mit der Abstimmung eines Sportwagens

Auch bei der Abstimmung des Fahrwerks orientierten sich die Ingolstädter am Urmeter aus München. Die Mini-Vermarkter werden nicht müde zu betonen, ihr Auto fahre sich wie ein Go-Kart. Gemeint ist damit, dass es nur minimalen Federkomfort bietet und die Lenkung auf kleinste Bewegungen reagiert. So ähnlich ist es auch beim A1: Der Wagen rappelt deftig über Unebenheiten, und wer mal wieder richtig zupacken möchte, sollte über Kopfsteinpflaster fahren. Andererseits macht diese knackige Art des Autofahrens großen Spaß, wenn der Fahrbahnbelag glatt und der Beifahrer tolerant ist.

Flott vorwärts kommt man mit dem A1 übrigens schon mit der Einstiegsmotorisierung, dem 1,2-Liter-Benzindirekteinspritzer-Turbomotor mit 86 PS. Die Maschine wird, wenn man sie fordert, zwar etwas knurrig, treibt das Auto aber ausreichend zügig und agil voran. Start-Stopp-Automatik und Bremsenergierückgewinnung sind serienmäßig an Bord, der Durchschnittsverbrauch liegt bei 5,1 Liter. Wir kamen allerdings nicht einmal in die Nähe dieses Werts. 8,0 Liter meldete der Bordcomputer am Ende der Testphase - und zwar keineswegs aufgrund von Drehzahl- oder Tempoorgien, sondern weil der Wagen meist voll besetzt war.

Vielleicht würde schon ein Sechsgang-Schaltgetriebe beim Spritsparen helfen, doch leider gibt es den Basis-A1 lediglich mit einer Fünfgang-Box. Die immerhin ist so fein und geschmeidig abgestimmt und erfordert nur minimale Handbewegungen, dass jeder Gangwechsel eine Freude ist.

Ein Kleinwagen für deutlich über 16.000 Euro

15.800 Euro kostet der Audi A1 1.2 TFSI in der Grundausstattung - er ist damit das billigste Exemplar der Baureihe. Doch schon unser Testwagen war erheblich teurer, was unter anderem am Metalliclack (plus 480 Euro), an den Alurädern (1750 Euro), an der Klimaanlage (900 Euro) und an den in Wagenfarbe lackierten Außenspiegeln (70 Euro) lag - und damit sind noch längst nicht alle aufpreispflichtigen Details aufgezählt, die sonst noch in dem Auto steckten.

Audi braucht den A1 als Stückzahlbringer, wenn das ehrgeizige Ziel, bis zum Jahr 2020 per anno mehr als zwei Millionen Autos weltweit zu verkaufen, erreicht werden soll. Derzeit liegt der Auto-Ausstoß der Ingolstädter bei gut der Hälfte. Dass die Audi-Leute das Preis-Problem erkannt haben, zeigt die jüngste Preisrunde: Während die Preise für alle anderen Modellreihen leicht anzogen, blieb beim A1 alles beim Alten.

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insgesamt 224 Beiträge
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1. Gefällt nicht
emantsol 04.07.2011
Prinzipiell ist man ja gerne bereit, für Dinge, die einem gefallen, auch etwas mehr Geld auszugeben als unbedingt notwendig. Mir gefällt der A1 optisch nicht und unpraktisch finde ich ihn im direkten Vergleich mit dem Konzern-Bruder Polo auch noch. Meiner Frau geht es ähnlich - potentielle Kundin und Polo-Fahrerin.
2. Fragliche Preispolitik
woooord 04.07.2011
Ich war vor drei Wochen im Karstadt gewesen. Da stand so ein Ding für 32000 Euro. Haben die eigentlich einen Knall? Wer kauft denn ein Auto der Klasse Polo für so viel Geld? Ein Kumpel von mir hat sich für 8000 Euro mehr einen A5 mit 240 PS gebraucht gekauft und ein gebrauchter Porsche Cayman ist auch nicht weit weg. Also ein völlig überteuertes Auto!
3. Titel machen einsam.
der lurch 04.07.2011
Ich fass' es nicht... - 8 Liter Verbrauch??? Für einen 1,2-Liter Motor??? Das ist doch wohl ein Witz, selbst wenn die Karre voll beladen war. Also auch hier wie bei den anderen Wagen aus Ingolstadt der übliche Beschiss in Sachen Spritverbrauch. Abgesehen davon: Bin mal gespannt, wann die Audi-Strategen drauf kommen, warum sich dieser überteuerte "Lifestyle"-Scherz so schlecht verkauft...
4. Hier könnte ein Titel stehen...
Gerüchtsvollzieher 04.07.2011
Audi ist kein Premiumhersteller und will auch nur bei der Preisgestaltung ein Premiumhersteller sein. Die Qualität ist gegenüber den Konzernschwestern VW, Skoda und Seat allenfalls gleichwertig, der Kundenservice seitens Ingolstadt arrogant und ignorant und seitens der Audi-Zentren überheblich und teuer. Für Audi ist nur wichtig, daß die "Premium"-Aussendarstellung und die Preise stimmen und beim A1 merkt die potentielle Premium-Kundschaft, daß es dieselbe Motorisierung bei besserem Service im Konzern für deutlich weniger Geld gibt!
5. viel zu hoher Verbrauch, zu teuer
multypla 04.07.2011
ich durfte eine ganze Woche in den Genuss des A1 kommen währen mein Auto in der Reparatur war und ich bind einerseits zufrieden gewesen andereseit finde ich hat sich Audi ganzschön blamiert. Warum? 1. Ein Auto mit den Dimensionen eines Polo das bei gleichmäßigem Verkehrsfluss und einer entspannten Fahrweise 50 - max. 130 km/H nicht unter 7l auf 100km kommt ist im Jahr 2011 einfach unglaublich und nicht verständlich. Positiv die von Audio gewohnte Verarbeitung und die intuitive Bedienung. Negativ seht schwammiges Fahrverhalten, vor allem bei hohen Geschwindigkeiten und die nicht seht dirkete Lenkung (ansichts Sache). Das Auto was ich so zu sagen Testfahren durfte, kostet mehr als 20tsd Euro mit der gewählten Austattung (Start/Stop Autokatik, Navi, Alu Felgen usw) völlig überzogen! Ein gebrauchter A3 als Diesel ist eine wesentlich bessere und spritsparendere Alternative. Diese Auto hat das Prädikat kleiner,teurer,Spritschlucker verdient.
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Fahrzeugschein
Hersteller: Audi
Typ: A1 1.2 TFSI
Karosserie: Kleinwagen
Motor: Vierzylinder-Turbo-Benzin-Direkteinspritzer
Getriebe: Fünfgang-Schaltgetriebe
Antrieb: Front
Hubraum: 1.197 ccm
Leistung: 86 PS (63 kW)
Drehmoment: 160 Nm
Von 0 auf 100: 11,7 s
Höchstgeschw.: 180 km/h
Verbrauch (ECE): 5,1 Liter
CO2-Ausstoß: 118 g/km
Kofferraum: 270 Liter
umgebaut: 920 Liter
Versicherung: 13 (HP) / 18 (TK) / 16 (VK)
Preis: 15.800 EUR

Schnellcheck

Audi A1 1.2 TFSI

Einsteigen: ...weil das Auto Solidität und Kompetenz ausstrahlt.

Aussteigen: ...weil die Verpackung ziemlich teuer erkauft werden muss.

Umsteigen: ...aus Mini, Alfa Mito, Citroën DS3 und VW Polo.



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