Von Tom Grünweg
Exzentrik passt zu Audi wie Ketchup zu Weißwurst. Die Marke steht für kühles Design und trägt den Markenslogan "Vorsprung durch Technik" wie ein Banner vor sich her. So haben es die Autobauer aus dem altbayerischen Ingolstadt bis in den Fuhrpark des Kanzleramts geschafft. Ein Typ wie der A1 Quattro passt da nicht mehr recht ins Bild, 32 Jahre nach dem brutalen Ur-Quattro; der Wagen ist viel zu exzentrisch, beinahe schon prollig. 256 PS und Allradantrieb in einem Kleinwagen, was soll das?
Audi baut den Wagen natürlich nicht aus Übermut. Im Gegenteil, das Auto ist wohl kalkuliert: Denn mit dem A1 Quattro stellen die Ingolstädter den bis zu 211 PS starken Mini zumindest leistungsmäßig in den Schatten. Und innerhalb des VW-Konzerns emanzipiert sich der A1 so deutlicher vom nahezu baugleichen VW Polo, der als billigeres und besseres Angebot gilt. Vom eben jenem Mantra "Vorsprung durch Technik" sei beim A1 angesichts der vielen verbauten VW-Komponenten nicht mehr viel zu spüren, ätzte nämlich unlängst der Automobilwirtschaftler Ferdinand Dudenhöffer.
Die dicksten Auspuffrohre, die Audi im Sortiment hat
Für die neue Quattro-Variante stimmt das mit dem Vorsprung dann schon wieder eher. 600 Bauteile mussten laut Audi neu entwickelt oder zumindest gründlich modifiziert werden. Darunter auch die beiden Auspuff-Endrohre in der Heckschürze, die mit zehn Zentimeter Durchmesser größer sind als bei jedem anderen Modell der Marke.
So viel Bohei für eine Kleinserie von 333 Autos? Mehr Exemplare sind nämlich zunächst nicht geplant vom A1 Quattro. Das rechnet sich auch dann nicht, wenn der - immerhin komplett ausgestattete - Kleinwagen 49.900 Euro kostet und damit teurer ist als mancher A6. "Stimmt", antworten die Audi-Leute und legen ein wissendes Lächeln auf. "Möglich, dass uns damit noch was anderes einfällt." Damit scheint klar, dass auch ein S1 noch bevor steht. Angeblich gibt es ein reges Interesse an überzüchteten Kleinwagen. Die 333 Exemplare des A1 Quattro, die erst ab Sommer ausgeliefert werden, sind jedenfalls schon beinahe ausverkauft.
Die Kunden dürfen sich auf einen Wagen freuen, der in 5,7 Sekunden von 0 auf 100 km/h beschleunigt und mit einer Spitzengeschwindigkeit von 245 km/h zu den schnellsten deutschen Kleinwagen zählt. Spaß aber macht der Allradler gar nicht so sehr beim puren Tempobolzen, sondern vielmehr in engen Kurven.
Wer driften will, kann das ESP in zwei Stufen zurückdrängen
Wer mit dem Auto aggressiv durch einen Slalomkurs fährt, lernt die Vorzüge des ESP kennen. Die Elektronik bremst die einzelnen Räder situationsgerecht ab; ebenso verteilt die Lamellenkupplung des Allradantriebs die Kraft und leitet je nach Fahrzustand bis zu 100 Prozent des Drehmoments an die Hinterachse.
Die Hightech-Überwachung lässt sich allerdings in zwei Stufen zurückdrängen, und je unempfindlicher die Sensoren reagieren, desto mehr Spielraum hat der Fahrer. Dann lässt sich der A1 auch mit dem Gasfuß lenken und, weil es einfach Laune macht, auch mal quer über den Kurs treiben. Jedenfalls wenn der Untergrund etwas rutschig ist. So wird auch der A1 zum Sportgerät. Das passt vielleicht nicht exakt in die von Audi so gern beschworene Premium-Welt, aber auf jeden Fall zum Markenmotto "Vorsprung durch Technik".
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