Audi A3 1.6 TDI: Comeback des Drei-Liter-Autos

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Audi hatte mal ein Drei-Liter-Auto im Angebot, doch dessen Produktion ist eingestellt. Jetzt, vier Jahre nach dem Ende des Modells A2, orientiert sich das derzeit kleinste Audi-Modell A3 wieder am alten Ideal. Ab Frühjahr 2010 soll der Knauser mit neuer Spartechnik zu kaufen sein.

Audi A3 1.6 TDI: Betagter Spritsparer Fotos
Tom Grünweg

Wenn Marketing-Leute mit der Statistik hantieren, wird es manchmal hanebüchen. Es ist noch keine zwei Wochen her, da brüstete sich BMW auf der IAA in Frankfurt als der "effizienteste Autohersteller der Welt". Jetzt keilt Audi zurück: "Weltweit bieten wir bereits 32 Modelle an, deren CO2-Wert unter 140 Gramm liegt. Damit sind wir führend unter den Premium-Herstellern", sagt Entwicklungsvorstand Michael Dick. Und das sei noch nicht das Ende der Bemühungen. "Bis 2012 werden wir die CO2-Emissionen unserer Flotte um weitere 20 Prozent senken, auf einen Gesamt-Durchschnittswert von unter 140 Gramm", kündigt Dick an.

Eine wichtige Rolle dabei soll der neue A3 1.6 TDI spielen, der im ersten Halbjahr 2010 auf den Markt kommen wird und mit der Technik des Konzernvetters VW Golf Blue Motion zum genügsamsten Audi in der Modellpalette werden soll. Ganz so sparsam wie das Drei-Liter-Auto A2 1.2 TDI ist er zwar nicht, denn dieses Modell kam auf einen Verbrauch von 2,99 Litern auf 100 Kilometer und gilt als bis heute einziger Viertürer mit diesem Wert. Der Wert des künftigen Audi A3 1.6 TDI ist längst nicht so gut: 3,8 Litern und 99 Gramm CO2 pro Kilometer - immerhin steht eine drei vor dem Komma.

Zum sparsamen Modell wird der A3 mit einer neuer Steuerung für den 1,6 Liter großen und 105 PS starken TDI-Motor. Dazu gibt es eine Start-Stopp-Automatik und ein besonderes Bremssystem. Diese so genannte Rekuperation lädt die Batterie etwa beim Verzögern oder Dahinrollen und entkoppelt die Lichtmaschine immer dann, wenn alle Leistung zum Beschleunigen benötigt wird. Gleichzeitig erhält der Audi Leichtlaufreifen und eine verbesserte Aerodynamik. Der Kühlergrill ist mit besonderen Blenden teilweise geschlossen, der Wagenboden und die Felgen sind besser verkleidet, und insgesamt duckt sich das Auto etwas tiefer auf die Straße.

Allerdings haben die Bayern mit Blick auf die allenfalls noch zwei Jahre währende Karriere des aktuellen A3 das Sparprogramm nicht konsequent zu Ende gedacht. So fehlt dem Getriebe ein sechster Gang und dem Bordcomputer das so genannte Effizienz-Programm: Während Fahrer des Audi A4 zum Beispiel situationsabhängige Spartipps erhalten, gibt es im A3 lediglich eine Schaltempfehlung. Wenn der Fahrer nicht mitspielt, bringen die Tricks der Ingenieure nichts. Allein der Fahrstil sei zumindest für ein Drittel des Verbrauchs verantwortlich, behaupten die Audi-Entwickler.

Um die neue Spartechnik im schon betagten Modell publik zu machen, organisierte Audi eine Langstreckenfahrt namens Audi Efficiency Challenge von A auf den Lofoten in Norwegen nach Bee in Italien. Ergebnis: Rund vier Liter im Schnitt sind also durchaus machbar. Zu zweit im Auto, mit angeschalteter Klimaanlage oder gelegentlich geöffnetem Fenster, bleibt man auch ohne Mühe unter 4,5 Liter und wird trotzdem nicht zum Verkehrshindernis. Für einen Kompaktwagen mit Platz für fünf, einem alltagstauglichen Kofferraum und einem Leergewicht von 1,3 Tonnen ist das nicht schlecht.

Besonderen Spaß macht das Sparen in der Stadt, weil man dort bei jeder Zwangspause die wunderbare Ruhe der Start-Stopp-Automatik genießt: Kaum ist das Getriebe im Leerlauf und der Fuß von der Kupplung, stellt sich der Motor ab und gibt keinen Mucks mehr von sich. Wenn es weiter gehen soll, dauert es nur Sekundenbruchteile, schon ist der Diesel wieder da und überzeugt mit einem kräftigen Anzug: 250 Nm stehen bereit um zu zeigen, dass Vernunft und Vergnügen kein Widerspruch sein müssen.

Wer die Schaltempfehlungen ernst nimmt, braucht Geduld

Solange man innerorts unterwegs ist oder die Schaltempfehlung ignoriert, ist das auch tatsächlich so. Aber wer mit dem Blick auf die Tankuhr fährt und deshalb frühzeitig die Gänge wechselt, der braucht schon ein wenig Geduld. Denn ab Tempo 60 fährt man dann im fünften Gang - von Spritzigkeit kann dann keine Rede mehr sein. Gemütlich auf der rechten Spur dahin zu gleiten, ist mit dem sparsamen Auto zwar kein Problem, doch zum Überholen muss man ein, zwei Gänge zurückschalten, und wer tatsächlich das Spitzentempo von 190 km/h erreichen möchte, würde sich den sechsten Gang allein schon wegen des Geräuschniveaus wünschen.

Sparsamkeit und Sportlichkeit sind eben doch nicht gleichermaßen zu erreichen. Doch der A3 1.6 TDI ist dazu da, um umweltbewusste Kunden zu ködern und zugleich die CO2-Bilanz von Audi zu polieren. Allein die Tankwarte dürften wenig Freude an diesem Auto haben. Bei einer Reichweite von fast 1600 Kilometern sieht man den A3 rein rechnerisch nur noch alle zwei Monate an der Zapfsäule.

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Fahrzeugschein
Hersteller: Audi
Typ: A3 Sportback 1.6 TDI
Karosserie: Kompaktwagen
Motor: Vierzylinder-Diesel
Hubraum: 1.598 ccm
Leistung: 105 PS (77 kW)
Drehmoment: 250 Nm
Von 0 auf 100: 11,7 s
Höchstgeschw.: 190 km/h
Verbrauch (ECE): 3,8 Liter
CO2-Ausstoß: 99 g/km
Kofferraum: 370 Liter
umgebaut: 1.100 Liter
Preis: 24.700 EUR

Schnellcheck

Audi A3 1.6 TDI

Einsteigen: ...weil der A3 ein schmucker Sparer ist, der keinen allzu großen Verzicht fordert.

Aussteigen: ...weil dem Getriebe der sechste Gang fehlt.

Umsteigen: ...aus kompakten Sparern wie dem VW Golf Blue Motion, Seat Leon Ecomotive oder BMW 1er.

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