Fahrbericht Audi A3 g-tron Sparen ohne Verzicht

Mit 180 km/h quer durch Deutschland, für weniger als 60 Euro: Der Audi A3 Sportback mit Erdgasantrieb fährt wie ein normales Auto, nur viel preiswerter und umweltfreundlicher. Nach einem ausgedehnten Test bleibt nur eine Frage offen.

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Audi

Steht man mit Kollegen vor dem Audi A3 g-tron, verläuft das Gespräch typischerweise so:

"Erdgasauto, aha. Merkt man da 'nen Unterschied?"

"Überhaupt nicht. Fährt sich ganz normal."

"Kommt man aber nicht weit, ne?"

"Mindestens 300 Kilometer. Und dann hat man 50 Liter Benzin als Reserve."

"Hm, in Deutschland gibt's mehr Elefanten als Erdgastankstellen, oder?"

Erdgasfahrzeuge gelten in Deutschland als Verzichtsmobile, als Fahrspaßbremsen und für den Alltag untauglich. So weit die Vorurteile. Nach einer Fahrt von fast 3000 Kilometern im A3 g-tron sind sie restlos ausgeräumt.

Auch wenn sich beim Start die schlimmsten Befürchtungen noch bestätigen.

Verzicht auf Fahrspaß? Nicht in diesem Auto

Auf den ersten Kilometern ist noch alles wie gewohnt. Der Wagen beschleunigt mit seinen 110 PS herzhaft, schafft es ohne große Anstrengung auf die 197 km/h Höchstgeschwindigkeit und im Dynamic-Modus lässt sich damit so um die Kurve brettern, dass es am ganzen Leib kribbelt. Verzicht auf Fahrspaß? Nicht in diesem Auto.

Aber dann neigt sich der Erdgasvorrat von 14 Kilogramm gen Ende, und das macht leider nervös. Es geht überhaupt nicht um die Gefahr, liegenzubleiben - dank des Benzintanks sind locker noch mehr als 500 Kilometer drin -, sondern darum, sich richtig zu entscheiden: Steuert man die nächste Erdgastankstelle an, und nimmt dafür einen Umweg in Kauf? Oder wartet man, bis sich eine passende Möglichkeit ergibt, verbläst aber bis dahin statt günstigem CNG teuren Sprit?

Die Aussicht, zufällig an einer Erdgastankstelle vorbeizukommen, ist bescheiden. In ganz Deutschland gibt es gerade mal rund 1000 Stationen. Zum Vergleich: Für Benzin und Diesel sind es etwa 17.000. Und das Navigationssystem hilft nicht aus der Zwickmühle. Natürlich sind die CNG-Tankstellen darin verzeichnet, und sobald im Erdgastank die Reserve anbricht, zeigt das System die nächstgelegene Möglichkeit an. Es bleibt aber unklar, ob nun ein komplizierter Umweg über verstopfte Straßen oder bloß ein kurzer Schlenker entlang der Route nötig ist.

Auf der Testfahrt fällt die Entscheidung für die nächstgelegene Tankstelle. Von der fast leeren Autobahn geht es auf die Bundesstraße, direkt in eine lange Kolonne bis in die Stadt. Am Ziel steht eine CNG-Station mit zwei Gaszapfanlagen. Keine davon funktioniert.

Quer durch Deutschland mit 180 km/h und für unter 60 Euro

Es blieb bei diesem einen Frusterlebnis mit dem Audi g-tron. Spätestens nach dem dritten Tankstopp wünscht man sich, nie wieder auf normalen Kraftstoff angewiesen zu sein. Der Grund dafür ist in einem Satz zusammengefasst: Erdgas hat einen höheren Brennwert als Benzin (1,5fach) und Diesel (1,3fach) und kostet gleichzeitig weniger. Stellen Sie sich einfach vor, Sie kaufen in einem Feinkostladen zu Discounterpreisen ein.

Vom Südschwarzwald an die Nordsee sind es mehr als 800 Kilometer, mit vielen Autobahnabschnitten ohne Geschwindigkeitsbegrenzung - und freie Bahn für 180 km/h. Unterwegs wird der Tank dreimal aufgefüllt, jeweils an Tankstellen auf Autohöfen unweit der Autobahn.

Am Ziel werden die Tankrechnungen addiert. Und noch mal addiert. Aber die Zahl auf dem Zettel ist kein Rechenfehler: Unterm Strich stehen nur 60 Euro. Trotz langer Bleifuß-Etappen. Bei 5,8 Kilo pro hundert Kilometer lag der Durchschnittsverbrauch, mit gemächlicherer Fahrweise auf einer anderen Strecke waren es 3,7. Mit einem Benziner wäre die Fahrt um das Doppelte teurer gewesen, mit einem Diesel um ein Drittel.

Eine Fabrik für grünes Gewissen

Bei den Emissionen ist das Einsparpotential mit dem g-tron sogar noch größer - vorausgesetzt, in den Tank wird künstliches Gas gefüllt. Für dessen Herstellung dient das Abfallprodukt Kohlendioxid als Rohstoff. Was der A3 also an CO2 ausstößt, ist zuvor der Umwelt entnommen worden.

Audi macht aus diesem Kreislauf ein grünes Gesamtkonzept, zu dessen Bausteinen neben dem Auto noch eine Fabrik und eine Plastikkarte zählen. Im niedersächsischen Werlte hat der Autohersteller im vergangenen Jahr ein Werk eröffnet, in dem aus Ökostrom, Wasser und CO2 synthetisches Methan gewonnen wird. Für den g-tron bietet Audi eine Tankkarte, mit der an rund 650 CNG-Tankstellen in Deutschland bezahlt werden kann. Die dort getankte Menge an Erdgas wird vom Werk in Werlte wieder ins Netz eingespeist. Für eine monatliche Kartengebühr von 15 Euro können sich g-tron-Fahrer damit ein gutes Gewissen gönnen.

Erdgas- und Dieselmodell kosten fast gleich viel

Fassen wir mal kurz zusammen: Der Erdgas-Audi fährt sich wie ein normaler A3 Sportback, nur viel billiger und umweltfreundlicher. Was spricht also noch für die herkömmlichen Varianten - der Kaufpreis?

Gegenüber dem vergleichbaren Benzinmodell ist der CNG-Audi 2200 Euro teurer und zu dem bei Vielfahrern beliebten Dieselmodell beträgt der Aufschlag gerade mal 200 Euro. Diese Summe ist nach ein paar langen Reisen wieder drin.

Am Ende bleibt bei diesem Auto nur eine Frage offen: Warum wird mit dem 50-Liter-Benzintank so viel Platz verschwendet? Die Hälfte würde reichen, stattdessen wäre mehr Raum für größere Erdgastanks. Ein Audi-Sprecher begründet das Missverhältnis mit der raren Zahl von CNG-Tankstellen in Europa - nur Deutschland und Italien haben eine ausreichende Infrastruktur. Das Argument mag in Hinblick auf die Stückzahlen einleuchten. Trotzdem ist die Entscheidung inkonsequent: Denn der alternative Antrieb ist der größte Trumpf beim A3 g-tron.



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insgesamt 110 Beiträge
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Mannheimer011 08.04.2014
1. Erdgas - Aus auf Freude am Tanken oder wie?
Macht also alle 2 Stunden einen Tankstopp auf der Autobahn...ganz toll für Langstreckenfahrer. Hat jede Autobahntankstelle überhaupt Erdgas oder muss man erst mühsam die Erdgastanke suchen? Für Pendler und Leute die nicht täglich dreistellige Kilometerleistungen abreißen mag Erdgas Sinn machen, aber bestimmt nicht für regelmäßige Langstreckenfahrer.
caspense 08.04.2014
2.
ist das das vielbeschworene Vorsprüngchen vor Technik? Na immerhin einmal EIN neues Konzept im selbsterklärten Premiumsegment
hanka-tsu 08.04.2014
3. optional
Hurra, Audi hat den Gasantrieb erfunden. Vorsprung durch Technik! Oder haben den andere schon lange im Programm?
abu_kicher 08.04.2014
4. Um das doppelte teurer?
Der Preis: 100% Ein Drittel teurer: 133% Um die Hälfte (+50%) teurer: 150% Doppelt so teuer: 200% Um das doppelte (+200%) teurer: 300% Zwei Drittel teurer: 166% Zwei Drittel: 66% Zwei Drittel billiger: 33% Die Hälfte: 50% Halb so teuer: 50% Um die Hälfte billiger: 50%
Mohawk 08.04.2014
5. Keine Neuheit, nur etwas sparsamer
Ich fahre seit 2 Jahren den Fiat Multipla Bipower, 4 Erdgastanks mit insgesamt 36L Volumen und einer Reichweite nur mit Gas von 600-700km. Dazu ein Benzintank mit 35l. Selbst im Ausland wie zum Beispiel Frankreich muß man nur sehr selten auf Benzin zurückgreifen.Und auch der Fiat fährt sich auf Gas wie der Benziner. Die Mehrkosten gegenüber dem Diesel bzw. Benziner sind meiner Ansicht nach zu hoch, wenn die Technik wie bei Fiat angelegt ist benötigt der Umbau nur 4 zusätzliche Einspritzdüsen, Druckregeler, Gastanks und ein modifiziertes Steuergerät. Der motor ist identisch mit dem Benziner.
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