Audi A4 Cabriolet Der Leisetreter

Das Grillfest bei Audi geht weiter: Jetzt bekommt auch das A4 Cabriolet die neue Front mit dem auffälligen Kühlergrill. Neben der neuen Schminke erhielt der offene Viersitzer auch ein paar technische Verbesserungen. Profitieren können die Kunden davon ab Ende Januar.


Audi A4 Cabrio: Der große Kühlergrill prägt nun auch das offene Mittelklassemodell der Ingolstädter

Audi A4 Cabrio: Der große Kühlergrill prägt nun auch das offene Mittelklassemodell der Ingolstädter

Jetzt haben es die Bayern bald geschafft: Anderthalb Jahre nachdem sie bei der Zwölfzylinder-Version ihres Flaggschiffs A8 ihr neues Gesicht gezeigt haben, ziert der auffällige Single-Frame-Kühlergrill mit dem großen Chromrahmen von der Teerdecke bis zur Kante der Motorhaube nun auch das A4 Cabriolet. Einzig das Sportcoupé Audi TT schaut noch aus wie eh und je. Nicht mehr lange, denn im nächsten Jahr wird wohl der TT-Nachfolger auf den Plan treten. Auf der Tokio Motor Show zeigen die Ingolstädter mit der Studie Shooting Brake bereits die ersten Eindrücke des neuen Modells - natürlich ebenfalls mit dem mächtigen Kühlergrillschlund.

Beim offenen A4 hat sich Audi nicht mit ein paar neuen Anbauteilen vorn, den modifizierten Rückleuchten hinten und den neuen Stoffen im Innenraum begnügt. "Auch wenn es auf den ersten Blick nur nach einem Facelift aussehen mag, geht die Modellpflege sehr viel tiefer", sagt Audi-Sprecher Peter Thul. Wie vor Jahresfrist bei Limousine und dem Kombimodell Avant gibt es zur frischen Optik auch ein gründlich modifiziertes Fahrwerk, vier neue Motorvarianten und obendrein ein weiterentwickeltes Stoffverdeck.

Fahrzeugschein
Hersteller: Audi
Typ: A4 Cabriolet
Karosserie: Cabrio/Roadster
Motor: Sechszylinder-Diesel
Hubraum: 2.967 ccm
Leistung: 233 PS (171 kW)
Drehmoment: 450 Nm
Von 0 auf 100: 7,3 s
Höchstgeschw.: 242 km/h
Verbrauch (ECE): 7,9 Liter
CO2-Ausstoß: 206 g/km
Kraftstoff: Diesel
Kofferraum: 315 Liter
umgebaut: 246 Liter
Preis: 45.400 EUR
Unter der Haube finden die Kunden künftig nur noch zwei alte Bekannte: Im Basismodell bleibt es beim 1,8 Liter großen und 163 PS (120 kW) starken Turbomotor. Und beim Spitzensportler S4 kommt auch weiterhin die 4,2 Liter große V8-Maschine zum Einsatz, die ohne Aufladung 344 PS (253 kW) aus den Zylindern schüttelt. Dazu gibt es nun vier Motoren, die in der Audi-Palette zwar schon bekannt sind, im Cabrio aber eine Premiere feiern: Zu diesen gehören ein 2-Liter-Benzindirekteinspritzer mit Turbolader (200 PS/ 147 kW) sowie ein 3,2 Liter großer V6-Motor, der ebenfalls mit Benzindirekteinspritzung arbeitet und 255 PS (188 kW) leistet. Mit einem Drehmoment von bis zu 330 Newtonmeter bietet er mehr Kraft, als im Alltag nötig ist. Wer sie abrufen möchte, kann das Auto in 6,8 Sekunden auf Tempo 100 beschleunigen und wenig später bei geöffnetem Verdeck ausprobieren, ob die Frisur auch bei 250 Sachen noch sitzt. Das A4 Cabrio mit diesem V6-Motor überzeugt auf Anhieb als Sportwagen - und so stellt sich die Frage, ob es wirklich nötig ist, auch einen S4 anzubieten, der zwar nochmals rund 90 PS mehr leistet, dafür aber auch 17.000 Euro mehr kostet.

A4 Cabrio: Schlanke Linie, austrainierte Muskulatur

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Damit wäre die Benziner-Seite geklärt. Weil aber immer mehr Cabrio-Kunden lieber dieseln möchten, bietet Audi für den offenen A4 auch zwei neue Selbstzünder an, die serienmäßig mit Rußpartikelfilter ausgestattet sind. Der kleinere der beiden Dieselmotoren ist der 2-Liter-TDI mit 140 PS (103 kW), einem Drehmoment von 320 Newtonmeter und einer Höchstgeschwindigkeit von 212 km/h. Wer mindestens 45.400 Euro ausgibt, erhält den wirklich famosen Sechszylinder mit drei Litern Hubraum und einer Leistung von 233 PS (171 kW), der auch im Audi-Flaggschiff A8 eine gute Figur macht. Zum Cabrio passt der V6-Diesel wie angegossen. Denn mit einem maximalen Drehmoment von 450 Newtonmeter lässt sich der offene Wagen überaus schaltfaul und entspannt bewegen - auch durch den zähflüssigen Verkehr vor den Toren von St. Tropez, wo Audi das A4 Cabriolet derzeit vorstellt.

Dabei sorgt die dicke Isolierung unter der Motorhaube dafür, dass der Diesel als Leisetreter im Verkehr mitflüstert. Nur wenn der Motor noch kalt oder das Ohr aufmerksam gespitzt ist, kann die Maschine als Dieseltriebwerk enttarnt werden. Und wenn die Straße zwischen St. Maxime und St. Raphael für eine kurze Strecke mal frei ist, genügt ein beherzter Tritt aufs Gaspedal, und der Viersitzer spurtet zügig davon. Seine Bestzeit im Standardsprint von 0 auf Tempo 100 liebt bei 7,3 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit gibt Audi mit 243 km/h an. Der Durchschnittsverbrauch wiederum beträgt 7,9 Liter je 100 Kilometer, und so kommt bei 63 Liter Tankvolumen eine Reichweite von knapp 800 Kilometer zusammen.

Cabrio-Heck: Dank Stoffdach entfällt der Buckel wie bei manchen Stahlklappdach-Konkurrenten

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Wie bei Audi üblich, wächst die Vielfalt durch die Zahl der Getriebe- und Antriebsvarianten. So gibt es das Cabrio mit fünf oder sechs Gängen als Handschalter, mit stufenloser Multitronic und mit Automatikgetriebe. Außerdem können der Zweiliter-Diesel und der Sechszylinder-Benziner auch als Quattro, das heißt mit permanentem Allradantrieb, bestellt werden; beim Modell mit dem großen Dieselmotor und bei der Topvariante S4 ist der Allradantrieb obligatorisch.

Während andere Hersteller auf klappbare Stahldächer umsteigen, hat Audi das Stoffverdeck des A4 überarbeitet. So wurde das automatische Öffnen und Schließen des Daches beschleunigt, es vergehen nun nur noch 21 Sekunden dafür - eine Verbesserung um fünf Sekunden im Vergleich zur bisherigen Konstruktion. Wer nicht einmal so lange anhalten möchte, kann die Taste für die Verdeckfunktion nun auch im fahrenden Auto betätigen: Bis Tempo 30 lässt sich das Stoffdach öffnen oder schließen. Gegen 250 Euro Aufpreis bietet Audi zudem ein spezielles Akustik-Verdeck an, mit dem Lärm- und Wärmedämmung durch zusätzliche Polstermatten zwischen den Stofflagen noch einmal verbessert werden. "Selbst bei 140 km/h hört man auf dem Vordersitz dann keinen Unterschied mehr zwischen Limousine und Cabrio mehr", behauptet eine Audi-Sprecherin.

A4-Cockpit: Hier hat der Cabrio-Fahrer alles im Blick

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Überarbeitet wurden auch Fahrwerk und Karosseriestruktur. Selbst auf schlechten Straßen ist das Cabrio jetzt wirklich ein Vergnügen, weil der Wagen treu der Spur folgt und auch üble Bodenwellen oder Schlaglöcher nicht mit verdächtigen Nebengeräuschen aus den Tiefen des Blechs quittiert. Doch das Vergnügen endet, wenn man den Fehler macht und ein Sportpaket bestellt. Dann ist das Cabrio so straff und hart abgestimmt, dass vom gemütlichen Bummel über den Boulevard keine Rede mehr sein kann. Doch nur weil auch ein Formel-1-Rennwagen kein Dach hat, muss ja nicht aus jedem Alltagscabrio gleich ein Rennwagen werden.

Während Techniker und Designer also ordentlich ans Werk gehen durften, wurden den Marketingleuten vornehme Zurückhaltung auferlegt. Zumindest am Basispreis haben sie kaum gerüttelt. Er beginnt zur Auslieferung Ende Januar bei 33.900 Euro und liegt damit lediglich 100 Euro über dem aktuellen Modell.



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