Audi A5: Ingolstadt Gigolo

Von Jürgen Pander

Bis zum Jahr 2015, tönt Audi-Chef Rupert Stadler, werde man die erfolgreichste Premiummarke weltweit sein. Auf dem Weg zu diesem stolzen Ziel schließen die Ingolstädter nun Lücken im Modellprogramm. Zum Beispiel gibt es jetzt erstmals seit elf Jahren wieder ein Coupé.

Das Design, natürlich! "Es ist das wichtigste Kaufargument von Coupé-Kunden", sagt Jürgen Klaschka aus dem Audi-Produktmarketing. "Mit dem neuen A5 beginnt eine deutlich stärkere Differenzierung unserer Modelle", erklärt Designchef Stefan Sielaff. Und Walter de Silva, kreativer Vater des Coupés und inzwischen oberster Designer des VW-Konzerns, bezeichnet den A5 als "das schönste Auto, das ich je entworfen habe". Widerspruch erscheint da anmaßend, und doch ist es so, dass der A5 nicht aus allen Perspektiven wohlgeraten ist. Von der Seite aus betrachtet etwa wirkt das Heck ziemlich füllig und unentschlossen – umwerfend schön ist es jedenfalls nicht.

Das wiederum ändert nichts daran, dass der 4,63 Meter lange Wagen aus den meisten anderen Blickwinkeln tatsächlich verteufelt gut aussieht. Sportlichkeit und Stil sind präzise ausbalanciert. Und Details wie die aufwendig gestalteten Scheinwerfer mit einem Leuchtband aus je acht weißen LEDs oder die überaus hübschen Räder oder die Fensterumrahmungen aus mattem Chrom zeigen, dass die Designer bei Audi ihr Handwerk beherrschen und mit Hingabe betreiben.

Das Einstiegsmodell kommt erst im Herbst

Ab Mitte Juni wird der A5 bei den deutschen Händlern stehen. Zunächst mit drei Sechszylinder-Motorisierungen, nämlich einem Benziner mit 265 PS und zwei TDI-Aggregaten mit 190 und 240 PS. Außerdem ist vom Start weg auch das Topmodell S5 verfügbar, dessen 4,2-Liter-V8-Motor mit 354 PS antritt und der mindestens 55.900 Euro kosten wird. Die Einstiegsvariante mit Vierzylinder-Benzinmotor und 170 PS will Audi dann im Herbst nachschieben und für dieses Auto dann rund 33.000 Euro verlangen.

Während der Fahrvorstellung des neuen Modells, die in diesen Wochen in Verona stattfindet, spürt man die Neugier der Audi-Ingenieure auf erste Kommentare, wie der A5 denn so ankomme. Denn das Auto ist ja nicht nur als Fotomodel gedacht, sondern besitzt ein komplett neues Fahrwerk mit besonders aufwendiger Vorderachskonstruktion und einer neu entwickelten Lenkung. Der erste Eindruck nach einer Fahrt mit dem frontgetriebenen 3.2 FSI: Ein ausgesprochen eleganter, ruhiger, smarter Gleiter, ein Gran Turismo im besten Sinne. Die Lenkung ist überaus leichtgängig, das Handling des Autos erfordert keinerlei besonderes Gespür.

Ganz anders der Charakter des S5. Der Motor macht viel mehr Krawall, das Sportfahrwerk ist beinahe schon ruppig, die 440 Nm packen dramatisch zu und der serienmäßige Allradantrieb hat in hurtig gefahrenen Kehren Mühe. Dann schiebt der A5 ungeniert über die Vorderräder, aber das sei so gewollt, sagen die Fahrwerksentwickler. "Im Zweifel untersteuern", lautet das Motto bei Audi.

Sportlichkeit ja, aber nicht um jeden Preis

Der A5, dieses Bemühen ist deutlich zu spüren, sollte bei aller Kraft der Motoren kein Sportwagen werden. Vielmehr geht es Audi um Kunden, denen Limousine oder Kombi zu brav sind, die aber auch nicht in der Rolle des ewigen Posers wahrgenommen werden möchten. Typische Coupéfahrer wollen natürlich frisch und sportlich rüberkommen, aber eben nicht auftrumpfend oder gar aggressiv. Sie werden, das nötige Kapital vorausgesetzt, im A5 genau richtig sitzen. Zumal sich auch das Interieur peinliche Anspielungen an den Rennsport verkneift – vom Start-Stopp-Knopf für den Motor einmal abgesehen, aber man muss den so genannten "Advanced Key" (Aufpreis 615 Euro), der die Taste nach sich zieht, ja nicht extra bestellen.

Die Serienausstattung ist, gemessen an dem, was deutsche Premium-Hersteller sonst so ihren Modellen ab Werk mitgeben, beim A5 recht ordentlich: Sechs Airbags, ESP und ABS, 17-Zoll-Leichtmetallfelgen, Lederlenkrad, Bordcomputer, Xenonlampen sowie Klimaanlage sind stets an Bord. Darüber hinaus ist die Rückenlehne der Fondsitzbank geteilt und lässt sich umklappen - auch mit Hilfe eines Hebels vom Kofferraum aus. So vergrößert sich das Ladevolumen des Gepäckabteils von 455 auf 829 Liter. Und für die Modelle mit Sechsgang-Handschaltung gibt es eine Schaltanzeige, die beim Spritsparen hilft. Dies ist Audis Beitrag im A5 zur Minimierung des Verbrauchs und der Abgase - sofern der Fahrer die Schaltanzeige nicht ausknipst.

Bereit für "unterschiedliche Antriebskonzepte"

Überhaupt ist bei der Fahrvorstellungen unterschwellig immer auch die aktuelle Verbrauchs- und Abgasdiskussion zu bemerken. Ja, räumt ein Techniker ein, mit 207 Gramm CO2 pro Kilometer im Schnitt sei der 3,2-Liter-Benziner nicht gerade ein Aushängeschild in Sachen Schadstoffemission. Aber, so fügt er an, das größte Potenzial zur Verringerung des Abgasausstoßes stecke im Gasfuß des Fahrers. Audi-Entwicklungsvorstand Michael Dick, der per Einspielfilm auf der Pressekonferenz zugegen ist, teilt beiläufig mit, der A5 sei das erste Auto von Audi überhaupt, das von vornherein "auf unterschiedliche Antriebskonzepte ausgelegt" sei.

Auf Nachfrage, was das zu bedeuten habe, erhält man vage Auskunft, dass genug Raum vorhanden sei, um beispielsweise auch einen Hybridantrieb unterzubringen. Und auch eine Erweiterung auf Gas- oder Ethanolantrieb sei "rein technisch" kein Problem mehr. Der A5 könnte also noch zum Überraschungs-Modell von Audi werden.

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Fahrzeugschein
Hersteller: Audi
Typ: A5 3.2 FSI
Karosserie: Sportwagen/Coupé
Motor: V6-Benzin-Direkteinspritzer
Hubraum: 3.197 ccm
Leistung: 265 PS (195 kW)
Drehmoment: 330 Nm
Von 0 auf 100: 6,6 s
Höchstgeschw.: 250 km/h
Verbrauch (ECE): 8,7 Liter
CO2-Ausstoß: 207 g/km
Kraftstoff: Superbenzin
Kofferraum: 455 Liter
umgebaut: 829 Liter
Versicherung: 16 (HP) / 25 (TK) / 23 (VK)
Preis: 44.000 EUR
Fotostrecke
Audi A5: Eine Lektion in Lebensart


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