Audi A6 Avant Lautsprecher im Auspufftopf

Leitende Angestellte haben jetzt ein neues Ziel, für das es sich zu arbeiten lohnt: In einigen Wochen tritt Audi mit dem neuen Modell des A6 Avant an. Ein bisschen geräumiger, leichter und sparsamer - und außerdem mit einem bärenstarken Dieselmotor.

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Manager sind vernünftige Leute. Das gilt natürlich auch, wenn es um die Wahl ihres Geschäftswagens geht. Okay - ein bisschen Repräsentation muss sein, Komfort und ein leistungsfähiger Motor auch. Und natürlich genügend Stauraum, damit auch die Familie nicht zu kurz kommt. BMW hat dafür den Fünfer Touring im Programm, Mercedes das T-Modell der E-Klasse. Und Audi den A6 Avant.

Mehr als 60 Prozent der A6-Käufer in Deutschland entscheiden sich für die Kombivariante, in anderen europäischen Ländern ist dieser Prozentsatz sogar noch höher. 1977 boten die Ingolstädter die gehobene Baureihe erstmals mit großem Laderaum und Heckklappe an; seither wurden von Audi mehr als 1,2 Millionen Kombimodelle in dieser Klasse verkauft.

An den Erfolg soll der Neue jetzt anknüpfen, besser noch: ihn übertreffen. Rein optisch bringt er dafür gute Voraussetzungen mit. Ebenso wie die Stufenheckvariante wirkt der neue Kombi aufgrund der unveränderten Länge von 4,93 Meter bei einem gleichzeitig um sieben Zentimeter gestreckten Radstand deutlich eleganter. Auch das neue Heck wirkt ausgesprochen gelungen, auch wenn der dynamischen Linie ein Teil des Ladevolumens zum Opfer fiel. Doch angesichts der schieren Größe des Oberklasse-Kombis geht nichts Wesentliches verloren.

Kombiaufpreis als Geldanlage

Hinzu kommt, auch das eine Parallele zur Limousine, eine gestiegene Effizienz der Antriebstechnik. Weil der neue Kombi um 70 Kilo leichter wurde als das Vorgängermodell, weil die Motoren erneuert oder optimiert wurden, und weil serienmäßig eine Start-Stopp-Automatik sowie eine Bremsenergie-Rückgewinnung an Bord ist, wurde der Avant in manchen Versionen um gut 20 Prozent sparsamer. Die genügsamste Variante kommt mit 5,0 Liter Durchschnittsverbrauch (nach ECE-Norm) aus.

Der Avant kostet etwa 2300 Euro mehr als das jeweilige Stufenheckmodell aber das Geld ist gut angelegt, nicht nur weil der Wiederverkauf erfahrungsgemäß höher ausfällt. Der Kofferraum fasst 565 Liter und bietet eine mit 63 Zentimetern Höhe angenehm niedrige Ladekante. Der Ladeboden ist eben, die Seitenwände sind plan verkleidet und ein paar nützliche Dinge gehören zur Standard-Ausstattung: Die Schienen zum Beispiel, in denen man je nach Bedarf die vier Zurr-Ösen versetzten kann, sind ebenso serienmäßig wie die Dachreling, das Extrafach im Untergrund des Laderaums oder das Gepäckraum-Rollo, das zugleich mit der Kofferraumklappe nach oben schwingt.

Gegen Aufpreis kann der Wagen zum Lademeister aufgerüstet werden. Im Angebot sind eine praktische Teleskopstange zur Ladungssicherung, ein Skisack oder eine elektrisch aufschwingende Heckklappe. Für 1340 Euro extra wird der Kombi sogar zum Zauberkünstler: Weil unter der hinteren Stoßstange ein Sensor angebracht ist, genügt ein angedeuteter Fußtritt unters Auto, um die Heckklappe automatisch aufschwingen zu lassen. Wer voll bepackt mit Tüten und Taschen noch auf einem Bein stehen kann, wird das genießen wie Ali Baba das "Sesam Öffne Dich". Die Technik ist übrigens vom VW Passat Variant bekannt.

Großer Laderaum, aber keine komplett ebene Ladefläche

Wem 565 Liter Volumen und 1,18 Meter Ladelänge nicht genügen, der kann natürlich die Rücksitzlehnen umlegen. Dann stehen 1680 Liter und ein fast zwei Meter tiefer Stauraum zur Verfügung. Die Verwandlung geht inzwischen sogar ausgesprochen leicht von der Hand, weil dafür ein Hebel unterhalb des hinteren Seitenfensters genügt, der in Griffweite liegt. Anders als bei den Konkurrenzmodellen ist die Rücksitzlehne allerdings lediglich zwei- und nicht dreigeteilt, und völlig eben ist die Ladefläche auch nicht.

Avant-Kunden werden von Audi gerne gesehen. Sie seien im Schnitt fünf Jahre jünger als die Käufer einer Limousine, und sie greifen besonders gerne zu aufpreispflichtigen Extras, heißt es. Genau wie die Limousine bietet der Avant dafür jede Menge Möglichkeiten - vom Massagesitz bis zum LED-Scheinwerfer, von der Google-Navigation bis zur Verkehrszeichenerkennung, vom Panoramadach bis zur Luftfederung. Nachteil: jedes dieser Gimmicks kostet viel Geld - wer ungehemmt bestellt, kann den Preis des Autos mühelos auf das Doppelte treiben. Und das gilt nicht nur für das Basismodell, das mit dem kleinsten Diesel 40.850 Euro und mit dem schwächsten Vierzylinder-Benziner (der später das Angebot ergänzen wird) etwa 38.350 Euro kostet.

Auch das vorläufige Topmodell, die stärkste Dieselvariante zum Preis von 58.250 Euro ist noch nicht annähernd voll ausgestattet. Interessant an diesem Auto ist vor allem der Motor, es handelt sich nämlich um den neuen Spitzen-Selbstzünder von Audi. Die Maschine verfügt, wie die anderen V6-Motoren auch, über 3,0 Liter Hubraum, und zugleich über zwei in Reihe geschaltete Turbolader, mit denen die Leistung auf 313 PS und das maximale Drehmoment auf gewaltige 650 Nm steigt.

Klang-Protzerei durch Lautsprecher im Auspuff

Bei niedrigen Drehzahlen ist nur der kleine Lader aktiv, der schneller auf Touren kommt. Im mittleren Drehzahlbereich laufen beide Turbomodule, und jenseits von 3800 Umdrehungen sorgt der große Lader allein für den Druck. Das garantiert eine spontane und gleichmäßige Kraftentfaltung. Egal bei welchem Tempo das Gaspedal gedrückt wird, der Wagen reagiert unmittelbar - und zwar nach Art einer Dampflok. Der Beschleunigungsvorgang an sich wirkt vollkommen unspektakulär, lediglich untermalt von sattem Motorgebrabbel. Lediglich die Kraft, mit der man in die Sitze gedrückt wird, lässt die Brachialgewalt, die dahinter steckt erfühlen. Den Sprint von 0 auf 100 schafft das Auto in 5,3 Sekunden. Beim Überholen auf der Landstraße ist man ruckzuck am Vordermann vorbei, und auf einer freien Autobahn lernt man, dass 250 km/h ein eher willkürliches Limit sind.

Damit der Diesel auch sportlich klingt, wurden eigens zwei Lautsprecher in den Endtopf des Auspuffs montiert. Deren Sound überlagert Störgeräusche und gibt dem V6 einen beinahe so satten Klang wie man ihn von einem Achtzylinder kennt. Nach der Norm kommt der grundsätzlich mit Allradantrieb und Achtgang-Automatik bestückte Topdiesel dabei mit 6,4 Liter Sprit je 100 Kilometer aus. Bei unserer Testfahrt jedoch kletterte die Anzeige auf dem Bordcomputer rasch ins Zweistellige.

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Rudolf_56 21.07.2011
1. Spiegelleser fahren mehrheitlich A6
Zitat von sysopLeitende Angestellte haben jetzt ein neues Ziel, für das es sich zu arbeiten lohnt: In einigen Wochen tritt Audi mit dem neuen Modell des A6 Avant an. Ein bisschen geräumiger, leichter*und sparsamer - und außerdem mit einem bärenstarken Dieselmotor. http://www.spiegel.de/auto/fahrberichte/0,1518,775407,00.html
Diverse Autozeitschriften oder das Blödelfernsehen hätten den Testbericht kaum besser machen können. Und wer bekommt jetzt das ach so umweltbewusste, eher unzeitgemäße Testfahrzeug im Hause Spiegel?
Dette 21.07.2011
2. Naiv
Meinen sie allen Ernstes, dass 70kg Gewichtseinsparung den Kohl fett machen und realistisch zur Spriteinsparung beitragen? Kappes Der Wagen an sich ist schon schön...
FoxhoundBM 21.07.2011
3. ...
Wer mal Range Rover TDV8 bzw. TDV6 gefahren ist, weiß, dass man Dieselmotoren auch ohne Lautsprecher einen netten Sound verpassen kann.
vantast64 21.07.2011
4. Wirklich Lautsprecher im Auspuff?
Um noch mehr Lärm zu machen (vermutlich) oder Lärm durch Kompensation zu verringern (weniger wahrscheinlich). Autoingenieure lieben Lärm. Aber vornehme Autos, wie der RR, sind leise, ihre Kundschaft braucht kein Gedöns.
c.PAF 21.07.2011
5.
"Damit der Diesel auch sportlich klingt, wurden eigens zwei Lautsprecher in den Endtopf des Auspuffs montiert. Deren Sound überlagert Störgeräusche und gibt dem V6 einen beinahe so satten Klang wie man ihn von einem Achtzylinder kennt." Ich bin jetzt echt unsicher: das ist doch ein Scherz, oder?
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