Audi A8: Lulatsch der Oberklasse

Von Tom Grünweg

Das neue Flaggschiff von Audi ist gespickt mit Hightech und soll den Konkurrenten BMW 7er und Mercedes S-Klasse auf die Pelle rücken. Das Design wirkt gelungen - die Motoren sind allerdings etwas angestaubt, und beim Thema Leichtbau folgt die große Ernüchterung.

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Audi A8: Das neue Schwergewicht
Schon die Premierenparty für den neuen Audi A8 war eine Provokation für die Konkurrenz. Während die meisten Hersteller sparen müssen und ihre Autos neuerdings lieber in Deutschland präsentieren, stellte die VW-Tochter ihr neues Flaggschiff am Rande einer Kunstmesse in Miami vor, nach dem Motto: Geldsorgen haben die anderen, aber wir nicht.

Die Marke aus Ingolstadt möchte Mercedes und BMW nicht nur in Sachen Werbebudget, sondern auch auf der Straße in Zukunft gern zeigen, wo es langgeht. Anders gesagt: Der neue Audi A8 soll dem BMW 7er und der Mercedes S-Klasse den Rang ablaufen. Bevor Ende März die ersten Kunden zu Preisen ab zunächst 89.300 Euro das neue Modell bekommen, saß SPIEGEL ONLINE bereits am Steuer.

Zunächst fällt auf, dass der A8 beim Generationswechsel deutlich gewachsen ist und mit jetzt 5,14 Meter Länge den Lulatsch in der Oberklasse gibt. Dennoch wirkt der Wagen bei der ersten Testfahrt ausgesprochen handlich. Und bequem: Man sitzt weich und tief in Ledersesseln. Während der Achtzylinder säuselt, die neue Achtgang-Automatik diskret die Fahrstufen wechselt und die Luftfederung den Schlendrian der Straßenbauer ausbügelt, pegelt sich beim Fahrer der Ruhepuls ein. So muss ein Auto für Kilometerfresser gebaut sein.

Verlässt man die Autobahn und wechselt im sogenannten Drive-Select-Menü die Einstellung von Komfort auf Dynamik, zeigt der A8 ein anderes Gesicht. Die Federn werden steifer, die Drehzahl schnellt in die Höhe, die Gangwechsel erfolgen schneller, und die Lenkung wird direkter. Es wirkt, als schüttele das Dickschiff auf Knopfdruck einige Zentner ab. Audi-Chef Stadler schwärmt prompt von der "sportlichsten Limousine dieser Klasse", aber das ist dann doch ein bisschen übertrieben.

Dass sich der Wagen wie mit dem kleinen Finger fahren lässt, gilt durchaus im wörtlichen Sinn. Denn hinter dem Schaltknauf, der wie der Schubregler eines Jets geformt ist, steckt ein Touchpad. Statt Navigationsziele etwa per Drehknopf zu buchstabieren, können sie hier per Finger aufgeschrieben werden.

Viele Assistenzsysteme, feines Interieur, konventioneller Antrieb

Das ist nicht der einzige Hightech-Schnickschnack an Bord des Oberklasse-Wagens. Erstmals werden im A8 LED-Scheinwerfer in der Großserie angeboten. Außerdem zieht Audi bei allen anderen Assistenzsystemen mit der Konkurrenz gleich, will heißen: Auch der A8 bietet nun Tot-Winkel-Überwachung, Nachtsichtsystem, Verkehrsschild-Erkennung und einen Tempomat, der bei einer drohenden Karambolage automatisch eine Vollbremsung vollführt.

Obwohl der A8 bis unters Dach vollgestopft ist mit Technik, wirkt der Fahrerplatz erfreulich reduziert - und es stellt sich die Frage, warum Audi bei der Gestaltung des Innenraums eine halbe Klasse besser ist als Mercedes oder BMW.

Die Ausstattung ist hochmodern, der Antrieb des neuen A8 vorerst konventionell. Eine Hybridvariante zeigt Audi Anfang März auf dem Autosalon in Genf nur als Studie, und die beiden 4,2-Liter-V8-Motoren der Startausstattung trieben bereits das Vorgängermodell an. Allerdings wurden beide Maschinen überarbeitet. So legt der V8-Benziner um 22 auf 372 PS zu, währen der Verbrauch um 1,4 Liter auf nun durchschnittlich 9,5 Liter sinkt. Beim V8-Diesel ist die Entwicklung noch deutlicher: statt zuvor 326 PS und 9,4 Liter Verbrauch stehen nun 350 PS und 7,6 Liter im Datenblatt. Zudem klettert das maximale Drehmoment um 150 auf 800 Nm.

In ein paar Monaten kommt der etwas zahmere V6-Motor für den A8

Wem die Achtzylinder-Varianten zu opulent sind, der muss auf den Sommer warten und damit auf den A8 mit V6-Dieselmotor. Mit ihm sinkt der Einstandspreis auf 72.200 Euro; dazu liegt der Verbrauch auf bescheidenen 6,6 Liter und der CO2-Ausstoß bei 174 g/km. Inklusive ist auch eine Start-Stopp-Funktion, die Audi als erster Hersteller mit einer Achtgang-Automatik kombiniert und die später auch für die V8-Modelle verfügbar sein soll.

Verzicht muss man bei der Wahl des V6-Modells eigentlich nicht üben. Denn auch 250 PS und 550 Nm sind allemal genug. Zwar brummt der TDI ein wenig lauter, und die Automatik muss öfter schalten, doch bis zur elektronisch begrenzten Höchstgeschwindigkeit von 250 km/h rast auch dieser A8. Geplant ist darüber hinaus eine gedrosselte Version dieses Typs mit Frontantrieb, 205 PS, einem Verbrauch von 6,0 Liter und einem CO2-Ausstoß von 159 Gramm je Kilometer.

Also alles richtig gemacht in Ingolstadt? Leider nicht ganz. Ausgerechnet in der Audi-Paradedisziplin, dem Leichtbau, bietet der Neue nichts. Obwohl Entwicklungschef Michael Dick seit Monaten von der Umkehr der Gewichtsspirale spricht, verfehlt der A8 dieses Ziel.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 45 Beiträge
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1. Autsch...
1ne2wo3hree 03.02.2010
...wer hat denn bloß diese Scheinwerfer im Aftermarket-Pimp me furious-Style verbrochen? Zumal sie zum sonstigen Stil des A8 nicht die Bohne passen.
2. Gibt es Schamesröte auch in Metallic?
Coldfinger 03.02.2010
öhm, ihr Autobauer der Oberklasse, sagt mal: Sitzen hinter den dicken Volants nur Analphabeten und Führerscheingewinner? Wenn der fortschrittliche Anspruch sich auf Pseudo-Innovationen wie eine Verkehrschild-Erkennung beschränkt, kann man von einem Hersteller wirklich keine interessanten Impulse mehr erwarten. Mit Verlaub: Ich würde mich schämen, in solch einem Auto zu fahren!
3. Ein langer Weg für Audi ..
seinedudeheit 03.02.2010
.. vom Onkelauto in den 80ern bis zur Außendienstlermanta. Es erschließen sich aber ganz neue Geschäftsfelder für den Zubehörhandel - seriöse Scheinwerfer, den 'lieben Blick' ;-)
4. Billig-Grill
reinhard_m 03.02.2010
Der Grill ist schlimm. Sowas übertrieben proletenhaftes paßt nicht zu einer Käuferschicht, die Wert auf Stil, dezentes Auftreten, ja Understatement legt. Mit einem weniger krawalligen Grill sähe das Fahrzeug wesentlich besser aus.
5. -
kulturphänomen 03.02.2010
gibt es eigentlich keine neueren modellschöpfungen mehr ohne diese aggressiven 'gesichter' für möchtegerntypen ? als seriösem menschen bleiben einem bald nur noch oldtimer ...
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Fahrzeugschein
Hersteller: Audi
Typ: A8 3.0 TDI
Karosserie: Limousine
Motor: Sechszylinder-Diesel
Getriebe: Achtgang-Automatik
Antrieb: Allrad
Hubraum: 2.967 ccm
Leistung: 250 PS
Drehmoment: 550 Nm
Von 0 auf 100: 6,6 s
Höchstgeschw.: 250 km/h
Verbrauch (ECE): 6,6 Liter
CO2-Ausstoß: 174 g/km
Kofferraum: 510 Liter
Versicherung: 23 (HP) / 30 (TK) / 28 (VK)
Preis: 72.200 EUR

Schnellcheck

Audi A8

Einsteigen: ...weil kaum ein anderes Auto so viel Technik und eine so einfache Bedienung bietet. Zudem ist der Verbrauch ok.

Aussteigen: ...wegen des hohen Gewichts trotz Alu-Karosserie und weil das Design, bis auf die Leuchten, austauschbar ist.

Umsteigen: ...aus Mercedes S-Klasse und BMW 7er. Oder aus Jaguar XJ sowie den Audi-Typen A6 und Q7.


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