Fahrbericht Audi Q2 1.0 TFSI Kleiner Streber

Von der geringen Größe des Q2 sollte man sich nicht täuschen lassen: Audi hat es hingekriegt, seinen ganzen Markenkern in den Mini-SUV zu pressen - inklusive aller Vorzüge und Unzulänglichkeiten.

Jürgen Pander

Von Jürgen Pander


Auf Seite 50 im Werbekatalog zum Q2 trägt Audi so richtig dick auf: Ein großes Foto zeigt den Mini-SUV an einem See in Skandinavien, passgenau am Heck des Wagens ist ein aufblasbares Campingzelt angebaut (das Extra kostet 1390 Euro). Die Botschaft: Noch nie war ein Audi so unkonventionell, unangepasst und unerwartbar. Der Eindruck, wenn man das Auto zuvor gefahren ist: Unfug - eher trifft das Gegenteil zu.

Das fängt mit dem Design an. Breiter Kühlergrill, glatte Flächen, stämmiger Auftritt, akribisch gestaltete Leuchten, sowie - quasi als Essenz der reduzierten Formensprache - eine abgekantete Partie oberhalb der Türgriffe: Der Q2 sieht aus, wie alle SUVs von Audis aussehen. Nur eben kleiner. Mit exakt 4,19 Metern ist er rund 20 Zentimeter kürzer als der nächstgrößere Audi Q3, dazu etwa drei Zentimeter schmaler und zehn Zentimeter niedriger.

Audi nennt den Kühlergrill übrigens "oktogonalen Singleframe" und die Kante an der Seite "polygonale Fahrzeugschulter". Diese Bezeichnungen klingen so steril und ernst wie die Bauteile aussehen, was natürlich in Ordnung geht: Denn so ist diese Marke nun mal. Die Autos aus Ingolstadt sind geradlinig und versprechen eine verlässliche und hochentwickelte Technologie. Audi steht für Perfektionismus einerseits und streberhafte Langeweile andererseits. Das alles findet sich im Q2 wieder, in komprimierter Form.

Fotostrecke

12  Bilder
Audi Q2: Oktogonal? Polygonal? Ach, egal

Audi bietet den Q2 mit zwei Benziner-Varianten (116 und 150 PS) und drei Dieselmotorisierungen (116, 150, 190 PS) an. Wir fuhren den 1.0 TFSI, einen Fronttriebler mit Sechsgang-Schaltgetriebe. Im Motorraum brummelte ein 1-Liter-Dreizylinder mit Benzindirekteinspritzung, Turboaufladung und 116 PS Leistung. Wer den Q2 als Langstreckenauto nutzen möchte, wird sicher nicht zu diesem Aggregat greifen, aber als Antrieb für ein überwiegend im Stadtverkehr bewegten Mini-SUV ist es absolut okay.

Der Durchschnittsverbrauch lag bei 5,9 Litern je 100 Kilometer, das ist nicht allzu weit entfernt vom offiziellen Wert von 5,1 Litern und insofern schon mal gut. Der Motor ist seiner Größe entsprechend unspektakulär, auffallend agil ist dagegen die Lenkung. Dahinter steckt ein technischer Kniff: Je mehr man das Steuer einschlägt, desto direkter reagiert die Lenkung. Andere Hersteller bieten diese elektronische Unterstützung ebenfalls an, oft entsteht dabei aber ein merkwürdig künstliches Gefühl beim Steuern - so, als ob sich das Volant verselbstständigt. Beim Q2 vermittelt die Hilfe dagegen ein sehr präzises Lenkgefühl.

Überhaupt wirkt das Fahren in dem Mini-SUV vor allem: unaufgeregt und präzise - und damit sehr angenehm. Dank seiner Abmessungen lässt der Wagen zum Beispiel eine gute Sicht auf die Fahrzeugumgebung zu. Wer einen noch kompakteren Audi mag, muss mit dem A1 Vorlieb nehmen, aber mit dem Kleinwagen ist der Q2 nun wirklich nicht vergleichbar: Stattdessen bietet er sogar mehr Kofferraumvolumen als ein A3, obwohl er ein Stück kürzer ist. Gleichzeitig sitzt man im Vergleich zum A3 auch einen Tick höher. Unter die Heckklappe des Q2 passen 405 Liter. Umklappen lassen sich die im Verhältnis 60:40 geteilten Rücksitzlehnen natürlich auch, dann steigt das Ladevolumen auf 1050 Liter.

Jürgen Pander

An Ausstattungsmöglichkeiten herrscht ebenfalls kein Mangel. Serienmäßig an Bord sind unter anderem eine Klimaanlage (samt diesem Audi-Klimaregler mit dem spezifischen Einrastgefühl, das eine haptische Glanzleistung ist - und nicht mal eine komische oktopolynale Bezeichnung trägt), ein höhenverstellbarer Fahrersitz sowie ein zentrales 8,3-Zoll-Farbdisplay.

Gegen Aufpreis gibt es zum Beispiel ein Head-up-Display (600 Euro), einen Tempomat (200 Euro) oder das digitale Cockpit (650 Euro) samt Navigationssystem, Sprachsteuerung und WLAN-Hotspot (1420 Euro). Man kann den Wagen also ganz nach den persönlichen Vorlieben ausstatten, wobei man dann natürlich weit jenseits des Basispreises von 22.900 Euro landen wird.

Werfen Sie einen Blick in den Innenraum des Audi Q2 - mit unserem 360-Grad-Foto:

Anbauzelt und Seeromantik von Seite 50 des Katalogs hin oder her: Der Q2 ist nicht unkonventionell, sondern ein klassischer Audi-Streber. Für den Preis eines einigermaßen ordentlich ausgestatteten Exemplars erhielte man größere SUV-Modelle anderer Hersteller. Und wer einen billigeren SUV im Q2-Format sucht, wird zum Beispiel beim Renault Capture fündig. Aber: Ein Mini-SUV mit den oben genannten Vorzügen und derartiger Reife bietet eben nur Audi.

Ein Automobiljournalist aus Österreich attestierte dem Wagen kürzlich einen Mangel an "schiefer Liebenswürdigkeit" - das trifft es recht gut. Obwohl, eine Ausnahme gibt es da vielleicht: Und zwar die sogenannten Blades an der C-Säule. Erstmals aufgetaucht sind diese Karosserieelemente bei Audi am Sportwagen R8, wo sie als Verkleidung für den Lufteinlass des Heckmotors dienen. Beim Q2 haben sie dagegen ausschließlich eine dekorative Funktion.

Ein Bauteil, das seine Daseinsberechtigung vor allem als buntes Kontrastmittel verdient? Bei Audi grenzt das fast schon an Selbstironie.

Fahrzeugschein
Hersteller: Audi
Typ: Q2 1.0 TFSI
Karosserie: SUV
Motor: Dreizylinder-Bezindirekteinspritzer-Turbo
Getriebe: Sechsgang-Schaltgetriebe
Antrieb: Front
Hubraum: 999 ccm
Leistung: 116 PS
Drehmoment: 200 Nm
Von 0 auf 100: 10,1 s
Höchstgeschw.: 197 km/h
Verbrauch (ECE): 5,1 Liter
CO2-Ausstoß: 117 g/km
Kofferraum: 405 Liter
umgebaut: 1.050 Liter
Gewicht: 1.280 kg
Maße: 4191 / 1794 / 1508
Preis: 22.900 EUR
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insgesamt 124 Beiträge
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Seite 1
dirk1962 09.08.2017
1. Spielzeugmotor?
Kann man mit so was wirklich ein Auto bewegen? Ich persönlich würde so eine Peinliche IT von Motor nicht einmal im Motorrad akzeptieren. Und fährt damit dann fast 200? Wie lang muß es denn dafür bergab gehen? Bei allem Verständnis für die Probleme des VW Konzerns, mit solchen Motörchen wird das nichts.
schlauchschelle 09.08.2017
2. Wer hat denn da das Armaturenbrett entworfen?
Das sieht aus wie "Hmm, da liegen noch paar Luftdüsen aus einem MAN-Truck im Lager, nehmen wir die...oh, das Navi, warte, das Tablet drauf-fertig". Genau so unästethisch wie in aktuellen kleinen MB-Wagen. Die Front der Audis ist seit Jahren eingeschlafen und belanglos, lediglich die Leuchten werden "akribisch" verschlimmbessert. Wenn man schon, Zitat -""oktogonalen Singleframe" und "polygonale Fahrzeugschulter"" erfinden muss, um die Ideenlosigkeit der Automobilindustrie zu kaschieren, ist man mit seinem Latein am Ende. Nunja, wem es gefällt. Es gibt bestimmt jede Menge Michels, welche dermaßen scharf darauf sind, "Premium" zu fahren, dass sie völlig überteuerte KdF-Teile kaufen :D
frankfranic 09.08.2017
3.
Der Benzindirekteinspritzer wird die selben Probleme bekommen, die der Diesel jetzt hat. Na ja, dann können wir uns ja auf die nächste "Umweltprämie" freuen :-)
Alfa1989 09.08.2017
4. Polo
Am schlimmsten sind die Polo Rückleuchten, aber auch der für den Preis miese Materialmix ist nicht berauschend. Premiumpreis für ein wenn überhaupt durchschnittliches Produkt. Und nur 5,9l Verbrauch? Da ist wohl jemand nur bergab gefahren.
torpedo-of-truth 09.08.2017
5.
Schon wieder so ein SUV Müll? Wie verzweifelt muss man eigentlich sein um solch einen Hausfrauenpanzer zu fahren? Die Dinger sind weder schön noch praktisch. Mein alter Golf V hat einen größeren Kofferraum als ein Q5 und ist kein aufgeblasenes wichtigtuer Teil. Ich gehe davon aus das 99,9% der SUV Fahrer mit ihrem Fahrzeug noch nie unebenes Terrain befahren haben oder Off-Road waren. Sich immer über die USA aufregen, aber diesen SUV Trend voll mitmachen.
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