Vorstellung Audi Q8 Der soll es richten  

Im Kampf um Kunden mit BMW und Mercedes ist Audi zuletzt ins Hintertreffen geraten. Der nun in China präsentierte Q8 soll die Wende schaffen - doch der Hoffnungsträger kommt ganz schön schräg.

Audi

Aus Shenzhen berichtet


Es ist noch gar nicht lange her, da war Audi in der automobilen Oberklasse ein Nobody. Vor exakt 25 Jahren debütierte der A8, eine erstaunliche Erfolgsgeschichte begann.

Dummerweise hat die nach dem Höhenflug in den Neunzigerjahren und um 2000 herum zuletzt arg an Glanz eingebüßt. Die Gründe dafür sind vielfältig:

  • Schnelle Wechsel auf dem so wichtigen Posten des Entwicklungsvorstands
  • damit verbunden eine dramatisch verzögerte Modellplanung
  • kein wirkliches E-Auto-Konzept
  • ein gleichförmiges Design
  • und dann noch der Dieselskandal

So hat Audi den Kurs und den Anschluss an die Konkurrenz von BMW und Mercedes verloren. Doch nun will Audi zurück zu guten Zeiten - wieder mit einem Modell namens 8, diesmal mit dem SUV Q8. Vor vielen Hundert Gästen zog Audi-Chef Rupert Stadler das Tuch vom Q8. China ist für Audi - wie für alle anderen Premium-Marken - längst der größte Einzelmarkt der Welt.

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Vorstellung Audi Q8: Schräg zum Erfolg

Die Hybridisierung fällt überschaubar aus

"Vor 25 Jahren haben wir mit dem A8 das Premium-Segment neu betreten, jetzt ist es der Q8, der das neue Premium definiert," sagt Marketing-Chef Fermin Soneira Santos und lenkt den Blick auf einen SUV von gewaltigen 4,99 Metern, dem ein flaches Dach und ein angeschrägtes Heck mit einer D-Säule im Stil des Ur-Quattro die optische Schwere nehmen sollen. Der Q8 sei nicht nur ein großer und luxuriöser SUV, sagt Santos. Sondern er stehe für die großen Themen bei Audi: Nachhaltigkeit, Digitalisierung und Urbanisation. Nicht umsonst seien alle Modelle Mildhybride, hätten ein innovatives Cockpit und bis zu 39 Assistenten, mit denen man den immer dichteren Verkehr in immer größeren Städten meistern könne. Doch die Hybridisierung fällt überschaubar aus. Der Q8 kann keinen Meter rein elektrisch zurücklegen, sondern besitzt lediglich einen 48-Volt-Startergenerator, mit dem der Wagen im Alltag etwa 0,7 Liter Sprit sparen soll.

Audis Konzept ist nicht ganz neu. Im Gegenteil: Der Q8 ist eine ziemlich späte Antwort auf den überraschenden Erfolg des BMW X6 und das nicht minder gut verkaufte Coupé des Mercedes GLE, räumt selbst Designer Marc Lichte ein. Doch der Designchef sagt, sein Team habe für den Q8 eine andere Linie gefunden als die Konkurrenz, die mit den einzigen rahmenlosen Türen in der Klasse konsequenter ist. Innen reichte der Platz sogar für eine verschiebbare Rückbank . Zudem sei die Beinfreiheit größer als in einer stattlichen Limousine. Und während man das imposante LED-Band am Heck schon von den neuen Oberklasse-Modellen kennt, ist der Oktagon-Grill mit dem achteckigen Rahmen um den Kühler als künftiges SUV-Gesicht zumindest für Audi etwas Neues.

Marketingchef Santos macht die Neudefinition von Premium dagegen vor allem im Interieur fest, das in dieser Klasse tatsächlich einzigartig ist. Denn genau wie der A8 bei den Limousinen setzt Audi dort konsequenter auf die Digitalisierung als die Konkurrenten. Die imposante Pixel-Landschaft hinter dem Lenkrad scheint wie gemacht für die Generation iPhone. Touchscreens statt Taster, Sensorfelder statt Schalter und im Cockpit bestechend scharfe Grafiken lassen X6 und GLE nach automobiler Steinzeit aussehen.

Audi zeigt ersten rein elektrischen Wagen

Obwohl der Q8 mit Allradlenkung, Luftfederung und Wankausgleich trotz seines stattlichen Formats und seines üppigen Gewichts halbwegs sportlich fahren sollte, wird das Fahren dank des innovativen Interieurs im Zweifel zur Nebensache.

Zwar feiert Audi mit dem Q8 eine Art Neustart und betritt immerhin ein neues Segment. Doch so frisch und innovativ, wie der Q8 wirkt, ist er gar nicht. Zumindest nicht unter dem Blech. Denn die Plattform teilt sich der Q8 mit dem Q7 und auch der Antrieb stammt aus der alten Welt: Zunächst kommen drei jeweils drei Liter große V6-Motoren auf den Markt - ein Benziner mit 340 PS im Q8 55 TFSI, und zwei Diesel mit 286 PS im Q8 50 TDI oder mit 231 PS im 45 TDI, der Mildhybrid reduziert den Verbrauch nur minimal.

Aber auch die Zukunft hatte in Shenzhen immerhin schon einen kurzen Auftritt. Als Prototyp hat es der erste rein elektrische Audi - natürlich auch wieder eine Art SUV - bereits auf die Bühne geschafft.



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hasselblad 06.06.2018
1.
Abgesehen von der optischen Beliebigkeit aller modernen Audis: Welchen Beitrag ein 4,99 m langes SUV mit in der kleinsten Ausprägung über 200 PS zur Urbanisation leisten soll, bleibt bis auf Weiteres wohl das Geheimnis der Audi-Marketingstrategen. Der Autoverkehr einer jeden nennenswerten Stadt platzt aus allen Nähten. Der Verbrauch dieser Autos im permanenten Stop&Go-Betrieb ist nur aus der Perspektive der Tankstellen-Umsätze zu rechtfertigen. Ausreichend dimensionierter Parkraum ist insb. in Deutschland Mangelware, sofern er nicht auf dem privaten Grundstück eigens geschaffen wird. Jeder soll kaufen und fahren was er will, bei mir ist es u.a. ein X6M, ich erlebe die Problematik also regelmäßig am eigenen Leib. Aber dazu darf man als Hersteller ruhig stehen und sagen, "wir bauen riesige Klopper für Leute mit dem nötigen Kleingeld komplett am Bedarf einer sinnvollen Nutzung im Stadtverkehr vorbei und wollen unseren Teil vom SUV-Coupé-Kuchen", die feigenblattartige Marketing-Positionierung ist in diesem Fall einfach nur lächerlich.
siegwart-kk 06.06.2018
2. Sollen erst mal die Hausaufgaben machen
Jeztzt stellen diese Leute abermals ein Auto auf die Räder was kein Mensch braucht. Q7 ist schon so peinlich da setzen die noch einen Q8 oben drauf. Typische Geschäfts und Leasingautos. Nach spätestens 3 - 4 Jahren werden die verschrottet. Weil zu peinlich damit weiterhin zu fahren. Wer das Geld für so einen Prollkarren hat fährt ihn während der Leasingzeit. Danach ist das Risiko für eine weitere Nutzung zu groß. Wenn der Turbo hoch geht ist die Karre wirtschaftlicher Totalschaden. Aber das sind diese Fahrzeuge bereits wenn sie neu beim Händler stehen.
maxmehr2008 06.06.2018
3. Hmm...
...bin ja eigentlich großer Audifan, aber schon wieder ist das Ding eine größere Ausgabe des A3 ... also rein optisch. Frage mich, warum die nicht mal was richtig Abgefahrenes wagen?! Spacig und so... siehe Porsche Mission E, DAS ist mal Zukunft. Man sieht, dass die deutsche Autoindustrie von lahmen alten Männern gesteuert wird. Niemand braucht mehr so einen Klotz, schon gar nicht, wenn er so unspektakulär ausschaut und im Inneren nicht von A7, A8, neuem A6 etc. zu unterscheiden ist.
J.Corey 06.06.2018
4.
Keine Abgastests hinbekommen, Abgasreinigungsanlagen nur als Betrugsspielwiese sehen, aber Ersatzschwengel auf die Strasse bringen - Vorsprung durch Technik wie Audi es nennt. Keine Ahnung wer so was noch kauft oder braucht, aber die sterben scheinbar nicht aus. Der Laden gehört dicht gemacht!
marty_gi 06.06.2018
5. Langeweile
DAS Audi-Design bleibt Langeweile pur, auch das bei Porsche (und anderswo) schon genutzte Lichtband am Heck bringt da wenig. Und ich analoger Ignorant bin auf den Technik-Kram im inneren eh nicht scharf. Und auch auf die Schummel-Diesel nicht.
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