Audi R8 Spyder: Präsentierteller mit 525 PS

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Der Audi R8 Spyder ist der bislang schärfste und schnellste Serien-Audi, außerdem auch der auffälligste. Wer Bescheidenheit für eine Zier hält, sitzt hinterm Steuer des Brachial-Roadsters falsch. Für Selbstdarsteller hingegen gibt es kaum ein geeigneteres Auto.

Audi R8 Spyder: Warum glotzen denn alle so? Fotos

Eva ist fast 20 und alles andere als schüchtern. Hübsch ist sie übrigens auch, und deshalb durchaus gewöhnt an Blicke aller Art. Doch als sie kürzlich den Transfer eines Audi R8 Spyder übernahm, wäre sie am liebsten unter einer Tarnkappe verschwunden. "Wo ich auch hinkam, starrten mich die Leute an und zückten ihre Fotohandys." Beim Tankstopp musste sie sich etliche dämliche Sprüche anhören, und bei der Kaffeepause an der Autobahnraststätte stand sie plötzlich im Mittelpunkt der halben Restaurantterrasse.

Was der Studentin in spe schon nach 300 Kilometern ziemlich peinlich wurde, ist für viele R8-Kunden einer der wesentlichen Kaufgründe. Denn: eine bessere automobile Bühne als den Boliden aus Bayern können Selbstdarsteller kaum finden. In einem Ferrari oder Lamborghini fällt man womöglich noch mehr auf. Doch schwingt in diesen Fällen immer auch etwas Halbseidenes sowie die Frage mit, aufgrund welcher gar krummen Geschäfte man sich so ein Auto wohl leisten könne. Auch der Audi R8 Spyder V10 zum Einstiegspreis von 158.100 Euro ist kein Schnäppchen, doch das Image des Autos ist so sauber wie das Design - ein Sportwagen für Architekten und Chefärzte eben, denen ein Porsche zu normal ist.

Trotzdem sollten reiche Raser gewarnt sein, ehe sie auf Knopfdruck die vollgasfeste Stoffmütze unter die Motorraumabdeckung gleiten lassen und sich gleichermaßen dem Sonnen- wie dem Rampenlicht aussetzen. Man muss es mögen, dass man ständig im Mittelpunkt steht. Für Duckmäuser und Leisetreter ist der R8 Spyder nicht gemacht.

Polizisten fragen, ob sie mal unter die Motorhaube gucken dürfen

Meist heischen Auto und Besatzung bewundernde, anerkennende oder neidische Blicke. Vor der Eisdiele recken junge Herren den Daumen, wenn man vorüberrollt. Beim Besuch im alten Fahrerlager des Nürburgrings ist der offene Renner natürlich sofort das Thema für benzintriefende PS-Prosa. Und selbst eine Polizeistreife fragt bei der Fahrzeugkontrolle, ob sie mal nach dem 5,2 Liter großen Zehnzylinder unter dem von Kühlrippen durchzogenen Heckdeckel schauen darf.

Zugleich aber verlangt das Auto eine gewisse Fitness und Souveränität. Denn wehe, man hüpft nicht genauso sportlich aus den tiefen Schalensitzen wie Sebastian Vettel aus seinem Redbull-Rennwagen. Dann ist einem die stille Häme der Umstehenden sicher. Wenig Spaß macht es auch, auf dem Supermarktparkplatz zu versuchen, den Wochenendeinkauf in das lediglich 100 Liter große Staufach unter der Fronthaube zu quetschen. "Das hast du jetzt davon", glaubt man dann in den Augen der Passanten zu lesen.

Übrigens machen sich R8-Fahrer auch keine Freunde in der Nachbarschaft. Weil der Motor schon beim Anlassen automatisch aufbrüllt wie ein Gorilla-Männchen während der Brunft und im Standgas tief grollt, wackeln dort regelmäßig die Wände. Wer abends häufig spät nach Hause kommt oder morgens früh losmuss, der sollte für diese Gelegenheiten einen geräuscharm motorisierten Zweitwagen zur Verfügung haben.

Fahrer getunter Mittelklassewagen suchen das Kräftemessen

Eigenartig ist auch das Fahren auf der Autobahn. Einerseits machen dem R8 selbst notorische Linksfahrer in potenten Business-Limousinen freiwillig Platz; möglicherweise, weil der R8 der wohl einzige Audi ist, der im Rückspiegel eindeutig erkennbar ist. Andererseits wollen manche Chauffeure eines auch nur ein bisschen getunten Mittelklassewagens wissen, was wirklich in dem Flachmann steckt und legen es deshalb auf eine Wettfahrt an.

Der Versuch ist zum Scheitern verurteilt. Mit 525 PS, 530 Nm, einem Sprintwert von 4,1 Sekunden und einem Spitzentempo von 313 wird die Luft für die allermeisten Autos ziemlich dünn. Interessierte haben jedoch häufig Gelegenheit, sich den Wagen an der Tankstelle anzuschauen. Weil sich der Normverbrauch von 14,9 Litern bei artgerechtem Einsatz durchaus verdoppelt, sieht man den R8 Spyder recht regelmäßig an einer Zapfsäule.

Wirkung entfaltet der R8 nicht nur gegenüber anderen Autofahrern. Auch am Steuer, wenn man über die lange Haube blickt, hinter sich den Motor fühlt und die rechte Hand den kalten Knauf des aus dem Vollen gefrästen Schaltknüppels durch die offene Kulisse klackern lässt, spürt man eine Persönlichkeitsveränderung. Dass man stets mit dem Gewissen und den Verkehrsregeln kämpft, ist bei so einem Auto kein Wunder. Doch dass man es trotz des Vollgaspotentials plötzlich überhaupt nicht mehr eilig hat, ist eine verblüffende Erkenntnis.

Je einsamer und kurviger die Straßen, desto angenehmer das Fahrgefühl

Man wählt nicht mehr die kürzeste, sondern die kurvenreichste Strecke, macht kilometerlange Umwege, nur um einmal in einem Tunnel zu beschleunigen und ist dankbar für jeden Stau - weil er ein Grund für die nächste Landstraßenfahrt ist. Je einsamer die Strecke, desto mehr genießt man die Präzision von Fahrwerk und Lenkung. Man erfreut sich am Allradantrieb, der ein gutes Gefühl für die Fahrbahn vermittelt. Und es ist einfach auch mal schön, in diesem Auto herumzufahren, ohne dass man angestarrt wird.

Bei Transferfahrerin Eva hatte der R8 sogar eine Nachwirkung. Kaum hatte sie das Auto abgegeben, vermisste sie auch schon das öffentliche Interesse. Auch bei Facebook, so klagte sie, werde sie über diese Episode ihres noch jungen Lebens nicht überzeugend berichten könnten: denn bei all der Aufregung ums Auto vergaß sie völlig, ein Foto von sich hinterm Steuer machen zu lassen.

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insgesamt 84 Beiträge
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1. Titel verweigert
fx33 22.06.2011
Zitat von sysopDer Audi R8 Spyder ist der bislang schärfste und der schnellste Serien-Audi, außerdem auch der auffälligste. Wer Bescheidenheit für eine Zier hält, sitzt hinterm Steuer des Brachial-Roadsters falsch. Für Selbstdarsteller hingegen gibt es kaum ein geeigneteres Auto. http://www.spiegel.de/auto/fahrberichte/0,1518,769390,00.html
Ein Auto für Angeber. Für solche, die's brauchen. Und die ignorant genug sind, 30 Liter Sprit pro 100 km für ihr Ego-Pimping zu verbrennen. Mit anderen Worten: ein Auto für reiche arme Würstchen.
2. Überführung von Luxuskarossen
tidi0003 22.06.2011
Guten Tag! Wer vertraut denn ein Auto mit einem Einstiegspreis von 158.100 Euro zur Überführung einer fast 20 jährigen Studentin in Spe an? Da möchte ich mal im Schadensfall die Versicherung zu hören. Wenn derart verantwortungslos mit Luxusautos umgegangen wird, dann scheinen sie ja wirklich nicht mehr zu sein, als überflüssiges Spielzeug für saturierte Menschen, die mit ihrem Geld nichts sinnvolles anzufangen wissen. Gruß
3. tiefergelegt
Flightkit 22.06.2011
Werkfotos (Ft Lauderdale?), dazu eine Eva auf Überführung und sonst noch etwas Nähkästchen eines Nasenrümpfers ergeben alles andere, aber keine Vorstellung von einem Auto.
4. soso
wolltsnursagen 22.06.2011
Eine Geschichte über eine unter 20 Jährigen die ein Promofahrzeug überführt als vermeintlicher Fantasieappetithappen für Prepubertierende?.. Fotos aus dem Pressekit... keinerlei Informationen über das Fahrzeug. Sind Sie das Fahrzeug überhaupt gefahren? Oder ist der Artikel wie ich mir eher denke beim Tagtraum eines minderbemittelten Journalisten entstanden.. Kann sowas nicht unter "Lifestyle" oder "reich und doof" oder "Panorama Leute" oder wie die Nonsense Spalte bei euch heißt rein? Sonst werden noch viele Leute enttäuscht werden die ein seriösen Autotest erwartet haben. Aber seriös und Spiegel Online.. was schreib ich denn da. Zwei Wörter die nicht in einen Satz gehören. Liebe Eva such dir einen vernünftigen Arbeitgeber nach deinem Studium.
5. titel frei
schmunzel123 22.06.2011
Zitat von tidi0003Guten Tag! Wer vertraut denn ein Auto mit einem Einstiegspreis von 158.100 Euro zur Überführung einer fast 20 jährigen Studentin in Spe an? Da möchte ich mal im Schadensfall die Versicherung zu hören. Wenn derart verantwortungslos mit Luxusautos umgegangen wird, dann scheinen sie ja wirklich nicht mehr zu sein, als überflüssiges Spielzeug für saturierte Menschen, die mit ihrem Geld nichts sinnvolles anzufangen wissen. Gruß
bis zum beweis des gegenteils, buche ich den teil mit der 20 jährigen studentin, unter der rubrik schöpferische freiheit und fantasie des journalisten ab.
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Fahrzeugschein
Hersteller: Audi
Typ: R8 Spyder (2011)
Karosserie: Cabrio/Roadster
Motor: V10-Benzin-Direkteinspritzer
Getriebe: Sechsgang-Schaltgetriebe
Antrieb: Allrad
Hubraum: 5.204 ccm
Leistung: 525 PS (386 kW)
Drehmoment: 530 Nm
Von 0 auf 100: 4,1 s
Höchstgeschw.: 313 km/h
Verbrauch (ECE): 14,9 Liter
CO2-Ausstoß: 356 g/km
Kofferraum: 100 Liter
Versicherung: 17 (HP) / 29 (TK) / 31 (VK)
Preis: 158.100 EUR

Schnellcheck

Audi R8 Spyder

Einsteigen: ...weil der R8 mit Präzision und Kraft imponiert und das hantieren in der Schaltkulisse einen Heidenspaß macht.

Aussteigen: : ...weil man ständig im Mittelpunkt steht.

Umsteigen: ...aus Lamborghini Gallardo Spyder, dem offenen Porsche Turbo und bald dem SLS Roadster von Mercedes-AMG.


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