Audi RS3 Sportback: Rasanter Restposten

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Verjüngungskur nach zehn Jahren Bauzeit: Um dem A3 vor seiner Ablösung noch einmal ein wenig Zauber zu verleihen, hat Audi seine Sportabteilung beauftragt. Die Quattro GmbH schickt den RS3 Sportback jetzt mit 340 PS auf die Zielgerade.

Audi RS3 Sportback: Verjüngungskur vor der Rente Fotos

Audi probt den eiligen Abgang in der Kompaktklasse. Wie fast immer, wenn bei den Bayern ein Modell auf die Zielgerade geht, zündet die Quattro GmbH den Nachbrenner, um den Wagen mit einer Leistungsspritze noch einmal in die Schlagzeilen zu katapultieren. Diesmal ist das Kompaktmodell A3 dran, das schon jetzt zehn Jahre auf dem Buckel hat und dessen Nachfolger erst im kommenden Frühjahr präsentiert wird. Also wird der edle Ableger des VW Golf zum RS3 aufgemöbelt. Bislang mussten rasanten Yuppies die 265 PS der Version S3 genügen, nun gibt es für den Endspurt 340 PS, die den RS3 durchaus zum Porsche-Rivalen machen. Allerdings zu einem stattlichen Preis: Der ab April als fünftüriger Sportback lieferbare RS3 wird mindestens 49.900 Euro kosten.

Der Quattro-Antrieb wurde von Audi vor 30 Jahren ursprünglich für mehr Grip auf Eis und Schnee entwickelt; ein Prototyp des Militärgeländewagens VW Iltis brachte die Bayern damals auf diese Idee. Doch schon der 200 PS starke Ur-Quattro von 1981 verfügte über jene Allianz von Vernunft und Vergnügen, die fast jedem der mittlerweile knapp vier Millionen gebauten Audi-Allradler zu eigen ist: "Quattro ist für uns immer eine Mischung aus Traktion und Emotion", sagt Entwicklungschef Stephan Reil. "Das galt für den Ur-Quattro genauso wie für den neuen RS3". Was Reil damit meint, spürt man bei der RS3-Testfahrt bereits auf den ersten Metern.

Auf halbwegs griffiger Straße bewahrt der Fünftürer eine stoische Ruhe und lässt sich selbst von heftigen Gasstößen kaum aus der Reserve locken. Die eher frontlastig ausgelegte Haldexkupplung verteilt die Antriebskraft mittels eines speziellen Druckspeichers so schnell und präzise zwischen den Achsen, dass der RS3 fast wie auf Schienen durch die Winterlandschaft schnurrt. Dafür stellt Audi bewährte Regeln auf den Kopf: Denn nicht wie sonst üblich auf der Hinterachse, sondern auf der Vorderachse sind die breiteren Reifen aufgezogen. Das garantiert möglichst lange den zum Lenken nötigen Grip. Wer den Wagen allerdings aufs Glatteis führt und dort beherzt zur Sache geht, erlebt eine veritable Schneekanone, die sich mit etwas Übung auch mit dem Gasfuß lenken lässt.

Durch Drücken der "S"-Taste wird das Auto noch einen Tick extremer

Die Musik dazu spielt der 2,5 Liter große Reihenfünfzylinder-Benzin-Direkteinspritzer aus dem Modell TT RS. Weil ein Turbo mit bis zu 1,2 bar Ladedruck dem Motor zusetzt, stehen maximal 450 Nm bereits bei 1600 Umdrehungen zur Verfügung. Fein dirigiert von der siebenstufigen Doppelkupplung, die jeden Schaltvorgang mit einem Stoß Zwischengas quittiert, schnellt der RS3 in 4,6 Sekunden auf Tempo 100 und würde das Auto wohl auf deutlich mehr als 250 km/h beschleunigen, würde nicht der Tempobegrenzer den Vorwärtsdrang bremsen.

Das Sportwagenerlebnis lässt sich noch steigern: durch Druck auf die "S"-Taste im dezent veredelten Cockpit. Das S steht zwar für "Sport", garantiert aber vor allem Spaß. Denn dann reagiert der Motor noch feinfühliger aufs Gas, dreht ein wenig höher und klingt noch kerniger. Im Sport-Modus nämlich öffnen sich zwei Soundklappen im Auspuff, mit denen die Tonlage um zwei Oktaven fällt.

Der RS3 ist so sportlich abgestimmt, wie es sich für ein Auto mit 340 PS gehört. Doch selbst wenn etwa zwei Zentimetern weniger Bodenfreiheit, harte Dämpfer und straffe Federn dem Steißbein jede Unebenheit der Straße mit kompromissloser Präzision weitermelden, wird ein Mindestmaß an Restkomfort gewahrt: Festgeschnallt in enge, aber noch immer bequeme Sportsessel und festgekrallt in ein unten abgeflachtes Lenkrad mit griffigem Altcantara-Bezug übersteht man so auch längere Strecken ohne anschließenden Massage-Termin.

Scharfe Konkurrenz der irrwitzig motorisierten Kompaktwagen

Da der VW Golf R über eine Leistung von 270 PS verfügt, der Opel Astra OPC noch nicht in Sicht und der 350 PS starke Ford Focus RS längst ausverkauft ist, wird der Audi RS3 ab April, wenn der Verkauf startet, prompt zum König der Kompaktklasse. Doch er wird nicht lange allein blieben auf dem Thron. Denn auf der Autoshow in Detroit stellte BMW gerade das 1er M Coupé vor, das mit einem aufgeladenen Sechszylindermotor auf ebenfalls 340 PS kommt. Auch der Mercedes-Ableger AMG arbeitet neuerdings an kräftigen Kleinwagen: Noch in diesem Jahr soll das neue Coupé der C-Klasse aufgebohrt werden, und in gut zwei Jahren könnte es sogar die erste A-Klasse von AMG geben.

Dass auch für die Quattro GmbH von Audi das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht ist, zeigen zwei Prototypen des A1, die dem RS3 bei den winterlichen Testfahrten verdächtig dicht auf den Versen bleiben. "Auch dieses Auto werden wir bald als Quattro anbieten", sagt Audi-Sprecher Josef Schlossmacher. Die Rede ist von einem S1 mit 2-Liter-Motor und gut 220 PS. Anders als beim RS3 muss man auf dieses Auto wohl nicht bis zum Ende der Baureihen-Laufzeit warten. In zwei Jahren soll es soweit sein.

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Aktuelles zu

Fahrzeugschein
Hersteller: Audi
Typ: RS3 Sportback
Karosserie: Kompaktwagen
Motor: Fünfzylinder-Turbo-Benzin-Direkteinspritzer
Getriebe: Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe
Antrieb: Allrad
Hubraum: 2.480 ccm
Leistung: 340 PS (250 kW)
Drehmoment: 450 Nm
Von 0 auf 100: 4,6 s
Höchstgeschw.: 250 km/h
Verbrauch (ECE): 9,1 Liter
CO2-Ausstoß: 217 g/km
Kofferraum: 370 Liter
umgebaut: 1.100 Liter
Preis: 49.900 EUR

Schnellcheck

Audi RS3 Sportback

Einsteigen: ...weil der Kraftmeier einfach Biss hat und jeden Meter mehr Spaß macht.

Aussteigen: ......weil der Wagen total unvernünftig ist und ein bisschen zu unauffällig aussieht.

Umsteigen: ...aus dem neuen BMW 1er M Coupé und in zwei Jahren auch aus der AMG-Version der nächsten Mercedes A-Klasse.



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