Von Tom Grünweg
Audi sägt weiter an der Zylinderbank. Einerseits hat die Marke für das Flaggschiff A8 gerade einen neuen Zwölfzylindermotor präsentiert und damit die Idee des Downsizings zumindest in der Oberklasse konterkariert. Doch bei den kleineren Baureihen ersetzt Audi die großen Motoren konsequent durch kleinere Triebwerke, wobei der dabei entstehende Leistungsausfall per Turbolader kompensiert wird. Das jüngste Beispiel dafür ist der Audi TT, der ab Juli in überarbeiteter Form bei den Händlern stehen wird und dann als Coupé mindestens 30.200 Euro und als Roadster 31.250 Euro kosten wird.
Die wenigen Retuschen der Designer kann man übergehen, und auch der neue Zierrat aus Chrom und Klavierlack im Innenraum wird kaum eine Kaufentscheidung beeinflussen. Aber unter der Motorhaube gingen die Entwickler mit seltener Konsequenz zu Werke: Weil beim neuen Vierzylinderaggregat dank Turbolader und Direkteinspritzung noch einmal ein paar Leistungsreserven mobilisiert wurden und die Maschine jetzt 211 PS leistet, wird der bisherige V6-Motor mit 3,2 Liter Hubraum und 250 PS kurzerhand aus dem Programm gekegelt.
Dass Coupé und Roadster damit um 15 Prozent Leistung verlieren, ist bei der ersten Ausfahrt mit dem neuen Triebwerk nicht zu merken. Im Gegenteil: Der TT wirkt mit dem Vierzylindermotor jetzt sehr viel agiler. Leicht lässt sich der Wagen durch die Kurven lenken. Am nötigen Elan mangelt es auch nicht: 350 Nm Drehmoment sorgen bei knapp 1,5 Tonnen Gewicht für mehr als genügend Schub. Wer für rund 2000 Euro Aufpreis anstelle des Schaltgetriebes die Doppelkupplung bestellt, schnellt in 5,6 Sekunden auf Tempo 100 und kommt auf maximal 245 km/h.
Der Mehrpreis sollte locker zu verkraften sein. Auch wenn der Audi TT 2.0 TFSI nach dem Leistungssprung rund 300 Euro mehr kostet als bislang, spart man gegenüber dem Modell mit V6-Motor schon beim Kauf rund 6000 Euro. Und an der Tankstelle setzt sich der Sparkurs fort. Denn dort zeigt sich mit einem Verbrauchsrückgang von mehr als zwei Litern je 100 Kilometer der wahre Vorteil des Downsizings: 6,6 Liter mit Handschaltung, 7,1 Liter mit Doppelkupplungsgetriebe und 7,2 Liter mit eben jenem DSG plus Allradantrieb sind für einen Sportwagen keine schlechten Verbrauchswerte.
Die Ingenieure nahmen sich auch die beiden kleineren Triebwerke vor. Der kleinere TFSI-Benziner mit 1,8 Liter Hubraum und 160 PS Leistung sowie der 170 PS starke TDI-Motor wurden optimiert und mit einem rekuperativen Bremssystem gekoppelt, das beim Verzögern elektrische Energie erzeugt. Die Designer jedoch blieben, wie schon erwähnt, weitgehend untätig. "In 15 Jahren ist der TT zu einer Designikone gereift", sagt Produktmanager Jens Meier. Entsprechend behutsam und bedächtig sei der Wagen aktualisiert worden.
Nur noch das Topmodell verfügt über fünf Zylinder
Bei flüchtigem Hinsehen erkennt man gar keine Neuerung. Wenn man genauer schaut, sieht man dann doch die geänderten Lamellen im Single-Frame-Kühlergrill, die Aluringe um die Nebelleuchten, den um insgesamt zwei Zentimeter dickeren Stoßfänger, den größeren Heckdiffusor oder die neuen Rückleuchten mit Tiefenwirkung. Einzig die mittlerweile offenbar unverzichtbaren LED-Punkte des Tagfahrlichts heben das renovierte Modell dann doch hervor - sofern man die 870 Euro teuren Xenon-Plus-Scheinwerfer bestellt.
Obwohl Audi mit der Überarbeitung des TT durchaus mutig die überschüssigen Zylinder ausrangiert, werfen die Bayern die großen Motoren nicht vollends zum alten Eisen. Zwar tritt selbst die sportliche Variante TTS mit einem sogar 272 PS starken Vierzylinder an, doch das Top-Muskelmodell TT RS birgt einen Fünfzylindermotor unter der Haube - und hat von allen TT-Versionen den besten Klang.
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