Autogramm Dacia Dokker: Auf die billige Tour

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Dacia Dokker: Liebling der Schnäppchenjäger Fotos
Dacia

Der Dacia Dokker lockt mit einem verheißungsvollen Angebot: viel Platz für wenig Geld. Er ist genauso geräumig wie ein Renault Kangoo, stammt sogar aus dem gleichen Konzern - kostet aber kaum mehr als die Hälfte. Hohe Ansprüche darf man an den Wagen allerdings nicht stellen.

Der erste Eindruck: Der sieht doch ganz ordentlich aus. Wenn man den Dacia Dokker zwischen Konkurrenten wie dem Citroën Berlingo, dem Fiat Doblo, dem Peugeot Partner und seinem Cousin Renault Kangoo parkt, outet er sich jedenfalls nicht gleich als billiger Jakob. Im Gegenteil: Zumindest der Testwagen hat lackierte Stoßfänger, große, sympathische Scheinwerfer, Alufelgen und gleich zwei Schiebetüren - ein Billigauto stellt man sich anders vor.

Das sagt der Hersteller: Für den Mutterkonzern Renault ist Dacia eine Erfolgsgeschichte: "Keine Marke ist zuletzt so schnell gewachsen ", sagt Thierry Pradère aus dem Marketing. Zwar sind die Preise niedrig, doch bei Dacia stimmt die Rendite. Aus Renault-Kreisen hört man immer wieder, dass die rumänische Tochter als einzige Firmensparte einen nennenswerten Gewinn abwirft. Und auch die Händler sind zufrieden: Bei den Tages- und Eigenzulassungen steht Dacia am Ende der Tabelle, keine andere Marke hat einen derart geringen Wertverlust - Rabatte sind kein Thema.

Allerdings sei die Zeit vorbei, in der Dacia abgelegte Renault-Technik auftragen müsse, sagt Pradère. Deshalb sei der Dokker eben auch kein abgespeckter Kangoo, sondern stehe wie Lodgy und Sandero auf der neuen, für Dacia entwickelten Plattform und biete moderne Technik - von der Bluetooth-Freisprecheinrichtung über die vier Airbags bis hin zum optionalen Navigationssystem, das mit 430 Euro zu den billigsten Werkseinbauten zählt.

Das ist uns aufgefallen: Wie wenig Auto man tatsächlich braucht, wenn man einfach nur von A nach B kommen möchte - und dabei auch die Kinder mitnehmen will. Klar, der Nachwuchs reist in einem Renault Scénic bequemer, mit Klapptischchen an den Rücklehnen, kann seine Sessel verschieben und freut sich über die bunteren Polster. Und in einem VW Caddy ist das Gepäckabteil liebevoller ausgekleidet und besser vor Kratzern geschützt. Aber hey, ein Dacia ist kein Statussymbol, sondern ein Gebrauchsgegenstand - und gebrauchen lässt sich der Wagen bestens.

Der Kofferraum hinter den beiden Türflügeln ist riesig und dank der niedrigen Ladekante bequem zu erreichen. Die Beinfreiheit im Fond reicht auch für Erwachsene, die Ablagen im Cockpit und im Hochregal unter dem Dach schlucken mehr Kleinkram als man mitnehmen kann, und vorne hat man Platz wie am Steuer eines Reisebusses. Die Sitze könnten allerdings besser gepolstert sein, damit einem nach ein paar Stunden nicht Rücken und Oberschenkel schmerzen. Und die zarten Chromringe um die Lüfterdüsen machen aus einer Plastikwüste noch keinen Augenschmaus.

Bei Vollgas wird der Motor unangenehm laut. Wir waren unterwegs mit dem 90 PS-Diesel, der auf dem Papier 4,5 und in der Praxis mit viel flotter Fahrt auf der Autobahn rund 7 Liter auf 100 Kilometer braucht. Sein eher gemächlicher Charakter kommt beim Fahrkomfort positiv zur Geltung - er trampelt nicht wie so manches andere Nutzfahrzeug über Bodenwellen, sondern bügelt die Straße geradezu glatt.

Das muss man wissen: Mit einem Grundpreis von 8890 Euro für die Version mit einem 83 PS-Benziner ist der seit diesem Frühjahr lieferbare Dokker tatsächlich das billigste Raumfahrzeug der Republik. Zum Vergleich: Einen Renault Kangoo gibt es nicht unter 15.190 Euro. Allerdings ist billigste Variante des Dokkers extrem spartanisch: Vier Airbags und das ESP sind zwar Standard, aber schon die zweite Schiebetüre kostet extra und die Fenster kurbelt man noch von Hand.

Doch selbst mit der teuersten von vier Motorvarianten - dem hier getesteten Diesel mit 90 PS - und allen Extras von der Sitzheizung (150 Euro) über das Paket mit Klima- und Musikanlage (950 Euro) und Alurädern (600 Euro) ist der Dokker noch weit billiger als der Renault Kangoo mit gleicher Motorisierung und ohne Extras (17.990 Euro).

Das werden wir nicht vergessen: Dass man dem Dokker an vielen Details ablesen kann, wie der Kampfpreis zustande kam. Unverkleidete Schrauben und Schienen für die Gurthöhenverstellung, ein Ladeboden glatt wie eine Schlittschuhbahn und die Gepäckraumabdeckung aus so einfachem Stoff, als hätte man ihn aus dem Altkleider-Container gezogen. Hier wirkt der Wagen wirklich so billig, wie er tatsächlich ist.

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Fahrzeugschein
Hersteller: Dacia
Typ: Dokker
Karosserie: Kombi
Motor: Vierzylinder-Commonrail-Diesel
Getriebe: manuelles 5-Gang-Getriebe
Antrieb: Front
Hubraum: 1.461 ccm
Leistung: 90 PS (66 kW)
Drehmoment: 200 Nm
Von 0 auf 100: 13,9 s
Höchstgeschw.: 162 km/h
Verbrauch (ECE): 4,5 Liter
CO2-Ausstoß: 118 g/km
Kofferraum: 800 Liter
umgebaut: 3.000 Liter
Gewicht: 1.280 kg
Maße: 4363 /1751/1814
Versicherung: 22 (HP) / 20 (TK) / 17 (VK)
Preis: 14.490 EUR

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